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Sängerin und Entertainerin mit vollem Körpereinsatz: Julia von Miller wurde zum dritten Mal engagiert. Und wieder war es ein Glückgriff.

Sängerin Julia von Miller beim Neujahrskonzert im OMG

Beschwingt, frech und frivol

Neufahrn – Plaudernd, scherzend, radebrechend – der Charme von Julia von Miller mag nicht jedermanns Sache sein, ihr Temperament, ihre Stimme und ihre Songs wussten allemal zu begeistern bei Neujahrskonzert in der gut gefüllten OMG-Aula.

Alle guten Dinge sind drei, mag sich Kulturreferentin Christa Kürzinger gesagt haben, als sie die temperamentvolle Diva erneut engagierte. Dass sich das Konzert als Glücksgriff erwies, lag aber nicht an von Miller allein. Bei Weitem nicht.

Julia von Miller wäre nur die Hälfte wert gewesen an diesem beschwingten, von handverlesenen Jazz-Standards, von Chansons und Evergreens geprägten Neujahrskonzert. Da waren Vollprofis am Werk, Musiker, die mit allen Wassern gewaschen sind, die sich mit den Genres nur so spielten. Mal launig nonchalant, mal beschwingt und fordernd, mal frech, frivol und völlig neben der Spur.

Bestes Beispiel: Ein Stück von Jimi Hendrix. Eines das nicht jeder kennt. Eine Rarität, die noch dazu arg glatt gebügelt und verfremdet rüberkam. Verjazzt halt, wie man in Zeiten zu sagen pflegte, in denen das Arrangieren, ja das Persiflieren zum guten Ton gehörte auf den Showbühnen dieser Welt.

Das passte gut zu den weit ausholenden Gesten einer Sängerin und Entertainerin, die sich die Seele aus dem Leib sang. Demonstrativ zwar aber durchaus beachtlich und und überzeugend. Als Blues-, als Jazz- und Swing-Interpretin. Hätte nur noch die Rock-Röhre gefehlt. Knapp war es ohnehin bei besagtem Hendrix-Zitat. Einer bemerkenswerten, weil locker vor sich hin groovenden Version von „Up from the Skies“. Ein Gusto-Stück, wie sie weisen sollte. Selbst in der, abgewandelten Form. Oder auch gerade deshalb, weil nicht der Untote selbst, sondern ein weitaus feinfühliger, filigranerer Vertreter seiner Zunft Hand anlegte, an die nur halb so elektrische, noch vom Resonanzkörper geprägte Jazz-Gitarre. Dieter Holesch war sein Name und im Verbund mit Tieftöner Ludwig Leininger am Standbass und Pianist Robert Probst bildete er eine hervorragende Rhythmusgruppe für Julia von Miller. Eine, die ordentlich nach vorne losging, wenn es sein musste. Bei „Up from the Skies“ musste es. Genau so wie sich so manche Träne auf die Reise gemacht haben dürfte, bei einer Hommage an die Queen of Blues, Diana Washington.

Alles sehr zum Vergnügen eines Publikums, das am Ende gar nicht mehr genug bekommen konnte von dem Quartett, von einer Frontfrau, die sich das Motto „Was ihr wollt“ auf die Fahnen geschrieben hat. Mission erfüllt, kann man da nur sagen. 

Alexander Fischer

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