Saftige Geldstrafen für Käfer-Diebe

Eching - Einen vorgeblich herrenlosen VW Käfer haben sich ein 26-Jähriger und sein Spezl (27) in Eching unter den Nagel gerissen. Die aus dem Landkreis Erding stammenden Männer sind der Justiz nicht unbekannt. Wegen besonders schweren Diebstahls angeklagt, musste besonders der 26-Jährige mit Freiheitsentzug rechnen.

Der Bauhelfer ist sieben Mal vorbelastet, war schon als Heranwachsender wegen Körperverletzung, Drogen und Diebstahl aufgefallen. Zuletzt sprach ein Gericht eine 18-monatige Bewährungsstrafe gegen ihnaus. Neun Mal hatte er sich bei einem früheren Arbeitgeber Zutritt verschafft, um die Kasse zu plündern. Zum Zeitpunkt der Tat im Juli vergangenen Jahres, als er mit seinem Kumpel den VW konfiszierte, stand er noch unter offener Bewährungsaufsicht. Sein Spezl ist ebenfalls kein unbeschriebenes Blatt. Vier Voreinträge sind im Bundeszentralregister verzeichnet. Unter anderem wegen schweren Bandendiebstahls wurde er 2007 zu einem Jahr und sechs Monaten Bewährung verurteilt.

Die Sache mit dem Käfer in Eching ist merkwürdig gelaufen. Der Halter (60), ein Unternehmer aus München, hatte den Wagen am Vorabend wegen einem Platten in Eching stehen lassen. Irgendwann zwischen den Abendstunden des 10. Juli 2015 und dem Tatzeitpunkt am folgenden Tag, 17 Uhr, muss die Polizei das Auto mit einem roten Punkt als unrechtmäßig abgestelltes Fahrzeug gekennzeichnet haben. Bei dem Käfer handelt es sich um ein als Oldtimer gehandeltes Modell.

Mit einem Transporter chauffierten die Spezln den VW heim in eine Halle bei Moosinning, wo er knapp zwei Wochen stehen blieb. Dann rief der 27-Jährige seinen jüngeren Mittäter an. „Wir stehen in der Zeitung“, schrie er aufgeregt. Der VW sei als gestohlen gemeldet. Die Polizei sucht über die Zeitung nach Zeugen. Dem Gericht gestand er ein, dass seine Freundin ihm die Hölle heiß gemacht hatte. „Sie hat ihm ordentlich den Kopf gewaschen“, bestätigte sein Anwalt. Tags drauf stellten sich die Spezln den Ermittlern. Laut Polizei wäre die Tat vermutlich niemals aufgeklärt worden, hätten die Angeklagten sich nicht selbst angezeigt. Der Beamte räumte ein: „Wir hatten keine Spuren.“

Anscheinend hatten beide Angeklagte die in früheren Verfahren verhängte Bewährung als echten Warnschuss akzeptiert. Die Erleichterung war im Sitzungssaal spürbar, als das Gericht auf Freiheitsstrafen verzichtete, dafür hohe Geldstrafen auslobte. Den 27-Jährigen verurteilte Richterin Tanja Weihönig zu einer Geldstrafe über 9450 Euro (135 Tagessätze zu 70 Euro). Sein unter offener Bewährung stehender Spezl muss 10 200 Euro zahlen (170 Tagessätze zu 60 Euro).

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