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Nach Hundeattacke in Eching

Braucht es schärfere Vorschriften für Hundebesitzer?

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Die Attacke eines Rottweilers auf zwei Kinder in Eching ist kein Einzelfall. Kaum ein Jahr, indem nicht ein Bürger im Landkreis Freising Opfer eines Hundebisses wird. Die Erfahrung zeigt: Verordnungen allein reichen nicht, um Schlimmes zu verhindern.

Landkreis – Das Wichtigste zuerst: Dem Buben geht es den Umständen entsprechend gut. Wie berichtet, hat am Dienstag ein freilaufender Rottweiler ein Geschwisterpärchen angefallen. Das zweijährige Mädchen kam dank seines dicken Schneeanzugs mit Hautabschürfungen davon. Der fünfjährige Bruder erlitt Verletzungen an Gesäß und Oberschenkel und musste operiert werden. Wie aus dem Echinger Rathaus zu erfahren war, gehe es dem Buben schon etwas besser, er müsse aber noch bis Ende der Woche im Krankenhaus bleiben.

Der Vorfall in Eching ist kein Einzelfall. Fast jedes Jahr ereignet sich im Landkreis Freising mindestens eine Hundeattacke. 2011: Attaching. 2013: Fahrenzhausen. 2014: Zolling. 2015: Gründl. 2016: Neufahrn. Zu den Opfern zählen Kinder und ältere Menschen, aber auch andere Hunde. Zuletzt erwischte es im Mai 2017 eine 47-Jährige aus Kirchdorf, die nach der Attacke eines Hundes operiert werden musste.

Ruf nach schärferen Vorschriften wird laut

Zumeist wird nach solchen Vorfällen der Ruf nach Leinenpflicht und schärferen Vorschriften für Hundebesitzer laut. In Kirchdorf gibt es dennoch bis heute keine entsprechende Satzung. „Das ist ein hochpolitisches Thema“, sagt Dieter Lehnert von der Gemeinde Kirchdorf. „Die Lobby der Hundehalter ist groß.“ Das Argument, dass gegen eine Leinenpflicht meist fällt: dass damit der natürliche Bewegungsdrang der Tiere eingeengt werde. „Die andere Frage ist, ob sich mit so einer Satzung jeder Vorfall verhindern lässt.“

Um eine Attacke zu ahnden, ist eine Satzung nicht notwendig. Sie regelt lediglich, ob Hunde ab einer Schulterhöhe von 50 Zentimetern in bebauten Gebieten grundsätzlich angeleint werden müssen oder nicht. Verletzungen, die durch Tiere hervorgerufen werden, fallen hingegen unter das Bayerische Landesstraf- und Verordnungsgesetz. „Dann erfolgt eine Anhörung beider Seiten, und wenn die Fakten gesammelt sind, wird entschieden, ob und welche Auflagen es gibt.“ Zugleich könne das Opfer natürlich zur Polizei gehen und zivilrechtliche Schritte einleiten.

Dass Regeln allein schlimme Vorfälle nicht verhindern können, weiß auch Elena Völz von der Gemeinde Zolling. Dort wurde 2009 eine Hundehaltungsverordnung erlassen. Vorangegangen war ein böser Hundebiss und der geballte Bürgerprotest in Form von 400 Unterschriften. „Doch das A und O sind die Einsicht und das Verantwortungsbewusstsein der Halter“, betont Völz. Dass beides nicht immer gegeben ist, zeigt ein Vorfall von 2014. Ein Achtjähriger war dem Zaun eines Grundstücks zu nahe gekommen und wurde von einem Terrier durch die Barriere hindurch ins Gesicht gebissen. Die Gemeinde verfügte daraufhin, den Gartenzaun so umzurüsten, dass sich ein derartiger Vorfall nicht wiederholen könne. „Die Hundebesitzer wollten dieser Auflage nicht nachkommen“, berichtet Völz. Der Fall landete vor dem Verwaltungsgericht. Die Gemeinde bekam recht.

Verhandelt wurde 2013 auch ein Vorfall aus Fahrenzhausen. Eine 60-Jährige war von dem Hund ihrer ehemaligen Chefin in die Brust gebissen worden, als sie zufällig an ihren alten Arbeitsplatz kam und Hallo sagen wollte. Der Freisinger Richter stellte das Verfahren gegen eine Geldbuße über 500 Euro ein.

Ordnungsgeld juckt Hundebesitzer wenig

Noch weniger kostet es im Normalfall, wenn man lediglich gegen die Leinenpflicht verstößt. „200 Euro Ordnungsgeld – das juckt den Hundebesitzer wenig“, sagt Robert Zellner, der im Freisinger Rathaus für das Thema zuständig ist. Solche Satzungen würden Sicherheit nur vorspiegeln. Denn selbst bei angeleinten Hunden könne es zu Beißvorfällen kommen. „Der schwächste Teil steht immer am Ende der Leine auf zwei Beinen.“

Zellner hält es daher für wirkungsvoller, die Bayerische Kampfhundeverordnung so streng wie möglich auszulegen. Das heißt für ihn nicht nur, die Anmeldung von Rassen der Kategorie 1 abzulehnen – etwa Pitbulls und Terrier. Er stellt auch alle Hunde der Kategorie 2, darunter Rottweiler, unter Leinenzwang in bebautem Gebiet – auch wenn der Besitzer das positive Wesenszeugnis eines Sachverständigen vorlegen kann. „Ich muss mich daran nicht halten“, sagt Zellner. Und weil er bei Rassen der Kategorie 2 immer Gefahren sieht, erhalten die entsprechenden Hunde von ihm grundsätzlich ein Negativzeugnis. „Bisher bin ich damit noch nicht auf die Schnauze gefallen.“ Das wäre dann der Fall, wenn ein Hundehalter dagegen erfolgreich klagen würde.

Zellner hat aber auch die große Mehrheit der Hundehalter im Blick, die sich bei der Erziehung ihrer Tiere alle Mühe der Welt geben. „Warum soll man jemand, der eine Hundebegleitprüfung schafft, nicht damit belohnen, dass er zum Beispiel für drei Jahre von der Steuerpflicht entbunden wird?“

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