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Mit Kino hat auch die Foto-Werkschau von Richard Thieler zu tun.

Kino und Kunst

Im Schafhof: Künstler mit technischen Raffinessen

Freising - Der eine gibt menschlichen Köpfen mit Kartoffeln ein Gesicht, der andere beleuchtet Fotografien rückwärts: Im Schafhof sind derzeit Werke zweier Künstler zu sehen, die mit eigenwilligen technischen Raffinessen glänzen.

Unter dem Titel „Cinemaczz“ zeigt Vollrad Kutscher, ein Pionier der deutschen Medienkunst, seine Lichtinstallation „leuchtende Vorbilder“ und das Video „Kartoffelkino“. Kino ist auch das Thema der Foto-Werkschau von Richard Thieler im Erdgeschoss.

Vollrad Kutscher vor seinem "Kartoffelkino".

Es mag vielleicht seltsam erscheinen, wenn sich ein Künstler damit beschäftigt, aus Kartoffeln Gesichter zu schnitzen und sie anschließend mittels Zeitraffer altern und verschrumpeln zu lassen. Für Vollrad Kutscher hat das Thema viel mit Ethik, Schönheit und Moral zu tun. Die Idee, dem menschlichen Kopf mit einer Kartoffel ein Gesicht zu geben, sei ihm während der Entwicklung einer Lichtinstallation für eine Ausstellung in Bonn gekommen, erinnert sich der 70-Jährige. „Eine Höhle für Platon“: so der Titel der Ausstellung. Martin Heidegger, einer der einflussreichsten Philosophen des 20. Jahrhunderts, den er während seiner Studienjahre in Mainz persönlich kennenlernen durfte, sei ja ein Verfechter der Ideenlehre von Platon gewesen. Eine Lehre, die die Vernunft in den Vordergrund stelle. Für ihn sei eher das Thema der Vergänglichkeit spannend. Mit dem „ziemlich deutschen Material Kartoffel“, so Kutscher, habe er seine Position ausdrücken wollen. Und was hat Vollrad Kutscher gemacht? Er hat glatte, glänzende Kartoffeln genommen und daraus Gesichter geschnitzt: Gesichter wie Kraterlandschaften, zerklüftete Köpfe wie hoch aufragende Termitenhügel, zerfurcht und verschrumpelt. Beeindruckend, wie hier das menschliche Leben im Zeitraffer vorbeizieht. Der Filmemacher Dieter Reifahrt hat das „Kartoffelkino“ aufgezeichnet. Auch das „Kartoffelschnitzen“ kann in einem Video eingesehen werden. Das „Kartoffelkino“ kann man übrigens von einer Bühne aus betrachten, die der künstlerische Leiter des Europäischen Künstlerhauses, Eike Berg, eigens für die Ausstellung installieren ließ. Daneben gibt es interessante Schattenprojektionen zu sehen. Berühmte Personen aus dem Kunstbetrieb werden von Kutscher zunächst auf kleine Glasplatten gemalt und dann – ähnlich wie bei Schattenbildern – an die Wand projektiert.

Mit Kino hat auch das Thema der Foto-Werkschau von Richard Thieler zu tun. Lichtspieltheater, Kinos, Filmpaläste und Freiluftkinos begegnen dem Betrachter in der Ausstellung. Bei Dunkelheit sind die meisten dieser Stätten fotografiert. Präsentiert werden sie auf „backlit-Folie“. Dabei werden die Fotografien rückwärtig elektrisch beleuchtet. So werde mit dem Thema Licht und Illusion gespielt, betonte die Kunsthistorikerin Sigrid Melchior bei der Vernissage am Freitag. Beide Ausstellungen fügten sich perfekt ins Jahresthema „Identität“ ein, freute sich Berg. „Kino ist doch ein Spiegel der Identität.“

Gut zu wissen

Öffnungszeiten der Ausstellungen: Sonntag 11 bis 16 Uhr, Dienstag bis Samstag, 13 bis 16 Uhr. Dauer der Ausstellungen: Vollrad Kutscher „Cinemaczz“ bis 5. Juni, Richard Thieler „Kino“ bis 12. Juni.

Maria Martin

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