Männerfreundschaft: Yvan (Wolfgang Steger), Serge (Klemens Plail) und Marc (Markus Czeslik; v. l.). foto: birgit gleixner

Ein schauspielerisches Fest

Freising - Theater04 bietet mit Yasmina Rezas drittem Stück „Kunst“ eben diese auf ganz hohem Niveau. In minimalistischer Schwarz-Weiß-Optik und mit starkem Minenspiel.

Sie ist ein Mythos: die Männerfreundschaft. Was ein weißes Bild mit weißen Streifen auf weißem Untergrund für diesen Mythos bedeuten kann, hat Yasmina Reza 1994 in ihrer Komödie „Kunst“ beschrieben, hat dem Mythos die Maske heruntergerissen. 20 Jahre später macht sich Theater04 aus Freising über das Erfolgsstück her: Am Donnerstag feierte das Männertrio im Jagdzimmer des Furtnerbräu Premiere. Und: Schauspielerisch war es tatsächlich ein Fest.

Die Bühne: weiß. Das Ölgemälde, 160 auf 120 Zentimeter groß und 200 000 Euro wert: weiß. Für Serge (Klemens Plail) ist es das Geld wert, für Marc (Markus Czeslik) ist dieses Ding in Weiß „Scheiß“, für Yvan (Wolfgang Steger) ist es fast egal. Die Schauspieler: in Weiß und Schwarz gekleidet. Minimalistisch ist also die Inszenierung, die das Theater04 unter Regie von Daniela Obermeir in seiner neuen Produktion wieder einmal an den Tag legt - aber nur, was die Utensilien und das Bühnenbild angeht. Denn wie die Schauspieler auf der Bühne agieren, ist alles andere als minimalistisch:

Wenn Yvan zum großen Monolog über „Mutti“, Braut und Hochzeit ansetzt, wenn er um die Freundschaft mit seinen zwei Kumpels bettelt und um sie kämpft, dann ist das ebenso große Schauspielkunst wie der Streit zwischen Serge und Marc, der sogar per Zeitlupe zum handfesten Kampf wird. Da gibt es die großen Emotionen wie das herzhafte Lachen über das „bescheuerte“ Verhalten von Kunstsammler Serge. Da gibt es Tränen der Rührung, der Trauer und Verzweiflung wie die von Yvan. Da gibt es Wut und Ärger. Doch nicht nur die professionelle, bis in Feinheiten hinein ausgeklügelte Darstellung von Regungen beeindruckt den Zuschauer.

Eine weitere ganz große Stärke des Schauspielertrios ist die Mimik: Wenn Serge und Marc das Kunstwerk betrachten, dann sieht man an jeder Zuckung, an jeder Bewegung der Augenbraue, was jeder gerade über das Ölgemälde denkt. Wenn Yvan zwischen den sich üble Dinge und persönliche Beleidigungen an den Kopf werfenden Marc und Serge hin- und hergerissen ist, dabei hektisch die Augen bewegt, dann kann man mitfühlen, wie sehr ihm die Sache nahe geht.

Und das sind nur zwei Beispiele, wie da fast 90 Minuten lang ganz großes Theater auf einer ganz kleinen und minimalistischen Bühne geboten wird. Das Stück heißt „Kunst“, was Theater04 bietet, ist auch „Kunst“ - und zwar auf ganz hohem Niveau. (zz)

Weitere Aufführungen

am 11., 16., 17., 18., 23. und 24. Oktober (Beginn jeweils 20 Uhr). Eintritt: 14 Euro im Vorverkauf in der Touristinfo, 16 an der Abendkasse.

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