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Ein Bild aus längst vergangenen Tagen: Bürgermeister Karl Ecker, Ex-Wirt Claus Soller und seine Frau Claudia sowie Baron Michael Beck von Peccoz beim Hopfenfest-Auftakt. 

Veränderungen in Au

Schlossbräukeller Au: Biergarten öffnet heuer auch ohne neuen Wirt

Trotz intensiver Suche steht der Schlossbräukeller in Au noch immer ohne neuen Wirt da. Laut Baron Michael Beck von Peccoz ist „noch nicht mal einer in Aussicht“. Doch zu Beginn der neuen Biergarten-Saison soll Plan B greifen. Das bedeutet: Ein kühles Bier unter schattigen Kastanienbäumen wird es auch heuer im Schlossgarten geben.

Au/Hallertau – Wie ein Lauffeuer verbreitete sich Mitte November vergangenen Jahres die Nachricht vom Aus des Schlossbräukellers in Au. Auf seiner Facebook-Seite hatte Wirt Claus Soller Freunde und Bekannte darüber informiert, dass er die Pforten des über die Region bekannten Gasthauses mit Biergarten nach vielen Jahren als Pächter schließt. Als Grund nannte er die „wirtschaftliche Situation“, die es nicht mehr zuließe, weiterhin die Gastronomie im Herzen von Au, direkt neben dem Schloss gelegen, weiterzuführen.

Seit 2007 war Soller Bräukellerwirt, in den Anfangsjahren gemeinsam mit seiner Mitpächterin Stefanie Bulling, danach in Eigenregie mit Gattin Claudia an seiner Seite. Die genauen Ursachen, die letztendlich zum Scheitern des Wirts führten, sind sicher vielschichtig. Jedoch ist nicht von der Hand zu weisen, dass Sollers Tanz auf zu vielen Hochzeiten für den Betrieb des Schlossbräukellers sicher nicht förderlich war. So oblag ihm seit mehreren Jahren die Organisation und Durchführung des Holledauer Pfingstfests, das mehrere Wochen vorbereitet und fünf Tage durchgeführt werden musste. Auch an der Organisation von Hopfenfesten fand Soller Gefallen, weshalb er sich in den Jahren 2015 und 2016 diesen Veranstaltungen in Au und auch in der Nachbargemeinde Nandlstadt widmete. Dass der Auer Wirt beim Nandlstädter Hopfenfest 2016 dabei das Bier einer Freisinger Brauerei ausschenken musste, ist nur eine Randnotiz.

Das abrupte Aus des Bräukellers im November traf auch mehrere Vereine: Diverse Weihnachtsfeiern mussten umorganisiert werden, und auch ein Brautpaar musste sich kurzfristig für den schönsten Tag ihres Lebens eine neue Feierstätte suchen. Auch Bürger, die noch einen Gutschein für den Schlossbräukeller hatten, bleiben auf diesen sitzen. Wie sehr der Bräukeller fehlt, wurde erst jüngst am Faschingssonntag deutlich. So wurde der Biertempel schmerzlich vermisst, der der Narrenschar alljährlich vom großen Keller bis hin zum Sudhaus und der Malztenne-Bar eine Heimat gab.

Viele Bewerber nicht geeignet

Doch wie geht es nun weiter? „Ich kann noch gar nichts sagen“, antwortete Baron Michael Beck von Peccoz auf FT-Nachfrage. Gern hätte er eine positive Nachricht verkündet, doch zahlreiche Anzeigen in einschlägigen Blättern waren nicht von Erfolg gekrönt, bedauert der Auer Bierbaron. Vor allem Bewerber mit ausländischer Küche hätten ihren Hut in den Ring werfen wollen, was jedoch niemals vorgesehen war, will man doch an der bayerischen Küche festhalten. Auch hätten sich einige Leute gemeldet, die sich den Job zwar zugetraut hätten, aber für die Aufgabe einfach nicht geeignet gewesen seien, so Beck von Peccoz. Auch bei den beiden zuletzt verbliebenen Kandidaten hatte man kein Glück. So kam das Aus bei einem Bewerber beim anberaumten Probeessen (Baron: „Das war schlichtweg eine Katastrophe“), der andere verfügte nicht über die nötige Finanzdecke, die ein Engagement im Schlossbräukeller durchaus vorsieht.

Dabei sind die Kosten für Pacht und Betrieb beileibe nicht zu hoch und liegen laut Gutachten sogar unter dem Wert, den die Gaststättenvereinigung DEHOGA vor Betriebe dieser Größe vorsieht.

„Wir wollen nicht den letzten Profit rausquetschen“, erklärte der Bierbaron: „Wichtiger ist uns ein dauerhaft guter Pächter.“ Der sollte über Berufserfahrung und die notwendigen Qualifikationen verfügen, ferner ein Konzept zur Bewirtschaftung aufzeigen und neue Ideen mitbringen. „Aber Glücksritter suchen wir keinen“, so der Brauereichef, der nicht glauben kann, dass sich niemand für diese Herausforderung finden lässt. Fakt ist aktuelle: „Wir haben bis jetzt nicht einmal einen möglichen Wirt in Aussicht“.

„Plan B“: Brauerei übernimmt

Doch was tun? Immerhin steht die Biergartensaison unausweichlich vor dem Tor des Schhlossbräukellers. Auch hier hat man sich seitens der Brauerei bereits Gedanken gemacht. „Plan B“ sieht vor, dass zunächst der Biergarten durch die Brauerei in Eigenregie betrieben wird. Denn Einrichtung und Gastro-Inventar sind vorhanden, so der Baron: „Eigentlich muss man nur einmal durchkehren und aufsperren.“ Natürlich würde diese Eigenbewirtschaftung nur in einer wesentlich„abgespeckten Version“ erfolgen können, was vor allem die Speisen betreffe. Jedoch werde laut Brauereichef an dieser Lösung gefeilt, „wenn nicht noch ein Pächter aus den Büschen springt“. So dürfen Bierliebhaber heute schon aufatmen, die befürchtet hatten, in dieser Saison auf den Genuss von edlem Gerstensaft unter schattigen Kastanien direkt neben dem Schloss verzichten zu müssen. Mit „Plan B“ beherzigt der Bierbaron auch den Wahlspruch auf, der auf einer historischen Tafel im Eingang des Schlossbräukellers verewigt ist: „Folgt dem Rat, ihr weisen Fürsten, lasst den deutschen Mann nicht dürsten“.

Martin Hellerbrand

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