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Nach dem Vorbild ihrer Vorfahren hat der amtierende Burschenvorstand mit Martin Goletz, Mario Aigner, Simon Goletz und Florian Höfinger ein gigantisches Fest organisiert.

Grosses Jubiläum in Zolling

Schneidige Burschen – damals wie heute

Zolling - Die Zollinger Burschen feiern heuer ein großes Jubiläum: Sage und Schreibe 90 Jahre gibt es den Verein bereits. Und er erfreut sich heute wieder großer Beliebtheit. Was ist das Erfolgsrezept dieser Jungesellenvereinigung?

Wolfgang Goletz verfolgt die Vereinsgeschichte schon über viele Jahrzehnte. Unter seinem Vorsitz feierten die Zollinger Burschen 1987 ihr 60. Jubiläum. Aktives Mitglied ist er heute nicht mehr – schließlich ist er verheiratet – aber Ehrenmitglied. „Mit der kirchlichen Heirat scheidet man aus dem Verein aus“, sagt Florian Höfinger, derzeit Vorsitzender der Burschen. Aber das sei nicht mehr überall so, weiß Schriftführer Simon Goletz. In manchen Vereinen habe man diese Regel gelockert. Nicht so in Zolling, hier möchte man der Tradition treu bleiben.

Zumindest hinsichtlich dieser einen, in anderen Bereichen hat man sich gelöst von alten Restriktionen. „Früher konnten nur katholische Männer Mitglied werden“, weiß Simon Goletz. Die Konfession ist den Burschen heute egal. Nicht aber ihre Verbundenheit zur katholischen Kirche. Das betonen die beiden jungen Burschen und auch der Ex-Bursche stimmt zu. „Der katholische Kontext war immer die Basis“, sagt Wolfgang Goletz. Der Pfarrer ist automatisch Mitglied, er ist der sogenannte „Präses“, man könnte sagen der Ehrenpräsident der Junggesellen. Deshalb ist es auch selbstverständlich, dass man bei allen kirchlichen Hochfesten mit einer Fahnenabordnung dabei ist.

Wichtiger Pfeiler

Aber das ist nicht der einzige Vereinszweck. Vielmehr waren die Burschen seit jeher ein wichtiger Pfeiler im gesellschaftlichen Leben eines Dorfes. Wer weiß, ohne sie gäbe es in Zolling vielleicht keinen Theaterverein. Die Auftritte der Theatergruppe des Burschenvereins waren fester Bestandteil im Jahresverlauf. In den frühen 1990er-Jahren dann hat sich die Gruppe aus dem Verein gelöst und das „Zollinger Theater“ gegründet, erinnert sich Wolfgang Goletz.

Aber auch Festveranstaltungen und Faschingsbälle gehören in das Repertoire des Burschenvereins. Nicht zu vergessen die Brauchtumspflege. Das ist den Burschen besonders wichtig. Deshalb laden die Junggesellen in Zolling zum Beispiel nach der Christmett‘n am Heiligen Abend zum Mett‘nwurschtessen, eine alte bayerische Tradition. „Es geht uns darum, die Menschen im Dorf zusammenzubringen“, sagt Florian Höfinger. Das habe sich nämlich im Gegensatz zu den alten Zeiten geändert: „Früher waren die Leute viel mehr im Dorf verwurzelt“, sagt er. Im Gegensatz zu heute, wo zahlreiche Freizeitmöglichkeiten, berufliche Anforderungen und große Mobilität die Menschen in alle Richtungen versprengen. Es geht den Junggesellen um den Zusammenhalt, ganz nach dem alten Motto der Gründerväter: „Glaube-Treue-Brüderlichkeit“. „Das stand schon auf der ersten Fahne“, weiß Wolfgang Goletz.

Das Konzept der Zollinger Burschen geht jedenfalls auf. Derzeit gehören dem Verein 125 ledige Männer aller Altersklassen an. Ein schönes Miteinander verschiedener Generationen sei das. Und das Brauchtum habe wieder an Bedeutung gewonnen. Das zeige sich schon allein darin, dass die Burschen heute wieder zu allen Festivitäten in Tracht gehen. „Von uns hätte keiner eine Lederhos’n getragen, die waren damals verpönt“, erinnert sich Wolfgang Goletz und zeigt lachend ein altes Foto aus seiner aktiven Zeit. Die Burschen bei einem Festumzug – alle in langer Hose und hellblauen Strickpullundern.

Da kann der Nachwuchs nur fassungslos den Kopf schütteln. Tracht ist Ehrensache – und die haben sie natürlich auch getragen, als sie zum Schirmherrenbitten zu Bürgermeister Max Riegler gezogen sind. Auch so eine alte, bayerische Tradition. Erst nachdem sie einige Aufgaben gelöst hatten, nahm dieser die Schirmherrschaft für die große Jubiläumsfeier im Juni an. Das Gleiche passiert übrigens beim Bitten der Festmutter. Wie das abläuft, kann man sich auf der Webseite der Burschen in kleinen Videos ansehen. Andrea Bachmaier hat jedenfalls diese ehrenvolle Aufgabe übernommen, nachdem sich die Burschen unterstützt von den Festdamen wacker beim Singen und Eierlaufen geschlagen hatten.

Vier Tage feiern

Und dann wäre da natürlich noch die Fahnenmutter. Die nimmt bei den Burschen eine ganz besondere Stellung ein, denn Theresia Lachner hat diese Aufgabe schon seit 30 Jahren inne. Sie hat eine spezielle Verbindung zum Verein, war ihr Schwiegervater Johann Lachner doch Gründungsmitglied. Übrigens: Im Festgottesdienst zur 90-Jahr-Feier werden sowohl die Ur-Fahne von 1927 als auch die frisch restaurierte Fahne von 1987 gesegnet.

Nur ein Höhepunkt in vier Festtagen. Das große Zelt mit gut 3000 Plätzen wird am Festsonntag voll sein. 120 Vereine aus Nah und Fern haben sich angekündigt, um den Burschen die Ehre zu erweisen. Kein Wunder, bei dem ausgeklügelten Marketing, das die Burschen für ihr Jubiläum betrieben haben. Der ehemalige Vorsitzende ist jedenfalls stolz auf den Nachwuchs: „Was die Jungs da auf die Beine gestellt haben, ist wirklich enorm.“

Das Programm

Zum Gründungsfest lassen es die Burschen richtig krachen. Das Programm:

Donnerstag, 8. Juni, 19 Uhr: Bieranstich und politischer Abend im Festzelt; Freitag, 9. Juni, 21 Uhr: „Schware Party“ – Zeltparty mit Stefan Stürmer, „United Crash“ und DJ Enargy; Samstag, 10. Juni, 18 Uhr: Kabarettabend mit Wolfgang Krebs und den bayerischen Löwen (VVK: Schreibwaren Koppe, Sparkasse); Sonntag, 11. Juni, ab 6 Uhr: Festsonntag mit Weckruf, Gottesdienst (10 Uhr) und Festumzug (14 Uhr). Infos: www.burschenverein-zolling.de.

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