ARGE der Wohlfahrtsverbände Freising

Sozialverbände funken SOS: „Wir finden keine Arbeitskräfte“

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Freising - Die Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände schlägt Alarm. Die sozialen Einrichtungen finden nicht mehr genügend Arbeitskräfte. Schuld daran ist nicht nur der Fachkräftemangel.

„Es wird immer schlimmer.“ BRK-Chef Albert Söhl nutzte ein von der ARGE der Wohlfahrtsverbände organisiertes Pressegespräch, um am Donnerstag auf den eklatanten Personalmangel am Sozialsektor hinzuweisen. Im Erziehungsbereich sowie in der Behinderten- und Altenpflege sei das schon seit Jahren so. „Aber inzwischen ist sogar der Rettungsdienst davon betroffen.“ Dabei scheitere die Stellenbesetzung oft gar nicht am viel zitierten Facharbeiter-Mangel, wie Söhl betonte: „Wir würden schon Personal bekommen – wenn im Landkreis entsprechender Wohnraum vorhanden wäre.“ Caritas-Leiterin Carolin Dümer, die derzeit den Vorsitz der ARGE inne hat, bestätigt das. „Es ist ganz schwer, bezahlbaren Wohnraum zu finden.“ Das gelte nicht nur für die Stadt Freising, sondern für den gesamten Landkreis.

Dabei geht es anders. Söhl nannte Hallbergmoos als Beispiel. Dort habe die Gemeinde Sozialwohnungen errichtet und einen Teil davon für die Arbeitskräfte sozialer Einrichtungen reserviert. „Solche Projekte möchten wir auch in anderen Kommunen vorantreiben“, betonte Söhl. „Der Landkreis wächst. Wir werden noch mehr Kräfte brauchen.“

Auch die Lebenshilfe leidet unter der Wohnungsnot, wie deren Geschäftsführer Michael Schwaiger berichtete. Am 1. Januar sei der erste Abschnitt des Bundesteilhabegesetzes in Kraft getreten. Die Richtlinie sei, den ambulanten Service gegenüber stationärer Betreuung zu stärken. „Aber die Menschen, die gerne ambulant betreut werden wollen, finden dafür nicht den geeigneten Wohnraum.“

Schwaiger möchte auch den Inklusionsgedanken stärker in der Bevölkerung verankern. „Da bräuchte es noch mehr gesellschaftliche Akzeptanz“, meinte der Lebenshilfe-Geschäftsführer, der einen „Inklusiven Landkreis“ anstrebt. Konkret möchte er, dass die Belange behinderter Menschen künftig mehr in Entwicklungskonzepte und Bauleitplanungen einfließen – Aspekte wie Barrierefreiheit oder die Nähe von Bushaltestellen.

Ein anderes großes Thema für die ARGE ist der weitere Aufbau einer Asylberatung für Flüchtlinge. Wie notwendig das ist, verdeutlichte Klaus Guthy, Vorsitzender des Diakonischen Werks, anhand einiger Zahlen. Im Jahr 2016 seien rund 2000 Asylbewerber im Landkreis Freising angekommen. 533 hätten ein Bleiberecht erhalten. 259 davon seien in Lohn und Brot gebracht worden. In zwölf Fällen sei es zu Abschiebungen gekommen. Demnach läuft bei den meisten Asylbewerbern das Verfahren noch. Dass viele von ihnen keine oder nur stark eingeschränkte Arbeitsgenehmigungen erhalten, wollte Guthy nicht bewerten. „Das ist hochpolitisch. Wir können zwar Anregungen geben, in welche Richtung es laufen sollte, aber die Gesetze machen andere.“

Rubriklistenbild: © dpa

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