Ein streitbarer Zeitgenosse ist Wilhelm Schlötterer (3. v. l.). MdL Christian Magerl, Susanne Günther und Martin Runge (v. l.) hatten zum Info Abend mit ihn eingeladen. Foto: Gleixner

Staat ist an einem kritischen Punkt

Freising - Der Buchautor Wilhelm Schlötterer, hat den Fall Gustl Mollath genau untersucht. Er sprach in Freising von einem „Skandal ohnegleichen“.

Unter dem Titel „Vertuschen, Wegsperren, Lügen und Betrügen“ lud der Ortsverband der Freisinger Grünen zum Informations- und Diskussionsabend in den Furtnerbräu.

Wie Macht und Geld sich zum Gesetz erhoben haben, hat Wilhelm Schlötterer in seinem bekannten Buch „Macht und Missbrauch“ dargestellt. Dieses Buch war es auch, das den seit dem Jahr 2006 in der Psychiatrie fest gehaltenen Gustl Mollath dazu bewog, den Autor und früheren Finanzbeamten Schlötterer um Hilfe zu bitten.

Er sei stutzig geworden, sagte Schlötterer. Gustl Mollath habe so viele Details der Geldübertragungen in die Schweiz aufgeführt, dass er „unruhig“ geworden sei. Und er habe sich gefragt, ob er sich denn nicht möglicherweise schuldig mache, wenn er hier nichts unternehme. Der aus Nürnberg stammende Mollath wurde im Jahr 2006 zwangsweise in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, weil er laut einem Urteil des Landgerichts Nürnberg-Fürth seine Frau misshandelt haben soll. Brisant ist der Fall, weil Mollath im Jahr 2003 seine Frau, Mitarbeiterin bei der Hypovereinsbank, weitere Mitarbeiter der Bank und 24 Kunden beschuldigt hatte, in Schwarzgeldgeschäfte verwickelt zu sein. Die Staatsanwaltschaft hatte hierzu keine Ermittlungen eingeleitet.

Mittlerweile bestätigte jedoch eine interne Untersuchung der Bank einige der von Mollath erhobenen Vorwürfen. Schlötterer erzählte den Zuhörern im Furtner, nachdem er Urteil und Unterlagen des Verfahrens im Jahr 2006 eingesehen hatte, dass es handschriftliche Überweisungen der Ehefrau tatsächlich gab. Er las sogar aus ihnen vor. Überweisungen an Nummernkonten mit Phantasienamen in die Schweiz.

Auch der bayerischen Justizministerin Beate Merk seien diese Unterlagen vorgelegen. „Diese Dame hat etwas verschwiegen“, sagte Schlötterer. Er sprach von „Strafvereitelung im Amt“. Die Ministerin habe den Landtag getäuscht. Pikant sei der Fall auch durch eine Zeugenaussage geworden. Und zwar nach der Wiederaufnahme des Falles durch die Staatsanwaltschaft Regensburg und dem Hamburger Anwalt Gerhard Strate im Juni 2006. Ein befreundeter Zahnarzt des geschiedenen Ehepaares Mollath habe die Bemerkung von Petra Mollath aus dem Jahr 2002 eidesstattlich dargelegt. Sie habe gesagt, sie werde ihren Mann „fertigmachen“, wenn er etwas in Sachen Schwarzgeld sage.

Mollath sei nicht Opfer eines Justizskandals, sagte Wilhelm Schlötterer: „Es war Vorsatz.“ Und hier gab es nachdenklichen Applaus der Zuhörer. „Unser Staat ist an einem kritischem Punkt angelangt.“ (mam)

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