Stalking: Arzt zu hoher Geldstrafe verurteilt

Neufahrn - Dass ihm seine langjährige Geliebte (54) aus Neufahrn den Laufpass gab, verkraftete ein Münchner Chirurg (58) nicht - er wurde zum Stalker. Für drei Fälle der Nachstellung handelte er sich jetzt vor der 2. Strafkammer des Landgerichts Landshut eine Geldstrafe von 15 000 Euro ein.

Der Chirurg war nach eigenen Angaben seit 1999 mit der Krankenschwester, die auf einer anderen Station des Krankenhauses beschäftigt war, liiert. Im Dezember 2010 mietete er dann für die Geliebte sogar ein Haus in Neufahrn, ohne allerdings selbst einzuziehen. „Ich war nur regelmäßig nach der Arbeit dort, habe aber bis zuletzt die Miete bezahlt“, so der 58-Jährige vor der 2. Strafkammer.

Im Frühjahr 2012 beendete die Krankenschwester die Beziehung. Weil sie sich in der Folgezeit permanent gestalkt fühlte, erwirkte sie zunächst ein gerichtliches Kontaktverbot und dann im Juni 2013 beim Amtsgericht einen Beschluss nach dem Gewaltschutzgesetz, wonach sich der Arzt mindestens 50 Meter von ihrer Wohnung fernhalten musste und ihm auch sonst jegliche Kontaktaufnahme untersagt wurde.

Trotzdem, so die von Staatsanwalt Tilmann Roß vertretene Anklage, sei der 58-Jährige bis Ende Juli 2013 in einer Vielzahl von Fällen vor dem Haus in Neufahrn aufgetaucht, habe die 54-Jährige durchs Fenster beobachtet, aber auch Briefe geschrieben und SMS übermittelt. Dafür handelte sich der Arzt wegen Verstößen gegen das Gewaltschutzgesetz eine Geldstrafe von 9000 Euro (90 Tagessätze à 100 Euro) ein, wobei die Zahl der Fälle auf drei reduziert wurde. Die Verurteilung „schluckte“ der 58-Jährige, der Staatsanwalt ging in Berufung.

Wie schon in erster Instanz räumte der Unfallchirurg die drei Verstöße unumwunden ein. Er sei von der Trennung im Frühjahr 2012 völlig überrascht gewesen. „Es hat geheißen, pack deine Sachen und verschwinde.“ Da er nach der Trennung weiter die Miete bezahlt habe, sei er der Meinung gewesen, auch nach dem Rechten schauen zu dürfen. Seine Ex-Geliebte habe jede Kleinigkeit notiert, teilweise seien seine angeblichen Nachstellungen aber auch ihrer Fantasie entsprungen: „Sie hat in jedem BMW-Touring mein Auto gesehen.“ Nie habe er der 54-Jährigen Anlass gegeben, sich bedroht zu fühlen. „Bei mir war es in erster Linie Sentimentalität.“

Ein geplatzter gemeinsamer Ägypten-Urlaub sei der Auslöser für die Trennung gewesen, so die Krankenschwester. Ab Januar 2013 habe sie dann Aufzeichnungen gemacht, eine Vielzahl von Verstößen dokumentiert. Da seien Rosen vor der Haustür anlässlich ihres Geburtstages 2013 noch harmlos gewesen. Bis November 2015 sei sie in psychotherapeutischer Behandlung gewesen,

Ein „Schlag ins Gesicht“ der Krankenschwester sei es gewesen, dass sich das Amtsgericht offenbar über die Folgen hinweggesetzt und keine schwerwiegende Beeinträchtigung ihrer Lebensgestaltung gesehen habe, hieß es seitens der Staatsanwaltschaft, die eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten und eine Geldauflage von 9000 Euro forderte, während der Verteidiger beantragte, die Berufung zu verwerfen. Sein Mandant habe aus enttäuschter Liebe gehandelt, allerdings habe kein typischer Stalkingfall vorgelegen.

Die Berufungskammer kam ebenfalls zum Ergebnis, dass durch die Nachstellungen die Krankenschwester in ihrer Lebensführung beeinträchtigt gewesen sei. „Dass sie uns etwas vorgespielt hat, glauben wir nicht“, so Vorsitzender Richter Robert Mader. Allerdings halte die Kammer eine Geldstrafe für den Arzt für ausreichend.

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