Lara und die Löwin: Die junge Frau gibt viel Energie an ihre Mutter weiter, die schwer erkrankt ist. Die Mama kämpft wie eine Löwin, aber um ihr Leben zu retten, ist sie auf eine Stammzellspende angewiesen.
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Lara und die Löwin: Die junge Frau gibt viel Energie an ihre Mutter weiter, die schwer erkrankt ist. Die Mama kämpft wie eine Löwin, aber um ihr Leben zu retten, ist sie auf eine Stammzellspende angewiesen.

Mutter zum zweiten Mal schwer erkrankt

Stammzellspender dringend gesucht: „Ein Leben ohne Mama ist unvorstellbar“

Mit 19 Jahren erkrankt Anne während ihrer Schwangerschaft lebensbedrohlich. Ihr Baby gibt ihr Kraft, sie kämpft sich zurück ins Leben. 20 Jahre später die erneute Schockdiagnose.

Landkreis Freising - Anne und Jürgen. Seit 22 Jahren gehen sie gemeinsam durch Dick und Dünn. Seit 19 Jahren sind sie verheiratet und seitdem unzertrennlich – zwei starke, sich liebende Menschen. Ihr größtes Glück ist ihre Tochter Lara. Doch ihr Start ins Leben ist schwer. Während der Schwangerschaft sinkt Annes Hämoglobin-Wert auf ein bedrohliches Maß. Im Juni 2002 überweist ihr Arzt sie deshalb in die Klinik, um Mutter und Kind nicht zu gefährden. Doch Annes Werte sind so schlecht, dass Lara bereits in der 34. Schwangerschaftswoche auf die Welt geholt wird.

Zu diesem Zeitpunkt hat man trotz vieler Untersuchungen noch immer keinen Grund für den extrem niedrigen Hämoglobin-Wert gefunden. Anne geht es immer schlechter. Sie bekommt Bluttransfusionen, kann sich nicht um das neugeborene Töchterchen kümmern. „Es war eine harte Zeit“, erinnert sich Anne. „Wie alle Eltern wollten wir die Schwangerschaft und die ersten Monate in der Elternzeit mit unserer kleinen Tochter einfach nur genießen. Doch daran war plötzlich nicht mehr zu denken.“ Zum Glück hat sie eine Familie, die sich um alles kümmert und nur eines will – dass Anne wieder gesund wird.

Der erste harte Kampf zurück ins Leben

Erst drei Monate später, nach vielen weiteren Untersuchungen, gibt es endlich eine Diagnose: Anne leidet unter einer schweren Aplastischen Anämie, einer lebensbedrohlichen Erkrankung des blutbildenden Systems. Weil kein passender Familienspender vorhanden ist, beginnt Anne im Oktober 2002 mit einer immunsuppressiven Therapie, bei der das körpereigene Abwehrsystem unterdrückt wird, um das fehlgeleitete Verhalten der Immunabwehr einzuschränken. Die erste Therapie schlägt nicht an und muss 2003 noch einmal wiederholt werden.

Es ist ein langer Kampf mit vielen Nebenwirkungen, Höhen und Tiefen. Aber Anne schafft es. Nach drei Jahren Kampf findet sie endlich in ihren Alltag zurück. Sie liebt ihr Leben, ihren Mann Jürgen, auf den sie sich blind verlassen kann – und endlich hat sie auch die Möglichkeit, sich auch so um die kleine Lara zu kümmern, wie sie es sich immer gewünscht hat.

Das Glück endet abrupt

Anne arbeitet leidenschaftlich gerne als Kinderpflegerin in einer Kita, Jürgen ist bei BMW angestellt, Lara besucht die Schule. Die Jahre gehen ins Land. Am Wochenende sind die Drei immer unterwegs, wandern mit Hund Bessi durch die Natur, machen Fahrradtouren, kurz: sie sind eine kleine glückliche Familie. Eigentlich könnte jetzt alles gut sein. Doch das ist es nicht.

Ende Juni dieses Jahres geht Anne zu einer Routinekontrolle. Sie leidet in der letzten Zeit zwar unter Luftnot, denkt sich aber nichts dabei. Dann plötzlich hält sie ihre Blutwerte in der Hand, und die Ergebnisse reißen ihr den Boden unter den Füßen weg. Wieder ist der Hämoglobinwert extrem niedrig. Anne weiß, was das bedeutet. „In diesem Moment ist für mich eine Welt zusammengebrochen. Ich habe mich aus der Praxis geschleppt und weinend meinen Mann angerufen. Danach ging nichts mehr. Ich war vollkommen am Ende. Ich saß aufgelöst im Auto und habe nur gewartet, dass Jürgen kommt.“

Da es sich bei der jetzigen Diagnose um MDS handelt, einer anderen schweren Erkrankung des blutbildenden Systems, ist Anne dieses Mal auf eine Stammzelltransplantation angewiesen, um zu überleben. Das heißt: nur ein passender Stammzellspender oder eine Stammzellspenderin kann ihr Leben retten.

Die Familie kämpft

Lara, die inzwischen 19 Jahre alt ist und gerade ihre Ausbildung zur Augenoptikerin abgeschlossen hat, hat die Nachricht sehr mitgenommen. Um ihre Mama zu stabilisieren versucht sie, ganz stark zu sein, doch das gelingt ihr nicht immer: „Zuerst wollte ich das alles nicht wahrhaben. Ich habe versucht, die Krankheit zu verdrängen, um mich zu schützen. Doch Mamas Schwäche und die vielen blauen Flecken sprechen die Wahrheit. Dann habe ich versucht, mich zusammenzureißen, für meine Mama, die mich jetzt braucht, ganz stark zu sein. Aber irgendwann war ich damit überfordert und bin auch zusammengeklappt.“

Gott sei Dank gibt es noch die Oma, die Lara tröstet und neue Kraft gibt. „Inzwischen haben wir als Familie wieder Mut gefasst und blicken nach vorne“, berichtet die junge Frau. „Mama hat es schon einmal geschafft. Sie schafft es auch ein zweites Mal. Papa, ich, die ganze Familie, all unsere Freunde, sogar die Nachbarn und Kollegen sind an unserer Seite. Das hilft uns sehr und gibt uns die nötige Kraft, die wir jetzt brauchen.“

Spender gesucht

Jürgen ist stolz auf seine Frau. „Sie kämpft wie eine Löwin, doch allein kann Anne es nicht schaffen“, betont er. „Sie kann nur überleben, wenn es irgendwo auf der Welt einen Menschen mit nahezu gleichen Gewebemerkmalen gibt, der zur Stammzellspende bereit ist.“

Aus diesem Grund rufen Familie und Freunde gemeinsam mit der DKMS (Deutsche Knochenmarkspende) dazu auf, sich als potenzielle Stammzellspender und Spenderinnen registrieren zu lassen. Jürgen hofft auf große Beteiligung: „Anne ist nicht nur meine Frau. Sie ist auch meine beste Freundin. Und sie ist die großartigste Mama für Lara, die ich mir wünschen kann. Ein Leben ohne sie ist unvorstellbar.“

Durch die Erkrankung hat die Familie viel gelernt, sagt Jürgen: „Wir lassen uns nicht mehr durch unwichtige Sachen stressen. Haushalt, Beruf, Geld – all das sind Nebenschauplätze, wenn plötzlich das Leben bedroht ist. Kein Tag ist verschwendet, jeder gute Tag ist ein Geschenk. Und wir wünschen uns nur eines: dass wir noch viele gute gemeinsame Tage erleben dürfen.“

Deshalb appelliert die Familie auch an alle, sich als Spender oder Spenderin registrieren zu lassen. „Damit schenkt ihr Anne Hoffnung auf das Größte, was es gibt: einfach nur leben zu dürfen“, sagt Jürgen. „Allen, die sich an dieser Aktion beteiligen, danken wir schon jetzt von ganzem Herzen.“  ft

Wer helfen möchte

Wer gesund und zwischen 17 und 55 Jahre alt ist, kann Anne und anderen Patienten helfen und sich mit wenigen Klicks über www.dkms.de/anne die Registrierungsunterlagen nach Hause bestellen. Die Registrierung geht einfach und schnell. Besonders wichtig ist es, dass die Wattestäbchen nach dem erfolgten Wangenschleimhautabstrich zeitnah zurückgesendet werden. Erst wenn die Gewebemerkmale im Labor bestimmt wurden, stehen Spender für den weltweiten Suchlauf zur Verfügung. Auch Geldspenden helfen Leben retten, da der DKMS für die Neuaufnahme eines jeden Spenders Kosten in Höhe von 35 Euro entstehen: DKMS-Spendenkonto, IBAN: DE94 7004 0060 8987 0002 39, Verwendungszweck: XAG 001 Anne.

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