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Els von Greiffenberg alias Sonja Kieslinger nahm kein Blatt vor den Mund.

Starkbierfest in Kranzberg

Wenn eine Dame die Leviten liest

Kranzberg - Während die „Mama Bavaria“ vom Nockherberg seit vergangenen Mittwoch mal sanftes Lob, mal heftig Kritik erntet, gab es für „Elisabeth von Greiffenberg“ alias Sonja Kieslinger als Fastenpredigerin beim Starkbierfest der Freien Wähler am Freitag in Kranzberg nur Lob.

Für die allermeisten Gäste im Pfarrstadel war es das Geheimnis des Abends schlechthin: Wer wird heuer wohl den G’wamperten amperauf- und abwärts die Leviten lesen? Die Verantwortlichen haben weitgehend dicht gehalten und so gab es das erste „Aaahhh“ als Sonja Kießlinger ans Rednerpult stürmte – mit abstehenden Haaren und Schminke im Gesicht. Sie enterte das Mikrophon, in das der zu großer Rede anhebenden Bürgermeister Hermann Hammerl sprechen wollte.

Nun wartete die komplett versammelte kommunalpolitische Ampertalprominenz inklusive Landrat Josef Hauner und dem Freisinger Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher. Zuvor aber waren sie noch eingeladen, mit den „Hinterhofhenna“ aus Neufahrn das eine oder andere Liadl zu singen.

„Gell da schaugts, des hätts Euch net denkt, dass beim Kranzberger Starkbierfest a Frau, besser – gsagt: eine Dame, die Fastenpredigt hält“. Als die historische Figur Els von Greiffenberg, von ihrem Gemahl Ritter Arnold dem Namenlosen zur Verbrennung freigegeben, kehrte sie jetzt in den Pfarrstadel zurück – und wie.

„Wenn ich Eich so oaschaug – die Gier nach Macht, Reichtum und Selbstdarstellung leuchtet aus Euren Augen“, sagte sie in Richtung Politik, große wie kleine. Was früher Schwert und Lanze gewesen sei, seien heutzutage böse Worte, Drohungen, Verleumdungen und sogar Lügen – „und am schlimmsten sind die Soaschl Medien, Fackebuck, WhatsÄpp, Twitter und sonstiges unverständliches Zeug“. Aber dann stieg sie herunter in die Niederungen der Kommunalpolitik und fand auch hier ein weites Feld für ihre Kritik. „Heit, liabe Leut, werd i amoi dem gemeinen Volkl erzählen, was in der Politik so alles vor sich geht – ohne dass i auf jemand Rücksicht nehma muass. I kann mir des leisten“. Und dann zog Sonja Kießlinger vom Leder: Über den Auer Bürgermeister Karl Ecker ebenso wie über Landrat Josef Hauner und natürlich den alten Anführer und Querkopf und hinter dem Landrat wichtigsten Politiker, dem Hans Daniel von Paunzhausen.

Alle Politiker bekamen ihr Fett weg

Ihr Bürgermeister Hermann Hammerl bekam sein Fett ab für das Ansinnen, am Kranzberger See eine Asylunterkunft errichten zu wollen. Rupert Popp musste als Wladimir Putin herhalten wegen seiner Umfahrungspläne für Allershausen. OB Tobias Eschenbacher musste sich schelten lassen für seine Umleitungspläne im Zuge des Baus der Westtangente. Natürlich gab es für jeden Kranzberger Gemeinderat einen Schlag mit dem Degen, den Säbel hatte die Predigerin gar nicht dabei. Am Ende ihres kurzweiligen Vortrages – mit viel Szenenapplaus – dann aber doch der Appell, dass der Herrgott auch weiterhin auf „unsere boarische Hoamat aufpasst . . . und dass Eure Kinder net im Bayerland eines Tages Fremde san“.

Heinz Mettig

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