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Startbahn-Moratorium: Freisinger FW-Politiker rechnen mit Gegenwind - und nehmen Grüne ins Visier

  • Helmut Hobmaier
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Die Wahlsause ist vorbei: Nachdem die von Benno Zierer angeführten Freien Wähler am Wahlabend noch feierten, ist jetzt Katerstimmung angesagt. Grund dafür ist das Startbahn-Moratorium.

Freising – Die Freien Wähler waren die großen Gewinner der Landtagswahl – vor allem im Kreis Freising, wo sie in mehreren Gemeinden die CSU hinter sich ließen. Kandidat Benno Zierer holte sensationelle 21 Prozent. Nach dem Startbahn-Moratorium wendet sich das Blatt. Es gibt Kritik, die FW hätten ein zentrales Wahlversprechen – die Beerdigung der Startbahn – nicht gehalten. FW-Politiker rechnen nun mit Gegenwind.

Rupert Popp, Bürgermeister von Allershausen

„Für uns wird es im Landkreis schwieriger“, befürchtet etwa der Allershausener FW-Bürgermeister Rupert Popp. Angesichts des fünfjährigen Aufschubs sei „die Sache zwar nicht ganz in die Hose gegangen“ – da gebe er Benno Zierer schon recht – er sei aber trotzdem enttäuscht. Man habe eine große Chance vertan und hätte bei den Koalitionsverhandlungen auf das endgültige Aus bei der Piste bestehen sollen. Die FW hätten es im Kreuz gehabt, das angesichts einer stagnierender Zahl von Flugbewegungen durchzuziehen. Popp rechnet damit, dass jetzt „gegen die Freien Wähler polemisiert wird“. Und wie Altlandrat Manfred Pointner nimmt er dabei auch die Grünen und MdL Johannes Becher ins Visier. Während der 20 Jahre, in denen die Grünen in der Stadt München – Mitgesellschafterin des Flughafens – am Mitregieren waren, habe man den Beschluss zum Bau der Startbahn gefasst. Ohne grüne Gegenwehr.

Bürgermeister Hammerl: Wahlversprechen war ein Fehler der FW

Die Kritik Bechers versteht FW-Vize-Landrat Robert Scholz als „Frustreaktion“. Die Grünen hätten ja „nicht einmal den Fuß in die Tür gebracht“ und seien jetzt halt enttäuscht, nicht Mitregieren zu dürfen. Das Moratorium sei zwar nicht das Wunschergebnis gewesen, aber doch ein Erfolg, bilanziert Scholz. Die FW seien doch der deutlich kleinere Regierungspartner, und in der CSU gebe es noch einige beinharte Startbahnbefürworter. Scholz glaubt aber, dass die Zeit „für uns spielt“. Er hofft, dass sich bis 2023 die Erkenntnis durchsetzt, dass sich der Bau einer dritten Bahn schon aus Klimaschutzgründen verbiete. Dazu komme, dass der Ballungsraum München, vor allem das Flughafenumland, bereits völlig überfrachtet sei. Was Zuzug und Verkehr betreffe, stehe man mit dem Rücken zur Wand. Auch diese Entwicklung spreche immer deutlicher gegen den Startbahnbau. Diesen Trends könne sich „kein vernünftiger Mensch mehr entziehen“.

Vize-Landrat Robert Scholz

„Die Richtung stimmt“, kommentiert der Kranzberger Bürgermeister Hermann Hammerl (FWG) das Moratorium. Man müsse jetzt in den kommenden fünf Jahren die Voraussetzungen dafür schaffen, „dass man die dritte Startbahn nicht mehr braucht“. Das Wahlversprechen, die Piste „abzuschaffen“ sei ein Fehler der FW gewesen. „Das war unrealistisch“, sagt Hammerl. Damit habe man Erwartungen geweckt, die man nicht erfüllen konnte. „Wer so etwas sagt, der muss auch an die Folgen denken“. So sieht es auch der Auer Bürgermeister Karl Ecker (FWG). Wer im Vorfeld „starke Worte“ gebrauche, dürfe sich über entsprechende Reaktionen nicht wundern. Er persönlich habe nichts anderes als ein Moratorium erwartet. Das sei zwar „nicht nach dem Geschmack des Landkreises“, aber eben ein Kompromiss von Koalitionsverhandlungen. Die Grünen hätten es ja nicht einmal bis dahin geschafft.

Rubriklistenbild: © dpa-tmn / Flughafen München

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