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Corona macht Sternsingern zu schaffen - mit kreativen Ideen kämpfen sie um ihre Tradition

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Von: Theresa Kuchler

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Sternsinger schreibt den Segenswunsch an die Wand
Die Sternsinger überbringen den Segen C+M+B („Christus mansionem benedicat“, Christus segne dieses Haus). Um den Brauch auch in Corona-Zeiten am Leben zu halten und Nachwuchs zu finden, ist Kreativität gefragt. © Carsten Rehder

Seit knapp 20 Jahren engagiert sich Mario Tomic für die Sternsingeraktion. Wegen Corona muss er nun beobachten, wie der Nachwuchs zunehmend ausbleibt. Doch die Sternsinger wollen ihren Brauch am Leben halten – und werden kreativ.

Freising – Mario Tomic war in der dritten Klasse, als er zum ersten Mal als Sternsinger von Haus zu Haus zog. „Das ist schon ’ne gute lange Zeit her“, erinnert sich der 28-Jährige. Sein Engagement für das traditionelle Dreikönigssingen ist bis heute nicht abgerissen – im Gegenteil. Seit mittlerweile elf Jahren ist Tomic selbst im Sternsinger-Organisationsteam der Pfarrei St. Georg in Freising tätig.

„Früher war es selbstverständlich, bei den Sternsingern dabei zu sein“, sagt er. Einige kommen durch die Kommunionsvorbereitung zum Dreikönigssingen, andere als Ministranten. Viele Kinder schließen sich an, weil schon die Geschwister und Freunde dabei sind. „Wir sind immer mit Freunden mitgegangen, in der Clique.“

Motivation für das Sternsingen: „Eine Kombination aus Helfen und Zusammensein“

Gerade die Gemeinschaft kann die jungen Menschen begeistern, glaubt Tomic. Neben dem Sammeln von spenden für Kinder in der Dritten Welt ist sie auch für den 28-Jährigen ein wichtiger Grund, weshalb er sich seit Jahren für das Sternsingen engagiert. „Es ist die Kombination aus Helfen und Zusammensein.“

Inzwischen ist es allerdings nicht mehr so einfach, Kinder und Jugendliche für das Sternsingen zu begeistern. Einerseits haben sich die Prioritäten der jungen Menschen geändert, glaubt Mario Tomic. „Viele gehen in den Ferien lieber mit ihrer Familie zum Skifahren“, meint der Freisinger etwas frustriert.

Mario Tomic
Mario Tomic engagiert sich seit vielen Jahren für die Sternsinger. © Privat

Corona erschwert die Suche nach Nachwuchs

Erschwerlich hinzu kommt Corona. Die Pandemie trägt Mario Tomic zufolge maßgeblich dazu bei, dass sich nur noch schwer Nachwuchs für das Dreikönigssingen finden lässt. Schließlich gibt es das gewohnte Bild von Kindern und Jugendlichen, die als Heilige Drei Könige durch die Straßen ziehen, singen und die Segenswünsche C+M+B („Christus mansionem benedicat“, Christus segne dieses Haus) überbringen, in vielen Regionen auch heuer nicht. Bereits 2020 hatte die Freisinger Pfarrei St. Georg darauf verzichtet, die Sternsinger in die Häuser zu schicken. Stattdessen verteilten sie Botschaften in den Briefkästen der Menschen.

„Wir sind nicht mehr so präsent“, sagt Tomic. Das macht die Suche nach Nachwuchs schwierig, immerhin hat allein dieser „Werbe-Effekt“ stets dazu beigetragen, dass Kinder und Jugendliche selbst bei den Sternsingern aktiv werden wollten. Nichtsdestotrotz blickt er hoffnungsvoll in die Zukunft. „Ich gehe davon aus, dass es besser wird, sobald wir wieder sichtbar sind.“ Er setzt auf das kommende Jahr.

Viele Familien wünschen sich nach wie vor den Besuch der Heiligen Drei Könige

Das ist auch im Sinne der Menschen. Immerhin wünschen sich viele Familien nach wie vor den Besuch der Heiligen Drei Könige. „Meine Erfahrung ist, dass die Sternsinger nach wie vor gewollt werden“, erzählt Tomic. Er selbst ist noch nie an einer Tür abgewiesen worden.

Doch auch wenn die Heiligen Drei Könige heuer nicht von Haus zu Haus ziehen – ganz verzichten müssen die Freisinger auf den Segen nicht. Gemeinsam mit seiner Organisationsgruppe in der Pfarrei St. Georg hat sich Mario Tomic eine kreative Alternative zum traditionellen Dreikönigssingen überlegt: „Wir haben ein Video von den Sternsingern gedreht, das sich über einen QR-Code aufrufen lässt.“ Finden lässt sich der digitale Code auf der Homepage der Pfarrei sowie in der Kirche, wo auch Aufkleber mit dem Segenswunsch ausliegen.

Einen Corona-konformen Segen spenden neben Freising viele weitere Pfarreien in Oberbayern. So gibt es in Gilching und Schongau „Segenspackerl“ zum Abholen, in Unterschleißheim (Kreis München) werden Botschaften in den Briefkästen verteilt und in München-Freimann unter freiem Himmel gesungen.

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