Zahlreiche Zuhörer waren am Sonntag zur Kanzelrede in die Christi-Himmelsfahrt-Kirche gekommen.

Thomas Pietro Peral hält Kanzelrede in Freising

Die „Reformkraft der Reformation“

Freising – Zehn Jahre lang hat sich die evangelische Kirche darauf vorbereitet. Jetzt ist es gekommen, das Jubiläumsjahr, in dem man sich zwölf Monate lang auf den 500. Jahrestag des Thesenanschlags Martin Luthers am 31. Oktober 1517 vorbereitet. In Freising hat Thomas Pietro Peral am Reformationstag die Gläubigen mit seiner Kanzelrede in der Christi-Himmelfahrtskirche auf dieses Ereignis vorbereitet. Und er hat die Frage beantwortet, „was die Welt heute davon hat, dass es Lutheraner gibt“ und „für was die Lutherische Kirche noch gut ist“.

Eine Landes-, ja sogar eine Weltausstellung habe man organisiert, der Tourismus erhoffe sich einen Aufschwung, es werde „ein Programm der Superlative geben“, blickte der Planungsreferent der Landeskirche auf die kommenden Monate voraus. Man müsse sich ja fast wundern, dass noch niemand auf die Idee gekommen sei, für dieses Datum den Weltuntergang zu prophezeien.

Der 50-Jährige erinnerte in seiner Kanzelrede zu Freising zunächst an die Epoche, in der Luther seine Thesen formulierte – eine Zeit, in der der Mensch sich als „Wurm“ vor Gott fühlte, in steter Angst vor der Hölle und dem Fegefeuer lebte, kurz: eine Welt der fleischgewordenen Dämonen. Gleichzeitig aber wurde das Bürgertum selbstbewusster, die ersten Humanisten traten auf den Plan, bei der Entdeckung Amerikas 1492 war der kleine Luther immerhin schon neun Jahre alt. Die Reformation, so betonte Pietro Peral, habe „im Stillen“ begonnen, im Ringen eines Einzelnen. Dass die 95 Thesen Martin Luthers die Weltgeschichte verändert hätten, sei Folge des Kairos, also des rechten Augenblicks und der passenden Umstände, gewesen.

Anhand von vier Kurzporträts von Menschen aus Brasilien, Südkorea, dem Iran und den USA, die Pietro Perla auf seinen Reisen kennengelernt hatte, zeigte er zum einen, „wie viel Reformkraft die Reformation“ auch heute noch freisetze, zum anderen, was Reformation und Lutherischer Glaube heute seien: Reformation sei beispielsweise die „leidenschaftliche Sehnsucht nach Freiheit inmitten der Zwänge der Leistungsgesellschaft“, sei „eine innere Haltung von Liebe und Respekt“, vor allem aber auch „eine tiefe Menschlichkeit aus der Erfahrung tiefer Gläubigkeit heraus“. Die Worte dieser Zeitansage hallten nach, schwebten im Kirchenschiff, andächtiges und angenehmes Schweigen herrschte unter den Gottesdienstbesuchern. Eine beeindruckende Inspiration für das große Lutherjahr. 

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