Planungen der Kraftwerksleitung 

Trocknungsanlage sorgt für Diskussionen

Was passiert mit dem Klärschlamm am Kraftwerk Anglberg? Die Leitung will eine Trocknungsanlage bauen – doch die ist mit mehr Lkw-Bewegungen verbunden. Die Gemeinden sind verunsichert.

Haag/Zolling– Über eine geplante Klärschlammtrockungsanlage am Standort in Anglberg informierte die Kraftwerksleitung am Dienstag die Gemeinderäte in Haag und Zolling. Seit 1998 wird im Kohleblock des Kraftwerks in Anglberg nasser Klärschlamm mit verbrannt. Um dessen energetisches Potential optimal ausschöpfen zu können, will die Betreiberfirma Engie jetzt eine Klärschlammtrocknungsanlage am Standort bauen.

Man reagiere damit aber auch auf ein gesamtgesellschaftliches Problem, sagte Projektleiter Max Unterbuchner. Die Ausbringung von Klärschlamm in der Landwirtschaft werde nicht mehr gewünscht. Eine thermische Entsorgung sei eine langfristige Lösung. Mit der geplanten Anlage werden allerdings auch mehr Lkw über die Staatsstraße 2054 rollen, befürchten die Bürger von Haag und Zolling. Derzeit seien es täglich etwa fünf, informierte Kraftwerksleiter Lothar Schreiber. 25 Lkw-Fahrten pro Tag seien genehmigt. Und dieses Volumen werde man wohl auch ausschöpfen, allerdings nicht überschreiten.

Der Klärschlamm werde aus ganz Bayern angeliefert. Wenn dessen Verbrennung hier nicht möglich sei, so werde er in die Braunkohlekraftwerke nach Sachsen-Anhalt gefahren. In Kooperation mit den Stadtwerken Freising und dem Bayernwerk Natur GmbH soll die Anlage auf eine Laufzeit von 20 Jahren ausgelegt werden. Freilich habe man mit einer möglichen Inbetriebnahme der Trocknungsanlage auch die langfristige Sicherung des Energiestandorts in Anglberg im Auge, bekräftigte Schreiber.

Schiene statt Lkw?

Die Erzeugung von Strom aus Kohle sei derzeit unwirtschaftlich und in Zukunft werde sich daran wohl auch nichts ändern. Der Strommarkt sei gegenwärtig nicht planbar, so Schreiber. „Deshalb müssen wir erfinderisch sein.“ Er könne sich sogar vorstellen, dass der Klärschlamm möglicherweise als Brennstoff für das Biomassekraftwerk einsetzbar sei. Damit beantwortete Schreiber eine Frage von Gemeinderat Hans Schindlbeck, der wissen wollte, was denn passiere, wenn die Kohle nicht mehr verstromt werde. Bürgermeister Anton Geier gab ganz offen zu, dass ihn ein erhöhtes Lkw-Aufkommen schon „umtreibe“. Könnte man denn prüfen lassen, ob man einen Teil der Fahrten dadurch kompensieren könnte, indem man den Abtransport der Asche aus der Kohleverbrennung, die jetzt über Lkw erfolge, auf die Schiene lege? Schreiber versprach, da nachzugehen. Geier regte auch an, die Mitglieder der Interessengemeinschaft für ein umweltfreundliches Kraftwerk in Anglberg zu informieren.

Noch eine weitere Möglichkeit, den Standort zu nutzen, kam an dem Abend auf den Tisch. In unmittelbarer Nähe zum Kraftwerk wird die Erdgas-Loopleitung der Open Grid Europe GmbH verlegt werden. Bessere Voraussetzung für den Einsatz von einer Gasturbine gebe es doch gar nicht, so Schreiber.

Gewerbesteuer für Zolling?

Auch die Zollinger Räte sorgten sich vor allem um die Mehrbelastung auf den Straßen durch den zunehmenden Lkw-Verkehr und wollten eine erneute Prüfung der Schienenlösung. Außerdem wollte Manfred Sellmaier (CSU) in Hinblick auf die Gewerbesteuereinnahmen für Zolling wissen, wie es mit Gewinnaussichten aussehe. Schließlich sei man bei der Biomasse die ersten Jahre weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Schreiber gab das zu, betonte aber auch, dass man seit dem Jahr 2015 Gewinne einfahre und damit Steuern an die Gemeinde fließen würden. „Für eine hausinterne Genehmigung muss es ein profitables Geschäft sein“, bezog er sich dann auf die Klärschlamm-Anlage. Mit der Gründung einer eigenen Gesellschaft werde zudem ein Verlustausgleich bei der Kohlekraft verhindert.

Die vorgestellte Anlagengröße sei laut Schreiber der maximale Endausbau, das wollte Bürgermeister Max Riegler nämlich wissen. Er sorgte sich auch um die Mehrbelastung der gemeindlichen Kläranlagen. „Da könnten wir mit unserer jetzigen Erweiterung schnell stranguliert werden.“ Schreiber verneinte jedoch eine Mehrbelastung und schlug den Räten eine Exkursion zu einer bereits laufenden Anlage vor. In beiden Bereichen bleibe man nämlich deutlich unter den gesetzlichen Grenzwerten. Dafür sorgt ein zweistufiges System zur Abluftreinigung, das Max Unterbuchner kurz vorstellte. „Es gibt keine Geruchsbelästigung“, sagte Unterbuchner. Das Gremium blieb kritisch, man war hin und her gerissen. Riegler fasste es noch einmal zusammen: „Wir sind als Gemeinde in Zukunft auch darauf angewiesen, unseren Klärschlamm entsorgen zu können“, sagte er, gleichzeitig sei man eben direkt betroffen was die Belastung durch Verkehr und die Sorge um Geruchbelästigung angehe. Die Betreiber wollen im Rahmen eines Infoabends im Juli die Öffentlichkeit ausführlich informieren.

Maria Martin/Claudia Bauer

Rubriklistenbild: © dpa

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