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Tropenfrüchte bald aus Deutschland? Forscher geben grünes Licht für oberbayerische Papayas - „Potenzial wäre da“

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Servierten der Presse erste Forschungsergebnisse: Professor Dr. Johannes Max (r.) und sein wissenschaftlicher Mitarbeiter Alexander Kunze beobachten im Freisinger Tropenhaus das Wachstum von Papayas.
Servierten der Presse erste Forschungsergebnisse: Professor Dr. Johannes Max (r.) und sein wissenschaftlicher Mitarbeiter Alexander Kunze beobachten im Freisinger Tropenhaus das Wachstum von Papayas. © Lehmann

Tropenfrüchte aus wärmeren Gebieten nach Deutschland exportieren: Wenn es nach Wissenschaftlern der Hochschule Weihenstephan geht, eigentlich unnötig.

Freising – Wissenschaftler der Uni Bayreuth und der Freisinger Hochschule Weihenstephan-Triesdorf wollen mit einem Projekt beweisen, dass Tropenfrüchte auch in Bayern wachsen können. Sie haben vor einem halben Jahr Papaya-Pflanzen in einem Gewächshaus vorkultiviert, vor Kurzem sind sie in ein Freisinger Tropenhaus umgezogen. An den 150 Pflanzen hängen bereits erste Früchte.

Eine Papaya legt, wie auch andere Tropenfrüchte, eine halbe Weltreise zurück, bis es sie endlich in einem deutschen Supermarkt zu kaufen gibt und womöglich dann – nach einem beachtlichen CO2-Fussabdruck weggeworfen – wird. Dabei muss das gar nicht sein, meint die Freisinger Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. In einem äußerst spannenden Leuchtturm-Projekt der Uni Bayreuth, bei dem nun seit kurzem auch die HSWT mit an Bord ist, wollen die Pflanzenkundler eines beweisen: Tropenfrüchte könnten im großen Stil auch in Bayern wachsen.

Tropenfrüchte bald aus Bayern: Foscher der Hochschule Weihenstephan glauben fest daran

Es ist heiß und dampfig im Freisinger Tropenhaus – einem Gewächshaus, in dem eine Luftfeuchtigkeit von knapp 70 Prozent herrscht. Nachdem die Papaya-Pflanzen vor einem halben Jahr im normalen Gewächshaus vorkultiviert worden sind, durften sie vor kurzem in das Tropenhaus umziehen. Rund 150 Pflanzen, an denen bereits die ersten Früchte hängen, durchlaufen hier vor allem verschiedene photoperiodische Gegebenheiten. Vereinfacht gesagt, geht es darum, wie die Pflanzen auf wie viel Tageslicht reagieren.

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Von einer Top-Nutzung ist das Weihenstephaner Tropenhaus, das es seit 2014 gibt, allerdings laut wissenschaftlichem Mitarbeiter Alexander Kunze noch weit entfernt. Ein Grund dafür: Im Winter müsste das Glashaus für die Papaya-Pflanzen stark beheiz werden. Hier hofft der Projektleiter Prof. Dr. Johannes Max zukünftig auf deutlich besser isolierte Glashäuser, um energieeffizienter arbeiten zu können – wenngleich für ihn Gewächshäuser per se mehr Nachhaltigkeit versprechen, weil eben dort ganz gezielt Nützlinge eingesetzt werden können.

Tropenfrüchte wachsen am Standort Bayreuth: Papayas gedeihen gut

Doch wie könnten dann Tropenfrüchte überhaupt in Bayern gedeihen, ohne dass durch teures Heizen erneut eine mögliche CO2-Spirale droht? Die Antwort darauf liefert die Uni Bayreuth, mit ihrem Projekt „Klein Eden“, dem Tropenhaus am Rennsteig. Dort hat es übrigens auch angefangen mit der Idee, Tropenfrüchte in Bayern wachsen zu lassen.

Der Vorteil beim Standort Bayreuth: Durch die Abwärme-Nutzung einer Glasfabrik in der Region wird im „Klein Eden“ ein Gewächshauskomplex beheizt, sodass dort tropische und subtropische Verhältnisse galant simuliert werden können. In Innenstädten sollte freilich die Abwärme zuerst für Wohnungen genutzt werden, wie Johannes Max ausführte – für dezentralere Glashauskomplexe könnte eine Abwärme-Nutzung seiner Meinung nach allerdings der Schlüssel dafür sein, hierzulande und so auch in Freising alles Mögliche anzubauen.

Top-Qualität und niedriger CO2.Fußbadruck - Nachhaltige Tropenfrüchte könnten bald aus Bayern kommen

Was für Max noch dazukommt: „Tropische Früchte werden unreif geerntet, und das schmeckt man auch. Wer beispielsweise in Thailand schon mal eine Mango gegessen hat, weiß wie wenig Geschmack eine importierte Frucht hat.“ Und das machte eben laut Johannes Max den Reiz dieses Projektes aus: „Eine höhere Qualität und ein deutlicher niedriger CO2-Fußabdruck!“ Je größer die Fläche und damit das Gewächshaus mit tropischen Temperaturen, desto größer wäre freilich dann der wirtschaftliche Erfolg, oder wie es Kunze ausdrückte: „Das Potenzial wäre auf jeden Fall da.“

Während in Bayreuth seit 2012 Tropenfrüchte angebaut werden, laufen an der Hochschule Weihenstephan seit 2014 unterschiedliche Versuche zum Wachstum tropischer Früchte. „Am erfolgreichsten ist die Papaya“, erklärte Kunze. Um beide Projekte zu begleiten, pendelt er als Doktorand zwischen Freising und Bayreuth hin und her und ist damit abwechselnd in beiden Städten zugange. Zeitlich umrissen ist diese Kooperation aktuell für drei Jahre. Richard Lorenz

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