Niclas (4. v. l.) im Kreise seiner Freunde (v.l.) Moritz, Florian, David, Johannes, Sebastian, Alexander und Sebastian.

Typisierungsaktion für Jugendliche aus dem Landkreis Freising

Außergewöhnliche Typisierungsaktion: Hoffnung für Niclas und Noah

Freising - Sie haben schon viel erlebt, die Frauen und Männer der Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB). Doch so, wie die Typisierungsaktion für Niclas (16) und Noah (20) am Samstag in Freising lief, das war auch für sie ganz außergewöhnlich: 3682 Menschen waren gekommen, 3682 Menschen, die Leben retten wollen.

Erst die Treppe hoch in den ersten Stock, dann den ganzen weiten Flur entlang, am Ende die Treppen wieder hinunter bis in das Untergeschoß, dann noch ein paar Mal um einige Ecken herum, und dann war man fast da. So lange war am Samstag im Josef-Hofmiller-Gymnasium die Schlange der Menschen, die sich typisieren und als Stammzellenspender registrieren lassen wollten. Wartezeiten von bis zu einer Stunde nahmen die am Ende 2038 potenziellen Stammzellenspender im JoHo geduldig und gerne in Kauf. Und auch im TU-Gebäude des Wissenschaftszentrums Weihenstephan ließen sich 1644 Menschen Blut abnehmen. 3682 Spender also – eine riesige Welle der Hilfsbereitschaft für den an Leukämie erkrankten Noah aus Freising und den an MDS leidenden Niclas aus Kirchdorf (wir haben berichtet) war durch den Landkreis gerollt.

Mit feuchten Augen stand Sonja Kiepe, die Mama von Niclas im JoHo, konnte es so recht nicht fassen, dass so viele Menschen sich aufgemacht hatten, um ihrem Niclas vielleicht das Leben zu retten. „Ich kann meine Gefühle gar nicht recht beschreiben. Das ist überwältigend.“ Manuela Ortmann von der AKB hat schon zahlreiche Typisierungsaktionen mitorganisiert. Doch für das, was da am Samstag ablief, fand auch sie nur ein Wort: „Überwältigend.“ Und das traf nicht nur auf die Menschen zu, die ein paar Millimeter Blut gaben, um im besten Fall später einmal mit ihrer Stammzellenspende ein Leben retten zu können, das traf auch auf die Geldspenden zu. Allein an diesem Samstag und allein im JoHo wurden 17 350 Euro in bar gespendet. Zusammen mit den bereits zuvor überreichten Schecks (allein 11 000 Euro wurden von Texas Instruments-Mitarbeitern gesammelt und 5740 Euro kamen vom Benefizkonzert in der Kirchdorfer Pfarrkirche) und all den anderen Spenden könnte man es laut Ortmann geschafft haben, auch die Gelder zur Typisierung der Blutproben zusammenbekommen zu haben. 50 Euro kostet eine Typisierung. Und auch das sei „ganz außergewöhnlich“.

Spender Nummer 1000: Uwe Gerlsbeck (l.) und Olaf und Sonja Kiepe (r.) mit Verena und Matthias Müller sowie der kleinen Patrizia und Jonathan.

So wichtig das Geld ist – der Samstag war der Tag der Emotionen. Uwe Gerlsbeck, der Bürgermeister aus Kirchdorf, der seine Feuerwehren zur Parkplatzeinweisung und für die Versorgung der Spender eingeteilt hatte, war sichtlich bewegt. Das sei „überragend“. Die ganze Aktion sei hervorragend organisiert. Was ihn aber besonders beeindrucke, das sei die Atmosphäre: Da stünden Menschen an einem Samstag gut und gerne mal 45 Minuten in einer Schlange – und „keiner motzt, keiner ist schlecht gelaunt“, beschrieb Gerlspeck die entspannte Atmosphäre und das „tolle Feeling“.

Während die 1000. Spenderin, Verena Müller, bei der Anmeldung und vor der Entgegennahme der Blutröhrchen mit Applaus begrüßt wurde und sich über ein Los der Glücksspirale freuen durfte, fühlten sich auch die Eltern von Vincent Kammerloher an alte Zeiten erinnert, als für ihren Sohn eine solche Typisierungsaktion in Wolfersdorf initiiert worden war. Viele schöne Erlebnisse und Glücksmomente kämen wieder hoch, erzählten Elisabeth und Jakob Kammerloher.

Nicht so lange war die Schlange im Foyer des WZW an der Gregor-Mendel-Straße. Dennoch hatten auch hier die zahlreichen Helfer – am Empfang, bei der Einweisung, bei der Registrierung und der Blutabnahme selbst – ständig gut zu tun. Noahs Mutter Hiltrud Herrmann, die im TU-Gebäude die Stellung hielt, hatte für diesen Tag eine Zielvorstellung: 3000 sollten es sein. Am Ende waren es jene 3682, die auch für Ortmann „ein Traum“ waren. Dass der Altersdurchschnitt der Spender bei rund 29 Jahren gelegen habe, sei „supergut“. Denn je jünger die Spender seien, umso länger blieben sie in der Kartei. Für einige Jahre ist auch Freisings Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher in dieser Datei, der sich am Samstag gleich zu Beginn „anzapfen“ ließ. Zu Beginn eines denkwürdigen und Hoffnung machenden Tages in Freising.

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