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5740 Euro überreichte Albert Reichart (r.) von der Amperthaler Sängerrunde im Beisein von OB Tobias Eschenbacher, Olaf und Niclas Kiepe sowie Kirchdorfs Bürgermeister Uwe Gerlsbeck (v. l.).

Nach der Typisierungsaktion

Getragen von ganz vielen Händen

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Freising - Eine Woche liegt die Typisierung für Noah und Niclas zurück. Eine Woche, in der die Eltern der beiden Zeit hatten, langsam zu begreifen, was da am vergangenen Samstag eigentlich passiert ist. Noch immer sind sie überwältigt von so viel Hilfsbereitschaft, wollen einfach nur Danke sagen.

Vergangenen Samstag, 9.30 Uhr: In der Vimystraße vor dem Josef-Hofmiller-Gymnasium stehen die Menschen Schlange. Schon eine halbe Stunde, bevor die Organisatoren der Typisierungsaktion für Niclas und Noah die Türen öffnen, ist der Andrang riesig. Viele rechnen damit, haben sich vorsichtshalber davor noch was zu essen beim Bäcker geholt und reihen sich geduldig ein. Keiner motzt, keiner lässt sich von einer Wartezeit von einer Stunde plus abhalten. So wird es den ganzen Samstag über weitergehen, bis am Ende – zusammen mit den Menschen der zweiten Typisierungsstelle an der TU Weihenstephan – die beeindruckende Zahl von 3682 steht. Um 3682 potenzielle Lebensretter wurde die Knochenmarkspenderdatei an jenem Samstag in Freising erweitert. Alle sind überwältigt. Allen voran die Eltern der beiden Buben.

„Ich hatte das Bedürfnis, jeden ganz fest zu umarmen.“ Olaf Kiepe, Niclas’ Papa, erzählt, wie er sich am Samstag gefühlt hat. Den ganzen Tag über waren er und Niclas’ Mama, Sonja Kiepe, am Josef-Hofmiller-Gymnasium vor Ort – zusammen mit Niclas. Alle drei haben diese wunderbare Stimmung aufgesogen, eine Stimmung voller Hilfsbereitschaft, Zuversicht und Hoffnung. „Du fühlst dich, als ob du auf ganz vielen Händen getragen wirst“, fassen die Eltern ihre Emotionen in Worte.

Und auch, wenn der Grund für die Aktion ein sehr ernster war: Die Stimmung sei sehr gelöst gewesen, „es war beinahe wie ein Fest, als ob all die Menschen zusammengekommen wären, um etwas zu feiern“, berichtet auch Hiltrud Herrmann, die Mutter des 20-jährigen Noah. Die Welle der Hilfsbereitschaft macht sie immer noch sprachlos: Nicht nur den unzähligen Freunden und Bekannten, die zu der hervorragenden Organisation und reibungslosen Durchführung der Aktion beigetragen haben, möchten die beiden Familien danken. Auch den „vielen, die man gar nicht kennt“, die Geld gespendet haben, gilt ihr aufrichtiger Dank.

Und nun, eine Woche später? Ist da dieses viel zitierte Loch, in das die Eltern nun zu fallen drohen? Ganz und gar nicht – und auch das ist bei beiden Familien gleich. „Es reißt nicht ab!“ Durchatmen, „im Sinne von ,Jetzt wird es wieder ruhig um das Schicksal unserer Söhne’“ daran sei nicht zu denken – „und das ist schön und gut so“, sagt Sonja Kiepe. Noch immer wird von allen Seiten Hilfe angeboten. „Wir organisieren jetzt nicht mehr auf den Punkt, auf diesen Samstag, hin“, sagt Olaf Kiepe. Stattdessen gebe es unzählige Gespräche mit den Helfern. „Ich habe noch nie in meinem Leben so oft Danke gesagt“, so Hiltrud Herrmann. Und Olaf Kiepe ergänzt: „. . . und es nie zuvor ehrlicher gemeint.“

Die Liste derer, denen die beiden Familien für ihre Unterstützung zutiefst verbunden sind, ist lang: Allen, die sich am Samstag haben registrieren lassen, allen Helfern, die Hausherren des Josef-Hofmiller-Gymnasiums und des Zentralinstituts der TUM (Institute for Food & Health) in dessen Räumen die Typisierungen über die Bühne gingen, den politischen Schirmherren OB Tobias Eschenbacher und Landrat Josef Hauner, allen Firmen, Vereinen, Institutionen und allen Privatmenschen, die die Aktion finanziell unterstützt haben. Als Beispiel sei Maria Bauer aus Wolfersdorf genannt, die sich zu ihrem 85. Geburtstag, anstatt von Geschenken Geld für die Aktion gewünscht hat. 1200 Euro sind so zusammengekommen, die sie an die AKB gespendet hat. Auch zahlreiche Vereine haben die Aktion finanziell unterstützt – unter anderem der SV Pulling mit 1000 Euro, die katholische Landjugend Sünzhausen mit 1000 Euro, die Sozialstiftung des Bayerischen Fußballverbandes mit 4000 Euro und knapp 6000 Euro die Amperthaler Sängerrunde aus einem Benefizkonzert. Der aktuelle Stand des Spendenkontos ist bei knapp 120 000 Euro angelangt – inklusive der 11 000 Euro von Texas Instruments. 185 000 Euro werden benötigt, dann trägt sich die Aktion selbst. Was noch dringend fehlt? Der ersehnte Anruf, auf den beide Familien warten: „Der passende Spender für Niclas und Noah ist gefunden.“

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