Bürgerverein Freising zu Gast in Neufahrn 

Ultrafeinstaub: Ohne Forschung kein Urteil

Ultrafeinstaub ist gefährlich. Das versuchte der Bürgerverein Freising den Neufahrner Gemeinderäten zu vermitteln. In der Südgemeinde diskutiert man über die Anschaffung eines eigenen Messgeräts – und ist noch nicht vollends überzeugt.

Neufahrn – Wie gefährlich ist Ultrafeinstaub (UFP)? Gerade in der Flughafenregion haben Experten eine überdurchschnittliche Belastung festgestellt. Ergibt es deshalb Sinn für eine Kommune, sich ein Messgerät anzuschaffen? Mit Fragen wie diesen beschäftigte man sich jüngst im Neufahrner Gemeinderat. Das Problem: Eine belastbare Langzeitstudie zu den gesundheitlichen Risiken gibt es nicht.

Zumindest „keine flächendeckende“, wie Gerhard Müller-Starck erklärte. Zusammen mit Oskar Rottmann präsentierte Starck das, was der Bürgerverein Freising zur Vermeidung von Lärm- und Schadstoffbelastungen an belastbarem Material in Sachen Feinstaub zusammengetragen hat. Besorgniserregend ist demzufolge, dass Ultrafeinstaub über die Atemluft aufgenommen und über die Lungenbläschen im gesamten Körper verteilt wird. Als Folgen einer erhöhten Ultrafeinstaubbelastung gelten internationalen Studien zufolge eine ganze Reihe von lebensbedrohlichen Erkrankungen. Demnach sei sie unter anderem die Ursache von Atemwegs-, Herz-Kreislauf, Nerven-, und Krebserkrankungen. Dass die Werte für Ultrafeinstaub im direkten Umfeld des Münchner Flughafens enorm seien, daran ließen Rottmann und Starck keine Zweifel aufkommen. Während 3000 Partikel pro Kubikzentimeter als Normalbelastung gelten, hat der Bürgerverein beispielsweise in Hallbergmoos bis zu 89 000 Partikel pro Kubikzentimeter Luft gemessen. In Marzling sollen es 75 000 und in Lerchenfeld 35 000 Partikel gewesen sein.

Als entscheidend bei den Messungen im Raum Neufahrn hat sich laut Rottmann die Windrichtung herausgestellt. Bei Ostwind sei hier eine acht Mal höher als der Normalwert festzustellen gewesen. Demnach läge die Belastung bei 24 000 Partikeln pro Kubikzentimeter.

Eine Darstellung, die unterschiedliche Reaktionen im Gemeinderat hervorrief. Beate Frommhold-Buhl (SPD) wollte wissen, ob es Sinn ergebe, sich selbst ein Messgerät anzuschaffen – wie schon einmal in Betracht gezogen, eventuell gemeinsam mit Hallbergmoos. Laut Rottmann macht das durchaus Sinn, da man so kontinuierlich messen und Ergebnisse erhalten könne. Vernünftige mobile Geräte kosten etwa zwischen 8000 und 10 000 Euro.

Burghard Rübenthal (CSU) stellte die Ergebnisse hingegen infrage. Er sprach von „Vermutungen“ und fragte nach, ob es belastbarte Erkenntnisse, etwa über Sterblichkeitsraten aus anderen Flughafenregionen gebe. Starck räumte ein, dass es noch keine Langzeitstudien gebe. Speziell für die Flughafenregion erachte er das auch für problematisch. „Wegen der starken Fluktuation innerhalb der Bevölkerung“, wie er sagte.

Auch Bürgermeister Franz Heilmeier zeigte sich skeptisch, was die Belastung mit Ultrafeinstaub anbelangt. Es müsste erst „eine Intensivierung der Wirkungsforschung“ stattfinden, bevor man sich ein Urteil erlauben könne.

An der Brisanz des Themas ändert das aber nichts, wie Starck zu bedenken gab. Als Ironie des Schicksals stellte er es nämlich dar, dass man im Bestreben, umweltfreundlicher Motoren zu entwickeln, die Belastung mit Ultrafeinstaub sogar befeuert habe. Der Grund seien immer feinere Einspritzanlagen, die zu einer Zunahme des Ultrafeinstaubes in der Atemluft führten.

Eine Entscheidung darüber, sich ein Messgerät anzuschaffen, fiel indes nicht. Die Präsentation des Bürgervereins Freising galt nur der Information.

Alexander Fischer

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