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45 Radfahrer wurden auf der Lerchenfelder Seite der Korbiniansbrücke kontrolliert – und viele beanstandet. 

Polizei Freising kontrolliert in Freising-Lerchenfeld Zweiradfahrer

Ohne Licht und Bremse:  Freisinger Radler leben in ihrer eigenen Welt

Weil die Unfallzahlen mit Radfahrern im Herbst und Winter in die Höhe schnellen, leistete die Polizei Freising Aufklärungsarbeit: Sie kontrollierte, beriet und beanstandete.

Freising–  Am Lerchenfelder „Drehkreuz“ Ismaninger-/Erdinger Straße, kurz hinter der Korbiniansbrücke, ahndeten die Beamten Ordnungswidrigkeiten wie fehlende Beleuchtung, Rotlicht- oder Handyverstöße. „Wir hatten ordentlich zu tun“, bilanzierte Erster Polizeihauptkommissar Michael Ertl am Mittwoch. Von den 45 kontrollierten Radlern wurde rund die Hälfte beanstandet – und zur Kasse gebeten. Die sieben Radler etwa, die bei Rotlicht einfach über die Kreuzung fuhren, bekamen 60 Euro Bußgeld aufgebrummt und einen Punkt. Fazit von Inspektions-Vize Ertl: „Viele Radler leben offenbar in ihrer eigenen Welt. Sie glauben, sie radeln in einer Art Sicherheitskäfig.“ Viele schwere Unfälle aber bewiesen das Gegenteil.

Ganz in Schwarz – und ohne Licht

Es war Schmuddelwetter pur. Als sich die Beamten kurz nach 17 Uhr zur Großkontrolle auf der Lerchenfelder Seite der Korbinianbrücke positionierten, nieselte es leicht. Ins Visier genommen wurde kurz darauf ein junger Mann, der ohne Licht und ganz in schwarz gekleidet unterwegs war. Ein gefährlicher Trend, wie Polizeihauptmeisterin Franziska Müller erläuterte. Autofahrer könnten sie nicht rechtzeitig erkennen. In den dunklen Monaten steige daher das Unfall-Risiko enorm an. Leider sehe man solche Blindflieger häufig. „Radler, die ohne Licht fahren, sollten sich einmal in die Rolle der Autofahrer versetzen, die sie einfach nicht sehen können“, ergänzte Michael Ertl. „Man will doch keinen Radler über den Haufen fahren.“ Laut Bußgeldkatalog fallen für das Fehlen einer funktionierenden Radl-Beleuchtung 20 Euro an. „Die meisten der Radler zeigten Einsicht“, meinte Müller. „Wenn wir sie auf die Gefahren hinweisen, sind viele sogar recht dankbar.“

Wer bei Rot über die Kreuzung fuhr, musste mit einem höheren Bußgeld rechnen. Ertl: „Die Radler erwarten zwar von den Autofahrern, dass sie vor der roten Ampel halten. Für sie selbst soll das aber offenbar nur bedingt gelten“, kritisierte der Erste Polizeihauptkommissar. Wenn’s gerade passt, dann könne man schon mal auch bei Rot losradeln, glaubten wohl manche Pedalisten. Ertl: „Wenn sich die Autofahrer so verhalten würden wie die Radfahrer, gäbe es in Freising jede Menge Tote.“

Volle Fahrt voraus – ohne Bremsseile

Wer mit dem Handy am Ohr radelt, stelle ebenfalls eine Gefahr für sich und andere Verkehrsteilnehmer dar, erklärt Polizeihauptmeisterin Franziska Müller. Ein telefonierender Radler wurde prompt erwischt und muss für das Gespräch quasi eine Sondergebühr von 55 Euro berappen. Wer mit dem Handy am Ohr radle, ergänzte Ertl, sei erstens abgelenkt, und zweitens nur noch mit einer Hand am Lenker unterwegs. Das gebe häufig „nette Stürze“.

Einer der Radler, die am Kontrollposten vorbeifuhren, hatte die Kopfhörer auf, und ein Fahrrad war zwar mit Bremsgriffen ausgestattet, nicht aber mit Bremsseilen. „Macht doch nichts“, kommentierte Ertl sarkastisch, „in Freising gibt’ ja keine Berge . . .“

Freilich wurden auch Gespräche mit Radlern geführt, die zu keinem Verwarngeld führten. Und es gab auch Lob. „Wenn wir vorschriftsmäßige Ausrüstung gesehen haben, haben wir das auch besonders herausgestellt“, betonte Franziska Müller.

Michael Ertl hat für alle Verkehrsteilnehmer einen Tipp parat: „Versetzen Sie sich einmal in die Rolle der anderen“. Radler sollten sich vorstellen, am Pkw-Steuer zu sitzen – und umgekehrt. Das sei sehr hilfreich, um im dichten Straßenverkehr mehr Verständnis und Rücksichtnahme zu entwickeln.

                                                                                             Maria Martin/Helmut Hobmaier

Achtung, Kontrolle!

Heute kontrolliert die Polizei Freising erneut Radfahrer an der Korbiniansbrücke, diesmal auf der Stadtseite. Es ist ein Radler-Brennpunkt: Täglich passieren 3000 bis 4000 Fahrradfahrer die Brücke.

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