Vater darf seinen Sohn (3) endlich zurückholen

Ampertal - Ohne das Wissen ihres Noch-Ehemannes hat eine Rumänin ihren dreijährigen Sohn in ihre Heimat gebracht. Vor Gericht griff der Richter zu ungewöhnlichen Mitteln, um das Kind zurückzuholen.

Wenn ein Richter vor die Tür seines Sitzungssaals geht, damit die Angeklagte drinnen in Ruhe telefonieren kann, dann muss es ein besonderer Fall sein. In einem Prozess vor dem Münchner Amtsgericht ist das am Montag gleich zwei Mal passiert - in einem Verfahren, das Richter Robert Grain einige Kreativität abverlangte. Selbiger ist es wohl zu verdanken, dass nun eine Lösung des Problems in Sicht ist. Aber der Reihe nach.

Auf der Anklagebank sitzt eine Rumänin, die derzeit noch verheiratet ist mit einem Mann aus dem westlichen Landkreis. Bis vor einigen Monaten lebte das Paar in einer Gemeinde im Ampertal gemeinsam mit dem ihrem heute dreijährigen Sohn. Doch die Ehe ging kaputt - und am 13. April 2012 traf die Mutter eine folgenschwere Entscheidung. Sie packte ihren Buben ins Auto und fuhr mit ihm in ihre Heimat Rumänien, wo ihre Eltern leben. Der Vater des Kindes war damit nicht einverstanden - und weil sie das gemeinsame Sorgerecht haben, gilt das als Entziehung von Minderjährigen. Eine Straftat.

In Rumänien wurde sie verhaftet, kam nach München ins Frauengefängnis. Dort sitzt sie seither - der Sohn ist immer noch in Rumänien. Ein erster Termin, zu dem der Vater dorthin gereist war, um das Kind zu holen, scheiterte am Widerstand der Großeltern. Unverrichteter Dinge musste der verzweifelte Vater wieder abreisen. So entstand eine Patt-Situation für alle Beteiligten: Die Mutter bleibt im Gefängnis, bis das Kind wieder beim Vater ist. Der Vater kann nichts machen, bis das Gericht eine Entscheidung fällt. Und der Bub, drei Jahre alt, bleibt ohne Eltern in Rumänien.

Nun kommt Amtsrichter Robert Grain ins Spiel: Er machte zu Beginn der Verhandlung die Bedingungen gegenüber der Angeklagten sehr deutlich: „Ich lasse Sie erst aus dem Gefängnis, wenn das Kind wieder da ist.“ Dann, so die Argumentation, bestehe nicht mehr die Gefahr, dass die Mutter sich wieder nach Rumänien absetze. Gleichzeitig stellte er der Frau eine geringere Strafe in Aussicht, wenn sie kooperiert. Mit Erfolg: Die Angeklagte erklärte sich einverstanden, dass ihr Noch-Ehemann den Sohn noch in dieser Woche aus Rumänien holt - aber nur, wenn ihre Mutter mit nach Deutschland reisen könne. Das, so der Richter, sei auch aus Sicht des Kindes von Vorteil: „Ich finde es gut, wenn er seine Oma bei sich hat.“

Den Etappen-Erfolg legte Richter Grain sofort in trockene Tücher: Noch aus dem Gerichtssaal heraus ließ er die Angeklagte in Rumänien anrufen, um einen Termin zu vereinbaren. Zwei Telefonate waren nötig, doch das unkonventionelle Vorgehen funktionierte: Am kommenden Samstag soll Johann V. seinen Sohn samt Schwiegermutter in Rumänien abholen.

Das Kind soll künftig wieder bei seinem Vater leben und in den Kindergarten in der Ampertalgemeinde gehen. „Ich gehe davon aus, dass das klappt“, sagte Richter Grain zum Abschluss. Am 4. Februar sehen sich alle vor Gericht wieder - dann wird sich entscheiden, wie die Frau für ihr Verhalten zur Rechenschaft gezogen wird.

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