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Prozess ausgesetzt 

Vergewaltigung und versuchte Vergewaltigung: Freisinger vor Gericht

Ein 37-jähriger Freisinger musste sich am Montag vor dem Landgericht Landshut verantworten. Die Vorwürfe: Vergewaltigung und versuchte Vergewaltigung. Zum Prozessauftakt widerrief er sein Geständnis aber – und das Gericht zweifelt die Glaubwürdigkeit der vermeintlichen Opfer an.

Freising/Landshut – Die erste angebliche Vergewaltigung geht ins Jahr 2010 zurück: Der Beschuldigte war seit 2008 mit der Geschädigten in einer Beziehung. An einem Tag im Januar, der nicht mehr genau datiert werden konnte, soll er sie in seiner Wohnung zum Sex gezwungen haben. Als er erste Anstalten machte, habe sie deutlich verneint – doch der 37-Jährige habe nicht von ihr abgelassen. Sie habe sich mit Händen und Füßen gewehrt, heißt es in der Anklage. Das quittierte der Beschuldigte mit einem Faustschlag auf das rechte Auge der Frau. Als sie gehen wollte, habe er sie zurück auf die Couch gezogen und vergewaltigt, wirft die Staatsanwaltschaft dem Mann vor. Nach zehn bis 15 Minuten konnte sie sich erst lösen.

Doch das war nur der erste Zwischenfall: Im Zeitraum von 1. Dezember 2016 bis 31. Januar 2017 soll der Angeklagte eine weitere Frau in ihren Räumen im Betreuten Wohnen der Lebenshilfe bedrängt haben. Er soll sie festgehalten und geküsst haben, während er masturbierte. Danach habe er mehr gewollt, heißt es in der Anklage – er drängte sie zum Bett und zog sie aus. Die Frau wehrte sich und konnte sich schließlich befreien. Hintergrund: Alle drei Beteiligten lebten im Betreuten Wohnen der Lebenshilfe und haben eine Behinderung. Im Fall des Angeklagten handelt es sich um eine organische Persönlichkeitsstörung, die aufgrund massiven Alkoholkonsums der Mutter während der Schwangerschaft zustande kam. Laut Anklage war er in seiner Steuerungsfähigkeit erheblich beeinträchtigt, jedoch nicht so schwer gestört, dass diese aufgehoben gewesen wäre.

Auf die beiden Vorfälle sei man nur gekommen, weil eine der Frauen Anfang 2017 einer Kollegin berichtete, dass sie vom Angeklagten regelmäßig begrapscht werde, berichtete ein Diplom-Sozialpädagoge der Lebenshilfe. Bei den anschließenden Befragungen seien dann Übergriffe auf die Ex-Lebensgefährtin bekannt geworden. Bei ihr waren schon längere Zeit blaue Flecke festgestellt worden. Der Angeklagte habe dann die Vorwürfe eingeräumt. Dabei sei aber nicht der Eindruck entstanden, dass er das nur getan habe, um seine Ruhe zu haben. Allerdings hatte der Angeklagte zum Prozessauftakt über eine Erklärung seines Verteidigers sein Geständnis widerrufen. Sein Anwalt erklärte, dass er „nur bestätigt habe, was man von ihm hören wollte“. Allerdings habe der 37-Jährige Erinnerungslücken.

Die beiden Frauen wurden nicht-öffentlich verhört. Das vermeintliche Opfer der versuchten Vergewaltigung leide an einer höhergradigen Intelligenzminderung, weshalb ihre Aussagen angezweifelt wurden. Bei der Ex-Lebensgefährtin hatte man Zweifel an der Glaubwürdigkeit. Sie hatte die Vergewaltigung bei den Polizeivernehmungen nicht mehr bestätigt – sondern erklärt, dass es nach dem Faustschlag zu keinem Sex mehr gekommen sei.

Gutachten sollen Glaubwürdigkeit der Frauen belegen

Der Prozess wurde ausgesetzt – bis aussagepsychologische beziehungsweise Glaubwürdigkeitsgutachten für beide Frauen eingeholt wurden. Vorsitzender Richter Ralph Reiter erklärte, dass die Voraussetzungen für eine Unterbringung des Beschuldigten vorliegen – und, weil ihm ein Gutachten ein hohes Rückfallrisiko bescheinigt, eine sexualtherapeutische Behandlung notwendig sei. Der 37-Jährige ist inzwischen in einem Bezirksklinikum untergebracht.

ötl/ahi

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