+
Martin Pschorr ist Stadtrat und Vorsitzender der Moosburger SPD.

Leserbrief des SPD-Ortsvorsitzenden 

"Verkaufsshow statt Bürgerbeteiligung": Pschorr kritisiert Moosburgs Plan-Info

Moosburg - In einem Leserbrief hat Moosburgs SPD-Chef Martin Pschorr scharfe Kritik an der städtischen Bürgerbeteiligung zur "Plan"-Umgestaltung geübt. Hier lesen Sie den Brief im Wortlaut.

Auch Tage nach der Moosburger Bürgerversammlung am Donnerstag sorgt die "Plan"-Umgestaltung weiter für Diskussionsstoff. Nun hat sich Martin Pschorr, Stadtrat und SPD-Ortsvorsitzender, in einem Leserbrief zu Wort gemeldet. Er übt darin massive Kritik an dem Vorgehen des Rathauses. Der Leserbrief im Wortlaut:

"Eine Inszenierung für eine derzeit eher schädliche Umgestaltung des Plans wurde auf der Bürgerversammlung am Donnerstag in Moosburg geboten. Als Information getarnte massive marketingmäßige Bearbeitung der Besucher im Stile einer Verkaufsshow für die Planung sowie eine unmittelbar darauf folgende, als „Bürgerbeteiligung“ bezeichnete Zettelsammlung sollten eine Legitimation für eine sehr teure und umstrittene Maßnahme herbeiführen. So sind die Ergebnisse der Befragung zwar vielleicht ein Anhaltspunkt, aber sicherlich noch nicht repräsentativ.

Lesen Sie zum Thema:
Parkplatzfrage spaltet die Moosburger

Dabei ist zunächst einmal nicht zu bestreiten, dass eine Umgestaltung des Plans zu einer optischen Aufwertung des Stadtbildes führen kann. Wer aber die unumstrittene Funktion dieses Platzes, nämlich die Erschließung des Zentrums mit seinen Geschäften, Behörden, Einrichtungen und Kirchen erkennt, wird bei objektiver Betrachtung feststellen, dass die derzeitigen Pläne mit der drastischen Einschränkung der Stellplätze negative Auswirkungen sehr wahrscheinlich machen, weil langfristig gesicherter, adäquater Ersatz nicht erkennbar ist.

"Fragen nicht beantwortet"

Dass die Planer, insbesondere auch die Vertreterin des mit dem Realisierungswettbewerb befassten Büros, diese finanziell aufwändige Maßnahme bewerben, ist leicht verständlich. Es ist auch nicht überraschend, dass die Frage eines Besuchers nach den Kosten weder von der Bürgermeisterin noch von den Experten beantwortet wurde.

Wenn in diesem Zusammenhang oft der Begriff „Lebensqualität“ verwendet wird, so verstehe ich darunter, dass sich die Menschen in der Innenstadt bei ihren Einkäufen oder anderen Erledigungen sicher und möglichst wenig eingeschränkt durch den Autoverkehr bewegen können. Das ist für Fußgänger und Radfahrer besonders am Stadtplatz nicht der Fall. Sich zwischen Kotflügeln der Autokolonnen durchzuwinden, ist für alle, aber insbesondere für Ältere, Kinder oder Menschen mit eingeschränkter Mobilität ein risikoreiches Unterfangen. Hinzu kommen sehr häufig die großen Lkw, die von ihren Navigationsgeräten auf der noch immer ausgewiesenen Staatsstraße in die Innenstadt gelenkt werden.

"Kostspielige Wohlfühloase"

Statt eine kostspielige Wohlfühloase auf dem Plan jetzt in Angriff zu nehmen, wäre es für die Steigerung der Lebensqualität zunächst dringend notwendig, neben allgemeinen Maßnahmen zur Verschönerung den Durchgangsverkehr wesentlich zu reduzieren und die Lkw aus der Innenstadt herauszuhalten. Das wäre neben der Sicherheit auch mit weniger Lärm und Abgasen verbunden. Dies ist nur möglich, wenn so schnell wie möglich eine Abstufung der bestehenden Staatsstraße im Zusammenhang mit der Westumfahrung in eine Gemeindestraße erfolgt, um der Stadt die Planungshoheit für verkehrsberuhigende Maßnahmen, z. B. an den Stadteingängen, zu ermöglichen.

Ich bin überzeugt, dass für solche Schritte zur Verbesserung der Qualität der Innenstadt auch Mittel aus der Städtebauförderung zu bekommen sind. Dafür ist aber meiner Kenntnis nach nichts beantragt. Ein für Ende letzten Jahres vollmundig versprochenes Durchfahrtsverbot für Lkw ist leider in Vergessenheit geraten. Auch verkehrsberuhigende Maßnahmen am Stadtplatz und in der Herrnstraße sind ohne „Plan-Pläne“ möglich.

Es ist also zunächst dringend erforderlich, mit dem Landratsamt die Initiative zu ergreifen für eine schnelle Umwidmung des Straßensystems unter Einbeziehung der Westumfahrung als Ausgangspunkt für ein Maßnahmenpaket, zu dem zum geeigneten Zeitpunkt auch die Umgestaltung des Plans gehören sollte."

Martin Pschorr, SPD-Stadtrat und Ortsvorsitzender

Reden Sie mit!

Wir legen Wert auf Ihre Meinung. Ihre Zuschriften sollten sich auf Veröffentlichungen in unserer Zeitung / auf Merkur.de beziehen und möglichst kurz sein. Schreiben Sie uns:
Freisinger Tagblatt, Münchner Straße 7, 85354 Freising, Fax: 08161/186-55, redaktion@freisinger-tagblatt.de

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Das Pflanzenparadies von Goldshausen
Chinesischer Szechuan-Pfeffer wächst neben den ausladenden Kronen von Hartriegelgewächsen. Rhododendren, Magnolien und Pfingstrosen entfalten ihre Blüten: Im Garten der …
Das Pflanzenparadies von Goldshausen
Eine Schule kämpft für Prince Happy
Prince Happy aus Nigeria ist „einer der besten Schüler, die derzeit in den Berufsintegrationsvorklassen an der FOS/BOS Freising unterrichtet werden“, schreibt Hans …
Eine Schule kämpft für Prince Happy
Crowdfunding-Projekt gestartet: Moosburg soll Familiencafé bekommen
Den Traum von einem Familiencafé in Moosburg möchte sich Andrea Baumann-Kaiser aus Wang erfüllen. Mit einem Crowdfunding-Projekt soll der finanzielle Grundstein gelegt …
Crowdfunding-Projekt gestartet: Moosburg soll Familiencafé bekommen
Ärger über erzbischöfliche „Spekulation“
Für Familien benötigte Parzellen „Am Pfarranger“ hinter dem Pfarrheim sollen meistbietend versteigert werden. Das bringt Kirchenpfleger Hans Seibold in Rage.
Ärger über erzbischöfliche „Spekulation“

Kommentare