Prozess

Verurteilt: Hitlergruß  wird für Freisinger Studenten teuer

Freising - Mit stramm erhobenem rechten Arm soll ein Student Polizisten im vorbeifahrenden Streifenwagen verspottet haben. Jetzt musste sich der 28-Jährige dafür vor dem Amtsgericht Freising verantworten.

Der 28-Jährige bestreitet den Vorfall, der sich im Mai an der Vöttinger Straße in Freising zugespielt haben soll. Er will  den Beamten allenfalls zugewunken haben. „Was soll das? Ich bin kein Nazi“, betonte der 28-Jährige, schulterlanges Haar, Karohemd und weiße Strickmütze. „Meine politische Gesinnung liegt irgendwo zwischen Hans Söllner und Sahra Wagenknecht.“ Der Angeklagte räumte aber ein, mit Ordnungshütern so seine Schwierigkeiten zu haben. „Ich und die Polizei, wir haben nicht das beste Verhältnis.“ Das habe sich so über die Jahre ergeben. „Wenn ich mal deren Hilfe gebraucht habe, bin ich blöd angeredet worden.“

Hat der Angeklagte die Polizisten mit dem Hitler-Gruß als politische Aussage beleidigen wollen? Seine Version, wonach er den Beamten zugewunken haben will, wird nur halbwegs von seinen beiden Begleitern gestützt. „Er hat auf jeden Fall herumgehampelt“, erinnert sich ein 23-jähriger Student. Die Jungs kamen gerade von einer Feier. Ein Alkoholtest ergab beim Angeklagten 1,66 Promille. Ein 24-Jähriger wiederum meint gehört zu haben, wie der Angeklagte in der Tat ein Hohn-Lied trällerte. „Grün-weißer Party-Bus“ habe er angestimmt. Beide Zeugen gaben an, keinen Hitler-Gruß gesehen zu haben. Allerdings hatte auch keiner der beiden bemerkt, dass ihr Begleiter, wie behauptet, den Polizisten fröhlich zugewunken habe.

Anders die beiden Streifenbeamten. Die Beifahrerin (22) berichtete, auf der Vöttinger Straße eindeutig bemerkt zu haben, wie der Angeklagte den rechten Arm „zackig“ erhob, als sie stadtauswärts an der Gruppe Studenten vorbeifuhren. Die Beamtin machte ihren Kollegen (34) auf den Vorfall aufmerksam. Der 34-Jährige bog mit dem Wagen gerade nach rechts ab, warf einen Blick über die Schulter zurück und sah ebenfalls, wie der Student „in 50 bis 100 Metern Entfernung und bei guter Beleuchtung“ in der Nacht den Hitler-Gruß demonstrierte.

Das Gericht hatte keinerlei Zweifel an der Aussage der Beamten. Richterin Karin Mey entschied, den Angeklagten zu 30 Tagessätzen à 20 Euro zu verurteilen. Mey ging von der Blödsinnstat eines angetrunkenen Studenten aus: „Das war der reinste Schmarrn.“

Andreas Sachse

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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