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Der preisgekrönte Schriftsteller Günter Ohnemus lebt schon seit 16 Jahren in Freising.  

Preisgekrönter Autor

Vom Zuhörer und Beobachter zum Schriftsteller: Günter Ohnemus im Portrait

Seit 16 Jahren lebt und arbeitet der Schriftsteller und Übersetzer Günter Ohnemus nun schon in Freising. Ohne großes Aufsehen beschenkt er uns von dort aus mit wundervoller Literatur.

Freising – Wären wir in Amerika, würde für ihn regelmäßig ein Lese-Event oder ein Word-Festival abgehalten werden. Mit Jazz-Klängen aus den Seitengassen, Schreibkursen und Literaten-Treffen zur späten Stunde. Ein wenig so wie in Michael Chabons „Wonderboys“, nur eben in Oberbayern. 

Der 1946 in Passau geborene Günter Ohnemus schreibt Bücher, die unsere Sehnsüchte und Fragen des Lebens verorten und mit einer anderen Farbe bemalen. Sein Ziel: sie greifbar und sichtbar machen, und somit auch verständlich. Ohnemus bietet damit eine Reflektion zur amerikanischen Literatur, ohne sie dabei zu kopieren, nachzuahmen. Ein Ohnemus-Roman ist ein völlig eigenständiges Ereignis zwischen Gedanken und Träumen, zwischen Wahrnehmung und Illusion. Manchmal ist es, so Ohnemus, nur ein einziger Satz, der zum Schreiben einer Erzählung drängt. Dem Klang der richtigen Worte folgend, dem ganz bestimmten Sound eines jeden Buches, gelingt dem Schriftsteller eine unverwechselbare Handschrift. Ein Ohnemus-Satz ist aus hundert anderen Sätzen erkennbar, weil jede einzelne Silbe mit Bedacht gewählt ist und deshalb immer wahrhaftig klingt. Ein magisches Schreiben, fernab von Literatur-Trends, das jede Publikation einzigartig macht.

Günter Ohnemus war als Kind kein großer Leser

Dabei ist Ohnemus als Kind kein großer Leser gewesen, eher ein Zuhörer und Beobachter. Und auch das ist in seinen Werken erkennbar: Der Autor ist ein Menschenkenner, der über sämtliche Nuancen des Lebens, der Liebe und des Scheiterns schreiben kann, ohne je affektiert oder aufdringlich zu werden. Am schönsten schält sich dieses Talent vermutlich in der Sammlung „Siebenundsechzig Ansichten einer Frau“ heraus. Texte über Frauen und ihren Einfluss auf die Welt. Präzise Momentaufnahmen, die allesamt etwas Urbanes und gleichzeitig etwas Wildes in sich tragen. Vielleicht auch, weil Ohnemus als Kind die Weite der ländlichen Gegend so gemocht hat, und später dann doch lange in München verwurzelt war.

Vor dem Schreiben hat sich Ohnemus als Übersetzer einen Namen gemacht und ist schon relativ bald darauf mit dem Marburger Übersetzerpreis für „Ein Konföderierter aus Big Sur“ zusammen mit seiner Frau Ilse ausgezeichnet worden. Er gilt als die deutsche Stimme von Richard Brautigan, der mit Romanen wie „Forellenfischen in Amerika“ oder „In Wassermelonen Zucker“ Kultstatus erreicht hat und bis heute immer wieder neu aufgelegt wird. Aber nicht nur Brautigan übersetzte Ohnemus, sondern auch unter anderem den Underground-Schriftsteller Keith Abbott, Myron Levoy und den New Yorker Dichter Delmor Schwartz. Ein Verlag wurde gegründet (und wieder aufgegeben) mit dem Augenmerk auf amerikanische Literatur, Talente gefördert, und immer wieder geschrieben. Kurzgeschichten, Essays, Literatur-Kritiken für die „ZEIT“ und Romane. Blitzlichtaufnahmen, die Titel tragen wie „Zähneputzen in Helsinki“ oder „Reise in die Angst“. Stark verwoben ist Ohnemus mit dem Augsburger Maro-Verlag, in dem zahlreiche Bücher von ihm erschienen sind. Für seine Arbeiten erhielt der Schriftsteller den Alfred Kerr-Preis für Literaturkritik und für seinen Jugendroman „Der Tiger auf deiner Schulter“ den renommierten Tukan-Preis.

Der neue Roman wächst: Vier Schreibstunden täglich 

Auch aktuell schreibt Ohnemus an einem neuen Roman. Um die vier Stunden täglich arbeitet er an sprachlichen Bildern, die uns beflügeln sollen. Schreiben, so Ohnemus, ist wie Fremde erobern wollen. Jedes Stück Text wie eine Musik-Komposition, muss Schreiben etwas mit den Menschen bewirken. Schreiben als Kompass für die Irrungen und Wirrungen des Lebens. Selten trifft man Schriftsteller, die so klar bezüglich ihrer Arbeiten sind. Im Schatten immer wieder ein wenig Brautigan, während draußen die Herbstblätter fallen. Fast kommt es einem vor, als hätte man jemanden wie Salinger getroffen, so beglückt und inspiriert geht man nach Hause. Um geduldig auf eine weitere Erzählung von Günter Ohnemus zu warten. Es lohnt sich.

Werk-Auswahl

Zuletzt sind von Günter Ohnemus erschienen: „Ava“ (Verlag C.H. Beck, München), „Unschuld kennt keine Verjährung“ und „Love, Life, Tennis and All That Jazz“ (beide im Maro Verlag, Augsburg).

Richard Lorenz

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