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Die Zuhörer im Lindenkeller-Oberhaus diskutierten leidenschaftlich zum Thema „Grüne Biotechnologie“.

Vortrag über grüne Biotechnologie in Freising

Pflanzenforschung ist ein Geschäft

Die grüne Biotechnologie polarisiert: Für die Befürworter trägt sie zur weltweiten Ernährungssicherheit bei. Die Gegner fürchten negative Folgen für Gesundheit und Umwelt. Deswegen gab es nach dem Vortrag te von Wissenschaftlerin Chris Carolin Schön eine lebhafte Diskussion.

Freising – Der Agrarwissenschaftler Norman Borlaug war es, der in den 1940er Jahren zum ersten Mal hoch ertragreiche Weizensorten gekreuzt hatte und damit der Hungersnot in unterentwickelten Ländern etwas entgegensetzen konnte. Auch wenn schon etwa 10 000 Jahre vor Christus Getreide wie Emmer oder Einkorn gezüchtet wurden, so habe die moderne Pflanzenzüchtung erst durch Borlaug so richtig an Fahrt aufgenommen. Das erläuterte im Rahmen der Reihe „TUM@Freising – Wissenschaft erklärt für alle“ am Dienstagabend die Agrarwissenschaftlerin und Lehrstuhlinhaberin für Pflanzenzüchtung an der Technischen Universität München (TUM), Chris Carolin Schön in ihrem Vortrag „Grüne Biotechnologie – Chancen und Zukunftsperspektiven“.

Erläuterte die Hintergründe: Chris Carolin Schön.

Nach den Regeln der Genetik, die von Gregor Mendel im 19. Jahrhundert erforscht worden waren, sei die Pflanzenzüchtung stetig voran getrieben worden. Pflanzen müssen Klimaveränderungen trotzen, resistent gegenüber Schädlingen sein und einen hohen Ertrag abwerfen: Der Laie mache sich oft gar nicht bewusst, dass die moderne Pflanzenforschung eigentlich ein „Geschäft “ sei, drückte es Schön aus. Sie verglich sie etwa mit der Auto- und Computerindustrie. „Wir versuchen auch in der Forschung, Prozesse stetig zu optimieren.“ Bis zu zehn Jahre könne es dauern, dass Pflanzen fit genug sind, um Klimaextremen standzuhalten.

Selbstverständlich kamen auch die Unternehmensankäufe im Bereich der Saatgutkonzerne zur Sprache. Die Übernahme des Saatgutriesen Monsanto durch den deutschen Chemiekonzern Bayer zum Beispiel sei „im Hinblick auf die Herausforderungen im Agrarbereich und die wachsende Weltbevölkerung“ erfolgt.

Genau hierzu gab es im Anschluss vermehrt Fragen aus dem Publikum. Wie es denn sei, wenn es nur noch einen einzigen Saatguthersteller weltweit gebe, wollte ein Zuhörer wissen. Dann müsse die Bevölkerung das essen, was angeboten werde, „oder man verhungert“, meinte der Mann lakonisch. Keiner habe Interesse an der Marktmacht, antwortete Schön, wofür sie eine kritische Anmerkung erntete: „Das glauben sie doch selber nicht. In welcher Welt leben sie?“

Eine andere Zuhörerin wollte wissen, ob man in der Forschung die gesamte Nahrungskette im Blick habe, und ob der Boden diese intensive Bewirtschaftung überhaupt vertrage? Dazu gebe es Tests für die Qualitätssicherheit, beruhigte Schön. Dass Menschen zu Schaden kommen, sei ausgeschlossen. Auch der Geschmack müsse mehr in das Zuchtziel einfließen, wünschte sich eine Frau. Dafür aber seien die Forschungsgelder knapp, entgegnete ihr die Referentin.

Als Erfolge für die moderne Pflanzenzüchtung wertete es Schön, dass sehr viele große Betriebe in Deutschland immer mehr von chemischen Pflanzenschutzmitteln abkämen und biologische Mittel einsetzten. „Die moderne Pflanzenforschung bringt also in dem Bereich Gutes“, so die Wissenschaftlerin.                                                                                        Maria Martin

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