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In Erinnerung schwelgten Wolfram Riedel (M.) und Kilian Kolmer (r.), der Fotos von früher mitgebracht hatte, als die Firma Schlüter den Firmensitz noch in Freising hatte.

Vortrag von Wolfram Riedel

Schlüter war nie weg

Haag - Wer einen Schlüter-Schlepper hat, der gibt ihn nicht wieder her. Sogar vor dem Café Ampertal an der Freisinger Straße in Haag standen am Mittwochabend einige historische Modelle der bärenstarken Maschinen. Grund dafür: ein Vortrag von Wolfram Riedel.

Der ehemalige Leiter der Presse- und Werbeabteilung der Motoren- und Traktorenfabrik Anton Schlüter, Wolfram Riedel, informierte zur Firmengeschichte, die die Stadt Freising bis zur Stilllegung des Werkes im Jahr 1993 ganz wesentlich geprägt hat. Auf Einladung von Haags drittem Bürgermeister und Obmann des BBV-Ortsverbands Haag, Robert Schwaiger, „pilgerten“ rund 200 „Schlüter-Fans“ ins Ampertal. Einige Gäste seien sogar aus dem Bayerischen Wald angereist, freute sich Schwaiger. Die meisten der Besucher waren Mitglieder von „Schlüter-Clubs“ und ehemalige Mitarbeiter des Unternehmens, das sich im Jahr 1994 „sang- und klanglos“, wie dies Riedel formulierte, aus der Domstadt verabschiedete. Dabei war der Traktorenhersteller ein Pionier, der die Produktivität der Landwirtschaft im letzten Jahrhundert national und international erheblich verbessert hatte.

Schlütervirus greift noch immer um sich

Rund 30 000 Besucher seien alljährlich zu den international bekannten Schlütertagen in die Domstadt gereist, erinnerte der Referent. Riedel ist einer von denen, die immer noch mit dem „Virus“ rund um die Schlüter-Technik infiziert sind. Auch wenn am ehemaligen Firmengelände am südlichen Stadtrand von Freising längst ein Einkaufszentrum eingezogen ist, so wurde vor dem inneren Auge der Zuhörer jene Zeit lebendig, die als „Gründerzeit“ in die Geschichte eingegangen ist. Riedel tauchte tief ein in die Entstehungszeit der Traktorenfabrik. Fast legendenhaft mutete die Geschichte an, in der ein „armer Wandersgesell“ im Jahr 1885 von Westfalen nach Freising gekommen sei und hier vorübergehend Arbeit in der Tuchfabrik Feller gefunden habe. Just an der Stelle soll er gerastet haben, an dem Anton Schlüter (1867 -1949) Jahrzehnte später als erfolgreicher Unternehmer eine Fabrik errichtet hatte: am sogenannten „Abensberger-Denkmal“ vor dem früheren Pförtnerhaus der Maschinenfabrik an der Münchner Straße.

Riedel schilderte Anton Schlüter junior, der nach dem Tod des Vaters und Firmengründers im Jahr 1949 die Geschäfte übernommen hatte, als einen, der „Tag und Nacht“ gearbeitet habe. Vor allem nachts: Riedel und der frühere Leiter des Instituts für Landtechnik in Weihenstephan, Manfred Estler, erinnerten sich da an so manchen nächtlichen Arbeitsmarathon. Zu Fachtagungen sei man die Nacht über auf den Autobahnen unterwegs gewesen. Pausen seien nicht vergönnt gewesen.

Auch Foto- und Videoproduktionen seien meistens in der Nacht entstanden, erinnerte sich Riedel. „Um den Arbeitsablauf tagsüber nicht zu stören.“ Wie lebendig das Andenken an den wegweisenden Unternehmer noch ist, das zeigte sich an diesem Abend überdeutlich. Der Saal des Café Ampertal reichte am Mittwoch nicht aus, um jeden der interessierten Besucher einen Sitzplatz zu bieten. Schlüter war nie wirklich weg aus Freising.

Maria Martin

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