Bürgermeister Markus Stöber in Wang am Schreibtisch.
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Im Chefsessel: Markus Stöber, langjähriger 2. Bürgermeister von Wang, wurde bei der Wahl zum Nachfolger von Ortschef Hans Eichinger gekürt und steht nun seit 100 Tagen an der Spitze der Gemeinde.

100 Tage im Amt

Wangs neuer Bürgermeister Stöber: „Du musst pausenlos Entscheidungen treffen“

  • vonNico Bauer
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Im Interview erzählt Wangs neuer Bürgermeister Markus Stöber, wie sein Start verlief, wo er die größten Baustellen sieht - und welche Corona-Folgen er für Wang erwartet.

Wang – In seinen ersten 100 Tagen als Bürgermeister von Wang hat Markus Stöber gelernt, dass es in so einer Flächengemeinde nie langweilig wird. In seiner ersten Zwischenbilanz zeigt sich der Rathauschef zufrieden, auch wenn ihm manche Prozesse nicht schnell genug gehen.

Freisinger Tagblatt: Herr Stöber, bei Ihrer Vereidigung sagten Sie, dass es ein „geiles Gefühl“ sei, Bürgermeister zu sein. Ist das nach 100 Tagen immer noch so?

Markus Stöber: Ja, es ist immer noch ein geiles Gefühl. Wenn ich bei dem Begriff bleiben darf, war vor allem meine erste Hochzeit als Standesbeamter geil. Das war für mich ein ganz besonderes Gefühl.

Hat die Ehe die ersten 100 Tage gehalten?

Das war Ende Juni, ich gehe davon aus, dass dieses Paar das problemlos schafft.

Kommen wir zu Ihnen. Hat Sie manches überrascht, seit Sie im Amt sind?

Ja etwas schon. Es ist noch mal etwas umfangreicher, als ich es mir vorgestellt hatte. Es gibt schon sehr viele Kleinigkeiten, mit denen die Bürger zu einem kommen. Als Bürgermeister darf man auch mal in der Streitigkeit unter Nachbarn vermitteln.

Müssen Sie dann zum Einkaufen oder in den Biergarten etwas weiter wegfahren, um mal mit der Familie eine Stunde unter sich zu haben?

Mit Corona war das jetzt nicht das ganz große Problem. Da waren ja auch nicht so viele Veranstaltungen und Termine. Aber natürlich wird der Bürgermeister angesprochen und ich mag das auch.

Das größte Problem sehe ich an der Straße von Moosburg nach Mauern.

Markus Stöber

Sind Sie mit Ihren ersten 100 Tagen zufrieden?

Ja, schon.

Wo sehen Sie in den fünfeinhalb Jahren bis zur nächsten Wahl die größten Problemstellen?

Das größte Problem sehe ich an der Straße von Moosburg nach Mauern. Vor vielen Jahren wurden mit den Abzweigungen Moosburg, Wang, Mauern und Sixthaselbach ein Kreisverkehr geplant. Mir wurde dann beim Staatlichen Bauamt gesagt, dass man immer noch die Notwendigkeit des Kreisels prüfe und auch über eine Ampel nachdenke. Da war ich schon erschrocken, dass man nach vier Jahren Überlegungen noch immer am Anfang steht. Angeblich hatte der Straßenausbau in dem Bereich doch höchste Priorität. Vor allem ein Geh- und Radweg muss dort dringend gebaut werden. Die Stadt Moosburg hat für einige hunderttausend Euro eine Geh- und Radweg-Brücke errichtet, zwischen Pfettrach und Mauern ist der Radweg auch gut. Hier muss etwas passieren.

Findet man als neuer Bürgermeister weniger Gehör, als einer, der schon seit 24 Jahren im Amt ist?

Das denke ich nicht. Man kann die Projekte voranbringen, aber es dauert halt.

Könnten Sie bei der Staatsstraße denn auch mit einer Ampel leben oder setzen Sie nur auf den Kreisverkehr?

Der Kreisverkehr wäre die perfekte Lösung. Das besagen auch diverse Gutachten.

Man erlebt schnell Ernüchterung.

Markus Stöber

Wird sich die nächsten Jahre etwas tun?

Das ist genau der richtige Ausdruck: Die nächsten Jahre... Als neuer Bürgermeister ist man motiviert und möchte schnell etwas bewegen. Aber da erlebt man schnell die Ernüchterung und redet von den nächsten Jahren.

Ist die Lösung am Ligeder Berg mit Ampel und Verkehr in beide Richtungen ein schneller Erfolg f��r Sie?

Das ist so in der Übergangsphase geschehen. Einige Bürger, die Bürgerinitiative, bei der ich dabei bin, Gemeinde und Staatliches Bauamt haben da einen guten Weg weitergebracht. Diese Baumaßnahme war ein Damoklesschwert für die Gemeinde. Aber jetzt bin ich guter Dinge, dass etwas vorangeht.

Das Dauerpolitikum der Gemeinde, der Ligeder Berg.

Kommt nach der Hangsanierung das nächste Problem, wenn dann wieder die großen Lastwagen munter durchrauschen?

Aus Sicht der Gemeinde ist die Staatsstraße in unserem Gemeindebereich nicht für Sattelschlepper geeignet. Wir haben fünf Stellen, wo zwei Lastwagen nicht aneinander vorbeifahren können.

Besteht denn Hoffnung auf ein generelles Lkw-Verbot auf der Straße?

Diese Hoffnung habe ich nicht. Nach der Sanierung wird die Straße leider wieder für Fahrzeuge bis zu 60 Tonnen aufgemacht. Dafür wird auch die Kurve am Ligeder Berg entschärft.

Im Ortsteil Isareck ist es kurvig und eng. Weil es keinen Radweg gibt und die Strecke mittelfristig wieder für Lkw freigegeben wird, bereitet sie Stöber Kopfzerbrechen.

Sind die wichtigsten Verkehrsprobleme mit dem Kreisverkehr und der Staatsstraße gelöst?

Wenn wir die Radwege dazuzählen, dann haben wir noch sehr viele Baustellen. Da muss einiges dringend gemacht werden. Das Nadelöhr dort ist sehr gefährlich, weil der vorhandene Radweg von Wang nach Isareck da endet. Das ist hochkriminell. Auch mit dem Radweg nach Bruckberg wollen wir weiterkommen. Da habe ich im Mai schon kleine Erfolge verbuchen können und mit dem Grunderwerb können wir ein kleines Stück weiterbauen. Der Kontakt mit Bruckberg funktioniert und für interkommunale Zusammenarbeit stehen auch Zuschüsse im Raum.

Gutes Stichwort: Geld. Durch das Gewerbegebiet Spörerau sind Sie innerhalb der vier Mitgliedskommunen der VG Mauern der kleine Krösus. Trifft Sie als Nummer eins des Quartetts Corona und finanzielle Einbußen besonders hart?

Wir haben 1,35 Millionen Euro Gewerbesteuer im Haushalt stehen und das war keine utopische Zahl. Jetzt steht aber schon fest, dass es mindestens 600 000 Euro weniger werden.

Wie kann man das kompensieren?

Wir haben im Haushalt in etwa den Betrag für die Erschließung des neuen Baugebietes Sixthaselbach eingestellt. Diese Maßnahme wollen wir nun über die Firma Bayerngrund als Erschließungsfirma umsetzen. Damit ist der Haushaltsplan dann wieder in Ordnung und wir brauchen wohl keinen Nachtragshaushalt.

Ich habe Hoffnung, dass es nicht so schlimm wird.

Markus Stöber

Wird Corona in den kommenden Jahren die Gemeinde knebeln?

Wir haben viele Handwerksbetriebe, die von der Pandemie eher weniger betroffen waren. Deshalb habe ich schon Hoffnung, dass es nicht so schlimm wird.

Wie sah Ihr Corona-Einsatz aus?

Wir hatten einen Fall in unserem Kindergarten und dann wurden alle getestet. Als Bürgermeister musste ich sofort entscheiden, ob und wie der Kindergartenbus weiterfährt. Als Bürgermeister musst du pausenlos Entscheidungen treffen.

Seit dem Amtsantritt: Wie schwierig war die Umstellung für Ihre Familie?

Für die hat sich nicht viel geändert. In zwölf Jahren als 2. Bürgermeister oder als Feuerwehr-Vorstand und in anderen Ehrenämtern war ich immer viel unterwegs. Durch Corona bin ich jetzt eher mehr zu Hause. Aber das wird sich an früher wieder angleichen.

Was waren in den ersten 100 Tagen ihre besonderen Erlebnisse?

Also die erste Hochzeit war für mich rührend. Und die Gespräche mit den Bürgern sind überwiegend sehr positiv. Beeindruckt bin ich vor allem, was unser Bauhof in dem riesigen Gemeindegebiet alles leistet.

Ich bin sehr stolz, dass wir keine Parteien haben.

Markus Stöber

Und wie läuft es mit dem Gemeinderat?

Ich bin sehr stolz, dass wir keine Parteien haben und zusammenhalten. Die Gemeinderäte bekommen von mir viele Informationen und ich denke, dass ich da noch mehr Infos gebe als bei Herrn Eichinger.

Wissen Sie dann meist vor den Sitzungen schon die Tendenz im Gemeinderat?

Ja, schon. Natürlich gibt es immer mal eine Überraschung, aber im Großen und Ganzen klappt das super.

Und wie läuft es in Ihren beiden Supermärkten, die Sie vor der Bürgermeister-Wahl betrieben haben?

Die werden jetzt vom Personal geführt und ich bin nur noch Bürgermeister. Naja, ich fahre noch zu den Märkten, hole das Geld ab und bringe es zur Bank.

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