+
Schutt und Asche – das ist von den drei abgebrannten Lagerhallen der Firma Kohn übrig geblieben.

Wiederaufbau läuft

Nach dem Großbrand: Bei der Firma Kohn geht der Blick wieder nach vorn

  • schließen

Ein Großfeuer hat Teile des Betriebs in Schutt und Asche gelegt. Bei der Firma Kohn in Wang lässt man sich aber nicht unterkriegen: Das Geschäft läuft weiter, der Wiederaufbau steht bevor. Und die Inhaber helfen nun jenen, die es noch schlimmer erwischt hat.

Wang – Es herrscht immer noch brüllende Augusthitze an diesem Samstagabend, aber Christine Kohn ist trotzdem nach etwas Bewegung. Mit dem Auto fährt sie ins benachbarte Inzkofen, beim Walken möchte sie dort etwas die Natur und den Feierabend genießen. Als sie gegen 21 Uhr zum Wagen zurückkehrt, schweift ihr Blick über die sanft hügelige Landschaft – und erstarrt an der Rauchsäule in der Ferne. 

Christine Kohn stockt der Atem, sie versucht sich zu orientieren: „Ist das am Gandorfer Feld?“, überlegt sie. Dass es der eigene Holzbetrieb im Wanger Ortsteil Zieglberg sein könnte, versucht sie sich noch selbst auszureden. Doch mit jedem Meter, den sie ihrem Zuhause entgegenfährt, erlischt ein Teil dieser Hoffnung. Und daheim trifft sie die brutale Realität mit ganzer Härte.

Lichterloh schlagen Flammen aus einer der Lagerhallen. Christine Kohn setzt einen Notruf ab – doch die Feuerwehr ist bereits informiert und auf dem Weg. Ihr Mann Bernhard eilt derweil über das Gelände und schaltet die Photovoltaikanlagen ab.

360 Lösch- und Rettungskräfte bekämpfen das Inferno von Wang

Was danach geschieht, ist bekannt: Insgesamt 360 Lösch- und Rettungskräfte eilen herbei, bekämpfen in einem unglaublichen Kraftakt das Flammenmeer, das sich über weitere Hallen ausbreitet. Die Helfer schaffen es, die Wohnhäuser und die Verkaufshalle sowie weitere Gebäude zu retten. Sie gehen an ihre Grenzen, zum Teil darüber hinaus: Mehrere Einsatzkräfte werden verletzt, ein Moosburger Feuerwehrmann kommt beinahe ums Leben

Inferno: Am 4. August zerstörte ein Großbrand weite Teile des Betriebsgeländes. Das Feuer war durch einen Defekt an einer Photovoltaikanlage entstanden. Sechs Einsatzkräfte wurden verletzt, ein Helfer musste wiederbelebt werden.

Dass trotz des immensen Funkenflugs und der seit Wochen herrschenden Waldbrandgefahr keine weiteren Feuer in der Umgebung ausbrechen, grenzt an ein Wunder. Die Ursache des Infernos ermitteln später die Brandfahnder der Kripo: Ein technischer Defekt am Wechselrichter einer Photovoltaikanlage hat die Katastrophe ausgelöst.

Der Wiederaufbau steht bevor - die Hilfe war groß

Zieglberg an einem Nachmittag im Dezember: der selbe Ort, aber der Kontrast könnte größer nicht sein. Nieselregen fällt vom Himmel, die Finger frieren. Wo noch im Sommer drei mächtige Lagerhallen des Holzlands Kohn standen, walzen Kettenbagger über rußige Ziegelhaufen. Die Standorte der niedergebrannten Bauten lassen sich nur noch anhand einiger abgebrochener Grundmauern erahnen. Christine Kohn zieht den Reißverschluss der roten Firmen-Fleecejacke hoch, wärmt ihre Hände in den Taschen und sieht den Baggerfahrern bei der Arbeit zu. Die 58-Jährige hat feuchte Augen hinter ihrer Brille, der Schmerz über das Geschehene sitzt noch immer tief. Aber sie richtet ihren Blick wieder nach vorn statt zurück.

Bei einer Halle hat das Feuer nur den Dachstuhl erwischt, die Kohns stellten deshalb kürzlich einen neuen Bauantrag bei der Gemeinde Wang. Nach einigem Ringen mit der Versicherung konnte auch der Abriss der zerstörten Gebäude in die Wege geleitet werden. Das Geschäft läuft derweil weiter. Dafür wurde auch im Betrieb gemeinsam mit den Mitarbeitern in den vergangenen Monaten ein unfassbarer Kraftakt bewältigt. Und: „Viele Lieferanten haben es gut mit uns gemeint“, sagt Christine Kohn. Heilfroh ist sie auch über die Unterstützung aus der Umgebung. „Gleich am Montag nach dem Brand haben sich Leute aus der Gegend gemeldet und uns freie Lagerkapazitäten angeboten.“

Die Feuerwehr lehnt eine Spende ab - es waren zu viele Wehren beteiligt

Die Treue vieler Kunden tat ihr Übriges. Trotz des Millionenschadens lief der Holzmarkt weiter, demnächst will die Firma verstärkt auch Korkprodukte anbieten, berichtet die Inhaberin, schon wieder voller Tatendrang. Was mit der leeren Fläche nach dem Abriss geschieht und wie es mit der Lagerhaltung weiter geht? „Mal schauen“, sagt Kohn. Der Zweckoptimismus lässt sie schon wieder etwas lächeln.

Dass vom Geschäftserfolg vor Weihnachten etwas für gute Zwecke gespendet wird, ist bei den Kohns seit Jahren gute Tradition. Heuer wollte man eigentlich an die Feuerwehren spenden – aus Dankbarkeit für den selbstlosen Einsatz. „Dort hieß es aber: Es waren viel zu viele Wehren beteiligt“, erzählt Christine Kohn. Deshalb habe man ihrer Familie geraten, lieber wieder einen karitativen Zweck zu unterstützen. Und so rückte der Verein „Schritt für Schritt – Hilfe mit System“ in den Fokus.

Nun wird Flutopfern in Indien unter die Arme gegriffen

Die Organisation wurde 1995 vom Ehepaar Ida und Josef Gaßner aus Tiefenbach (Kreis Landshut) gegründet und bekämpft seitdem Armut und Not in Indien. Vielen Tausend Patenkindern und jungen Erwachsenen wurden von den Ehrenamtlichen bereits unter die Arme gegriffen, etwa mit dem Bau von eigenen Schulen, Kinderheimen, aber auch in Form von medizinischer Hilfe, Ausbildungs- und Brunnenbauprojekten.

Hilfe für Flutopfer: Christine und Bernhard Kohn (v. l.) haben ihre diesjährige Spende dem Verein „Schritt für Schritt – Hilfe mit System“ überreicht. Deren Vorsitzende, Ida und Josef Gaßner, kämpfen mit dem Geld gegen die Folge von Überschwemmungen in Indien.

Dass zeitgleich zum Großbrand in Wang am anderen Ende der Welt in Indien eine verheerende Flut viele Todesopfer forderte und unermessliches Leid sowie schwerste Schäden hinterließ, war für die Kohns der Anlass, ihren Scheck auf „Schritt für Schritt e.V.“ auszuschreiben. Und so durften Ida und Josef Gaßner jetzt bei einem Besuch im Zieglberger Holzland den stattlichen Betrag von 2000 Euro in Empfang nehmen. Christine Kohn sagte bei der Übergabe: „Wir möchten denen helfen, die es noch viel schwerer erwischt hat als uns.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Freisinger Einsatzkräfte: 20.000 Stunden lang Schnee im Katastrophengebiet geschaufelt
Über 1000 Einsatzkräfte von Feuerwehr, THW und BRK aus dem Landkreis Freising waren in Traunstein im Einsatz, um dort einsturzgefährdete Gebäude von Schnee zu befreien. …
Freisinger Einsatzkräfte: 20.000 Stunden lang Schnee im Katastrophengebiet geschaufelt
Endlich realisierbar: Die Echinger Magdalenankirche bekommt jetzt einen Turm
Gut 20 Jahre nach ihrer Erbauung bekommt die evangelische Magdalenenkirche nun einen Kirchturm. Dieser war von Anfang an bei dem 1999 eingeweihten Sakralbauwerk …
Endlich realisierbar: Die Echinger Magdalenankirche bekommt jetzt einen Turm
Allershausen geht voran: Dort soll es bald ein billiges und nachhaltiges Wärmenetz geben 
Allershausen geht voran, legt „den Grundstein für eine neue Denkweise“: Im Baugebiet Eggenberger Feld Süd wird es ein „Wärmenetz 4.0“ geben. Das ermöglicht Heizen und …
Allershausen geht voran: Dort soll es bald ein billiges und nachhaltiges Wärmenetz geben 
Höchstes Lob für die Macher von der Neunten
Für Germain war dieser Tag ein Wendepunkt in seinem Leben. „Ich mache bald meinen Abschluss, hatte aber lange keinen Plan, was ich danach werden will“, berichtet der …
Höchstes Lob für die Macher von der Neunten

Kommentare