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Abriss vorerst gestoppt: Wanger Bürger kämpfen um den Erhalt des alten Uppenborn-Kraftwerks

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Die Tage des alten Uppenborn-Wasserkraftwerks scheinen gezählt: Am Montag soll der Abriss erfolgen.
Die Tage des alten Uppenborn-Wasserkraftwerks scheinen gezählt: Am Montag soll der Abriss erfolgen. © Bauer

Die Bagger waren am Donnerstag schon vor Ort, doch der Abriss des alten Uppenborn-Wasserkraftwerks konnte vorerst verhindert werden. Doch der nächste Termin steht schon fest: Montag, 28. November.

Volkmannsdorferau – Etwas versteckt hinter dem Wanger Ortsteil Volkmannsdorferau liegt ein Industriedenkmal, das Geschichte geschrieben hat. Von 1907 bis etwa 1930 war das Uppenborn-Wasserkraftwerk die erste größere Anlage, die Strom für München erzeugte. Am Montag soll der Abriss beginnen. Die Bemühungen von Nachbarn und Bürgermeister Markus Stöber, das Gebäude der Stadtwerke München zu retten, ist nun ein Wettlauf mit der Zeit.

Von 1903 bis 1907 wurde das Wasserkraftwerk gebaut, dass nach seiner Eröffnung am 6. Juli 1907 stolze 34 Gigawattstunden Strom produzierte. Der Betrieb begann dreieinhalb Monate nach dem Tod von Friedrich Uppenborn, der die Idee zu der nachhaltigen Stromerzeugung zwischen Moosburg und Landshut hatte. Er war der Technik schon knapp 120 Jahre voraus. Mit dem Ausbau des Mittlere-Isar-Kanals wurden die Kraftwerke Uppenborn 1 und Uppenborn 2 ans Netz genommen, sodass das alte Gebäude in den Ruhestand ging. Das Altkraftwerk diente den Stadtwerken München als Bauhof und Zimmerei.

Sie kämpfen um den Erhalt des alten Kraftwerks: (v. l.) Johann Zehentner, Markus Stöber und Franz Zehentner.
Sie kämpfen um den Erhalt des alten Kraftwerks: (v. l.) Johann Zehentner, Markus Stöber und Franz Zehentner. © Bauer

Stadtwerke reagierten nicht auf das Angebot

Es gab in den vergangenen Monaten einen ernsthaften Interessenten für das alte Uppenborn-Kraftwerk. Die Brüder Johann und Franz Zehentner sind Nachbarn des Altkraftwerkes und haben im Nebenerwerb eine Biolandwirtschaft. Ihr Wohnhaus ist das alte Arbeiterwohnhaus des Kraftwerks. Dieses zwischen 1903 und 1907 errichtete Haus haben sie generalsaniert und ein wahres Schmuckkästchen geschaffen. Nun wollten die Brüder auch das in Sichtweite liegende Altkraftwerk kaufen, um das einstige Ensemble zusammen zu erhalten. „Wir betreiben die Landwirtschaft sehr idealistisch, und so denken wir auch bei dem Kraftwerk“, sagt Johann Zehentner. Man hat den Stadtwerken München schriftlich ein Angebot unterbreitet, „ernsthaft und lukrativ“, wie die Brüder sagen. „Für das Geld bekommt man schon ein nettes Häuschen“, sagt Johann Zehentner, ohne Zahlen zu nennen. Von den Stadtwerken München gab es keine Antwort – noch nicht einmal eine Wasserstandsmeldung.

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Bürgermeister denkt über Museum nach

Dabei konnten sich die Brüder auch vorstellen, eine Idee von Bürgermeister Markus Stöber umzusetzen. Der dachte laut, dass man mit einem kleinen Museum an die erste Stromerzeugung für München erinnern und die Wasserkraft in historischen Räumen erklären könne. Die Antwort der Stadtwerke München war am Donnerstag das Anrollen des Baggers, der die Gebäude für eine Renaturierung abreißen soll. Mit dem Baggerfahrer machten die Brüder Zehentner und Bürgermeister Stöber aus, dass der erst am Montag startet. Bislang sind nur ein paar Scheiben zu Bruch gegangen. Noch hat das Uppenborn-Kraftwerk eine letzte Gnadenfrist also. Die Wanger telefonierten auch mit Christoph Rapp von den Stadtwerken, und auch Landrat Helmut Petz wurde eingeschaltet.

Das Kauf-Angebot steht noch immer

Für den Abriss wurde im Bauamt der VG Mauern kein Antrag gestellt. Allerdings steht das alte Kraftwerk – aus welchen Gründen auch immer – nicht offiziell unter Denkmalschutz. Noch haben die Wanger die Hoffnung nicht aufgegeben. Das Kauf-Angebot in beträchtlicher Höhe steht auch noch.

Nico Bauer

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