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Die Welt beschützen, nicht zerstören

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Freising – Fünf Tage, bevor Ministerpräsident Horst Seehofer kommt, um sich vor Ort über die Auswirkungen der geplanten dritten Startbahn ein Bild zu machen, haben an die 600 Menschen am Sonntagabend auf dem Domberg zu Freising ein „Gebet für unsere Erde“ gesprochen.

Beim Lichterzeichen-Schweigemarsch „2 Bahnen reichen“ hat der Domrektor und Leiter des Kardinal-Döpfner-Hauses, Monsignore Rainer Boeck, den Besuch Seehofers zum Anlass genommen, eindringlich für die Bewahrung der Schöpfung zu werben.

Die Enzyklika „Laudato Si“ von Papst Franziskus und dessen Appell für mehr Aufmerksamkeit gegenüber der Schöpfung und den Ärmsten zitierte Boeck und machte klar, was er am Donnerstagnachmittag dem Ministerpräsidenten sagen würde: Zum einen würde er ihm danken, dass er sich Zeit für Gespräche über die Startbahn nehme und – so der Eindruck aller Gesprächsteilnehmer – auch wirklich hinhöre.

Damit verwirkliche Seehofer ein Wort des Papstes, der gesagt habe, die Kirche müsse eine Kirche des Hinhörens sein. Auch Politik müsse eine Politik des Hinhörens sein, so Boeck, „sonst ist es keine Politik“. Und auch wir selbst müssten hinhören – in diesem Fall auf die Kleinen und Betroffenen, die einer Startbahn weichen müssten. Denen müssten wir „eine Stimme gegen“.

Und deshalb würde Boeck zum anderen Seehofer auch „Laudato si“ in die Hände geben („eine ganz wunderbare Schrift“) und dem Ministerpräsident sagen, dass eine dritte Startbahn zunächst vielleicht schon wirtschaftliche Vorteile bringe. Aber nur für die, die eh schon auf der Gewinnerseite stehen. Alle anderen fielen nämlich bei einer „unendlichen wirtschaftlichen Entwicklung“ hinunter. Wir müssten der Schöpfung nicht als Konsumenten oder als Herrscher gegenübertreten, sondern mit der Achtsamkeit und Aufmerksamkeit, wie sie Papst Franziskus fordere. Auch in seinem „Gebet für unsere Erde“, in dem es heißt: „Heile unser Leben, damit wir Beschützer der Welt sind und nicht Räuber, damit wir Schönheit säen und nicht Verseuchung und Zerstörung.“

Fast 600 Gläubige ließen vom Mons doctus aus dieses Gebet in den Abendhimmel steigen, der Asamchor sang, die Kerzen flackerten. Am Donnerstag in Attaching wird es sicherlich nicht so besinnlich zugehen.

Andreas Beschorner

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