In der Fremde: Gisela Overbeck (im Bild) hat sich künstlerisch mit dem Thema Flucht auseinandergesetzt. Ihre Holzschnitte illustrieren Texte von Flüchtlingen, die Christa Schwarztrauber kunstvoll gesetzt hat. Foto: Gleixner

Wenn selbst die Tage dunkel sind

Freising - Die Texte sind kurz, die Wirkung ist dafür lang. „Flucht und Fremde“ heißt die neue Ausstellung in der Stadtbibliothek. Flüchtlinge berichten über Ängste und Sehnsüchte.

„Wir können nicht unsere Tage zählen, weil alle Tage wie Nächte dunkel sind.“ Dieses Zitat stammt von einem Jugendlichen aus Afghanistan. Diese Worte hauen rein, man hat sofort ein Bild vor Augen, obwohl man nur Text betrachtet. Schriftsetzermeisterin Christa Schwarztrauber hat ihn kunstvoll gesetzt. Eindringlich illustriert werden die Aussagen durch Holzschnitte von Gisela Overbeck. Die künstlerische Konzeption vermittelt viele Emotionen.

Beide Künstlerinnen haben die Ausstellung vor 20 Jahren konzipiert. Doch sie ist aktueller denn je. Die Freisinger Amnesty-International-Gruppe und der Arbeitskreis Asyl Freising haben sie in die Stadtbibliothek geholt. Sie wollen mit der Ausstellung auf die Situation der im Landkreis lebenden Asylsuchenden aufmerksam machen sowie auf das Flüchtlingsproblem weltweit.

Fast 300 Flüchtlinge leben derzeit im Landkreis. Viele Einheimische hätten Angst vor dem Unbekannten, vor den Leuten, die in ihrem Ort oder ihrer Stadt Asyl suchen. „Aber die Menschen, die kommen, haben noch viel mehr Angst“, sagte Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher, der bei der Eröffnung am Donnerstag ein Grußwort sprach.

Wie sich die Betroffenen fühlen, die aus ihrer Heimat fliehen müssen, das zeigt eindrucksvoll ein Holzschnitt von Overbeck. Eine Person schaut zurück, qualvoll. „Die Leute gehen nicht aus Abenteuerlust in ein anderes Land“, betont die Grafikerin. Der türkische Dichter Cengiz Dogu, der selbst flüchten musste, hat das in einem Gedicht zum Ausdruck gebracht. Menschen flüchten, „wenn die Menschenjäger mit ihrer Treibjagd beginnen (. . .), wenn die Stimme der Folter den Platz des Lachens einnimmt (. . .)“.

Die Ausstellung behandelt alle Schattierungen des Fremdseins. Die bekannten und auch weniger bekannten Autoren mussten aus ganz unterschiedlichen Gründen flüchten.

Damit sich die Flüchtlinge im Landkreis nicht fremd fühlen, dafür sorgen viele Ehrenamtliche. Für ihre wertvolle Arbeit dankte ihnen Landrat Michael Schwaiger. Er ist Schirmherr der Ausstellung. Wenn diese dazu beitrage, dass das Schicksal der Flüchtlinge, die in den Landkreis kommen, weitere Bürger berührt und sie den Neuankömmlingen offen und unterstützend begegnen, „ist wieder ein Stück mehr Mitmenschlichkeit geschaffen“. (mei)

Gut zu wissen

Die Ausstellung „Flucht und Fremde“ ist bis Samstag, 30. November, zu den Öffnungszeiten der Freisinger Stadtbibliothek zu sehen. Die 18 Werke befinden sich im Erdgeschoß.

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