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Der Koordinator: Thomas Hofmann (links), Vizepräsident für Forschung und Innovation an der TU München, stellte mit TU-Präsident Wolfgang Herrmann das Projekt vor. 

Forschungsprojekt in Weihenstephan

Wie in Freising die Ernährungsrevolution starten soll

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München/Freising - Weihenstephan soll zur Ideenschmiede für den Ernährungssektor werden. Die TU München hat den Zuschlag für ein großes europäisches Förderprojekt bekommen. Die Forscher wollen zum Treiber einer globalen Ernährungsrevolution werden.

Noch sind es Visionen: Der Kunde schnappt sich im Supermarkt sein Handy, fotografiert die Melone vor sich und weiß sofort, wo sie herkommt, wann sie geerntet wurde und welche Nährstoffe darin enthalten sind. Aber wenn es nach Thomas Hofmann, dem Vizepräsidenten für Forschung und Innovation an der TU München geht, soll die Vision bald Wirklichkeit werden.

Es sind solche Projekte, die künftig am Wissenschaftszentrum Weihenstephan im Landkreis Freising gefördert werden sollen. Denn die TU München hat den Zuschlag für ein europaweites Forschungsprojekt erhalten. Es nennt sich „EIT Food“ und soll in Kooperation mit einem internationalen Konsortium von Forschungsinstituten und großen Industriekonzernen durchgeführt werden. Die Leitung übernimmt die TU München. Eine der fünf Koordinationsstellen in Europa – die Wissenschaftler nennen das „Co-Location-Center“ oder „Food-Innovation-Hub“ – wird in Weihenstephan angesiedelt. „Es ist das erste dieser Art in Bayern“, sagt Hofmann.

Dafür sollen in einem ersten Schritt fünf neue Stellen in Weihenstephan geschaffen werden. Die Büroräume dafür werden im Getränkewissenschaftlichen Zentrum angesiedelt. Vier Millionen Euro an Fördermitteln stehen zum Start zur Verfügung. Damit wird zum einen das Personal finanziert, aber auch erste Projekte sollen damit schon unterstützt werden.

Insgesamt liegen für das europaweite EIT-Projekt bis zu 400 Millionen Euro im Förder-Topf. Welche neuen Technologien, Ideen oder Projekte gefördert werden, liegt auch an den Mitgliedern des Konsortiums. So kann etwa ein teilnehmendes Unternehmen einen Vorschlag einreichen. Wenn dieser angenommen wird, erhält die Firma für jeden Euro, den sie in die Entwicklung dieser neuen Technologie steckt, 25 Cent aus dem Fördertopf des EIT. Im Gegenzug kümmert sich die neue Koordinationsstelle in Weihenstephan darum, dass die neue Technologie bekannt gemacht wird. „Wir werden Summerschools, Workshops oder Foren für StartUp-Unternehmer anbieten. Unsere Aufgabe ist es, die Erkenntnisse in die Gesellschaft zu tragen“, sagt Hofmann. So seien etwa ein Stand am Flughafen München geplant, an dem über den Fortlauf der Ideen informiert wird – oder eine Wanderausstellung im Deutschen Museum über die neuesten Technologien im Ernährungssektor. Für Ende März ist ein erstes Treffen der Konsortiums-Mitglieder und von vielen StartUp-Unternehmern geplant. Dann soll entschieden werden, welche konkreten Projekte als erstes in Angriff genommen werden.

Das Konsortium hat das Ziel ausgegeben, zum Treiber und Zentrum einer globalen Ernährungsrevolution zu werden. Effizientere Lebensmittelproduktion ohne Gentechnik, vertikale Landwirtschaft oder die Digitalisierung im Agrarbereich sind Themenfelder, die beim „EIT Food“ beackert werden sollen. „Wir wollen den Ernährungssektor gesünder, effizienter und nachhaltiger machen“, sagt Hofmann. Und zwar vom Feld über die Verarbeitung bis zum Vertrieb. Bislang gebe es gerade in Deutschland im Agrar-Bereich noch viel zu wenige innovative Ideen. Das soll sich nun ändern. Auch mit Hilfe der örtlichen Studenten. Sie sollen im Rahmen des Projekts zur Entwicklung von neuen Ideen angetrieben werden.

Bei der Vorstellung des Projekts kündigte TU-Präsident Wolfgang Herrmann außerdem an, dass auch die Deutsche Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie (DFA) in Weihenstephan erneuert werden soll. Die Anstalt war in finanzielle Schieflage geraten, weil sie in einigen Fällen nicht nachweisen konnte, dass Förder-Auflagen eingehalten wurden. Herrmann äußerte nun den Wunsch, das Leibniz-Institut in die TU zu integrieren. Künftig solle die DFA ein größeres Budget erhalten. Außerdem sei ein Neubau neben der Anstalt geplant, der schon in den nächsten zwei Jahren realisiert werden soll. „Wir wollen das schnell auf den Weg bringen“, sagte Herrmann.

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