Wo die Windkraftgegner wettern

Fahrenzhausen - Die einen wollen die regionale Energiewende fördern. Die anderen sprechen von Profitgier und Gigantomanie. Der Streit um drei Windräder in Fahrenzhausen und Petershausen ist voll entbrannt. Auch bei einer Infoveranstaltung konnte man sich nicht einigen.

Die Aula der Grundschule war rappelvoll, die Stimmung gespannt bis aufgeheizt. Vitus und Hubert Hinterseher, die Initiatoren und Antragsteller für drei Windkraftanlagen im Weißlinger Holz zwischen Weißling, Kollbach und Lauterbach, stellten ihren „Bürgerwindpark“ vor, Mitglieder der BI Gegenwind schimpften, äußerten Befürchtungen und wiesen auf Gefahren hin. Mittendrin und „neutral“ nicht nur die beiden Bürgermeister Heinrich Stadlbauer und Marcel Fath, sondern auch die Vertreter der Landratsämter Freising und Dachau.

Worum es geht, legte Vitus Hinterseher nochmals dar: Drei Enercon-Windkraftanlagen mit einer Nabenhöhe von 149 und eine Gesamthöhe von 207 Meter sollen innerhalb der ausgewiesenen beziehungsweise angedachten Konzentrationsflächen jeweils drei Megawatt Strom erzeugen. Der Antrag sei gestellt, nach ersten Gutachten sei man zuversichtlich, Auswirkungen wie Schattenwurf, Lärm, Infraschall, Naturschutz und Werteverlust für Immobilien im Griff zu haben. Ziel sei es, dass Bürger als Betreiber auftreten. Man wolle das Feld nicht „Fremdinvestoren“ überlassen.

Die BI Gegenwind sieht das anders: Vorsitzende Elfriede Eisenhofer warf Hinterseher „Profitgier“ vor, man habe „hinter unserem Rücken geplant“, das Projekt mache Bürger krank und zerstöre die Landschaft, der Abend sei eine „unseriöse Verkaufsveranstaltung“. Und in diesem Stil ging’s weiter: Die Abstände der Windräder zur Wohnbebauung seien „sehr kurz“, sagte ein BI-Vertreter, man werde es nicht zulassen, dass „unsere Gesundheit und Heimat einer verfehlten Energiepolitik in Deutschland geopfert“ werde. Noch drastischer wurde ein Zuhörer: Die Hintersehers würden doch nur gutgläubigen Bürgern das Geld aus der Tasche ziehen, das dann auf den Bermudas oder sonstwo bunkern und ansonsten nur Subventionen abschöpfen. Andrea Holicek sagte, weil die durchschnittliche Windgeschwindigkeit nicht 8,5 Meter pro Sekunde betrage, sondern laut Windatlas nur 5,6 Meter, erzeuge ein Windrad nur 0,5 Megawatt Strom. Fazit: Der Standort sei nicht geeignet, die Anlage nicht wirtschaftlich.

Erhebliche Zweifel äußerte ein BI-Vertreter zu den Lärm-immissionen: Der zulässige Grenzwert in der Nacht von 40 dB(A) werde laut Gutachter mit Werten zwischen 34 dB(A) in Kammerberg, 35 dB(A) in Lauterbach sowie 38 dB(A) in Weißling und Kollbach nur deshalb eingehalten, weil behauptet worden sei, es gebe keine Vorbelastung. Das große Aber: Rechne man keine Vorbelastung mit ein, läge der Grenzwert allerdings bei 34 db(A) - und werde damit mehrfach überschritten. Vitus Hinterseher anwortete, gewerbliche Vorbelastung gebe es nicht. Ob es eine Vorbelastung durch Luftwärmepumpen gebe, werde geprüft.

Neben der Wirtschaftlichkeit des Projekts, das von den Windradgegnern mehrfach und immer wieder in Frage gestellt wurde, ging es auch darum, wie die Initiatoren mit der Öffentlichkeit umgingen: Im Februar seien die (im Übrigen unvollständigen) Antragsunterlagen beim Landratsamt eingegangen - im „Hauruck-Verfahren“ und hinter dem Rücken der Öffentlichkeit, so die BI-Vertreter. Dass das nun folgende Verfahren zwar eine Beteiligung der Fachbehörden und Kommunen vorsehe, aber keine Öffentlichkeitsbeteiligung, sei rechtlich so vorgesehen, hatten zuvor Martina Ebner, die Leiterin der Abteilung Bauen und Umwelt im Freisinger Landratsamt, und ihre beiden Dachauer Kollegen Nicole Paulin und Alexander Krug bestätigt. BI-Rechtsanwalt Johannes Mohr appellierte daraufhin an die Hintersehers, die Öffentlichkeitsbeteiligung freiwillig durchführen zu lassen, wenn ihnen doch angeblich so an Transparenz und am „Frieden“ in den Ortschaften gelegen sei. Hinterseher versprach, diese Möglichkeit zu überprüfen. (zz)

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