Ein Windrad und viel Eiszeit: Die Bürgermeister im Landkreis lassen alle Projekte derzeit ruhen – egal ob Konzentrationszonen bereits fertig geplant sind oder nicht. Grafik: forster

Bei den Windrädern ist die Luft raus

Landkreis - Das Kabinett in München hat höhere Abstandsflächen zwischen Windkraftanlagen und Wohnhäusern beschlossen. Sollte es so kommen, dürften die meisten Bürgermeister im Landkreis Freising ihre Pläne wohl beerdigen.

Die Epoche der Windräder hat noch gar nicht begonnen, da herrscht im Landkreis Freising schon wieder Eiszeit. Heraufbeschworen hat sie Ministerpräsident Horst Seehofer. Er hat sein Kabinett auf neue Abstandsflächen für Windkraftanlagen geeicht. Nach dem Willen der Regierung sollen die Räder künftig mindestens das Zehnfache ihrer Höhe (10 H) von der Wohnbebauung entfernt liegen. Bei einer Windradgröße von 200 Metern wären das zwei Kilometer - der Abstand zwischen Wohl und Wehe von Windkraft.

„Damit kann man kein Windrad aufstellen“, stellt Hohenkammers Bürgermeister Johann Stegmair klar. Mancher Anwohner werde wohl froh darüber sein. „Aber ob das für die Energiewende förderlich ist, bezweifle ich.“. Hohenkammer hat zwei Konzentrationsflächen für Windräder ausgewiesen - ohne Einwände. Zum Außenbereich und zu Gewerbeflächen betragen die Abstände 800 Meter, zu Orten 900 Meter. Wegen der neuen Planungsunsicherheit geht Stegmair davon aus, dass erstmal kein Antrag auf ein Windrad gestellt wird.

Selbst wenn ein Investor Interesse anmelden sollte, würde er dem Bauwerber empfehlen abzuwarten, sagt Rudi Jengkofer. Die düstere Prognose des Bürgermeisters von Fahrenzhausen, das drei Konzentrationsflächen besitzt: „Wenn die neue Regelung greift, dann ist die Windenergie in Bayern gestorben“.

Neben Hohenkammer und Fahrenzhausen gibt es im Landkreis nur zwei Gemeinden, deren Konzentrationsflächen bereits in trockenen Tüchern ist: Au und Rudelzhausen. „Unser Teilflächennutzungsplan ist rechtskräftig“, freut sich Rudelzhausens Bürgermeister Konrad Schickaneder. Die Gemeinde hat damit drei gültige Konzentrationszonen und zwei mögliche Investoren. Wie Schickaneder berichtet, fanden vor Weihnachten Sondierungsgespräche statt. Seit der 10H-Debatte warte man nun „ein bisserl“, wie Schickaneder sagt: „Wenn ein Investor sich für eine unserer Konzentrationszonen bewirbt, hat er gute Aussichten.“

Da ist sich Josef Kapfelsberger vom Landratsamt allerdings gar nicht so sicher. Der Sachbearbeiter sieht zwar für Gemeinden mit bewilligten Konzentrationszonen einen leichten baurechtlichen Vorteil, es könne aber nicht ausgeschlossen werden, „dass letztendlich gar nichts mehr geht.“

Genau danach schaut es in Nandlstadt, Mauern, Hörgertshausen und Gammelsdorf aus. Dort sind die Planungen der Konzentrationszonen noch nicht abgeschlossen. Die Luft ist offenbar raus. „Wenn die neuen Abstandsflächen kommen, können wir unsere Pläne - auf deutsch gesagt - vergessen“, spricht Georg Schmidt von der VG Mauern Klartext. Er ist für Mauern, Hörgertshausen und Gammelsdorf zuständig. „In unseren drei Gemeinden sind die Pläne dann gestorben.“

Zumindest für bereits laufende Anlagen soll es laut Kabinettsbeschluss einen Bestandsschutz geben: Mit einem Abstand von nicht einmal 800 Metern zur Bebauung und einer Höhe von rund 180 Metern läuft das Windrad bei Johaneck, das bisher einzige im Landkreis, seit Januar im Normalbetrieb und erzeugt ungefähr so viel Energie, wie sie die Gemeinde Paunzhausen verbraucht. Zu spät kommt der CSU-Vorstoß für die BI „Windrad 180“, die gegen die Anlage gekämpft hat. Auch wenn man in ihrem Fall nichts mehr machen könne, begrüßt BI-Sprecherin Anna Elisabeth Häusler die Pläne: „2000 Meter müssten es schon sein.“ da/mei/mes

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