Harte Töne schlugen die Windrad-Gegner mit ihren Transparenten nur vor dem Saal des Gasthauses Fischer an. foto: zz

"Wir spielen Evolution rückwärts"

Großeisenbach - Zu lautstarken Auseinandersetzungen kam es nicht im Gasthaus Fischer zu Großeisenbach. Die Gegner des geplanten Windrads bei Kammerberg waren bei einer Infoveranstaltung in der Unterzahl.

Rund ein Dutzend Windradgegner hatte vor dem Eingang zum Saal Aufstellung mit Plakaten genommen, die nichts Gutes verhießen: „Windräder sind Vogelmörder“ stand darauf zu lesen, Investoren und Betreiber von Bürger-Windrädern seien „Rattenfänger, Heimatschänder, Bauernblender“. Doch zum Eklat kam es an dem Abend nicht.

Gerade „Rattenfänger“ wollte man an diesem Abend ganz bestimmt und explizit eben nicht sein, betonte Martin Hillebrand, der Vorstand der Bürger-Energie-Genossenschaft (BEG), die das 200 Meter hohe Windrad noch in diesem Jahr bauen und betreiben wird. Denn in einem bis auf den letzten Platz gefüllten Saal wurde an jenem Mittwochabend den an einer Beteiligung interessierten Bürgern kein Vordruck in die Hand gedrückt, den sie sofort unterzeichnen sollten. Nein. Die BEG wollte an diesem Abend lediglich Infos zum Windrad und zur Beteiligung liefern. Die Bürger sollten sich das dann in Ruhe überlegen und sich das Anmeldeformular für eine Zeichnung von Anteilen per Internet (www.beg-fs.de) herunterladen, so Hillebrand.

Den Anfang machte an diesem Abend ein Vortrag des Fernsehjournalisten Franz Alt (bekannt vor allem durch die Sendung „Report“). Titel: „Auf der Sonnenseite - Warum uns die Energiewende zu Gewinnern macht“. Während die Gegner des Windrads etwas von „Kaffeefahrt“ grummelten, stellte Alt klar: „Wir sind die erste Generation, die Gott ins Handwerk pfuscht. Wir spielen Evolution rückwärts“, so Alt zur Ausrottung von Tier- und Pflanzenarten und zum Klimawandel. Alt machte deutlich, dass Windräder keine Gesundheitsgefährdung darstellten. Er verglich diese Ängste mit den Gefahren, die man vor 200 Jahren wegen der unglaublichen Geschwindigkeit auch der Lokomotive zwischen Nürnberg und Fürth zugeschrieben hatte.

Die BEG-Vertreter erläuterten dann, wie sich das 5,35 Millionen Euro teure Projekt rechne und wie man mit einem prognostizierten Jahresstromertrag von 6,2 Millionen Kilowattstunden eine Verzinsung der Anteile von drei, wenn es gut laufe von vier Prozent erreichen werde. Ein Darlehensanteil koste 1000 Euro, Anteile kaufen könnten nur Mitglieder der BEG. Zeichnungsvorrang (bis zum 15. Februar) haben - bis zu einer Gesamthöhe von 1,5 Millionen Euro - die Bürger der fünf Gemeinden Fahrenzhausen, Petershausen, Vierkirchen, Hohenkammer und Kranzberg. Ihnen wird auch der günstige Bürger-Strom-Plus angeboten. Den zweiten Zeichnungsvorrang (bis zu einer maximalen Höhe von insgesamt 0,5 Millionen Euro) haben dann die Bürger außerhalb dieser fünf Gemeinden. Sollte dann die Gesamtsumme von zwei Millionen Euro an Darlehensanteilen noch nicht vergeben sein, kämen die anderen BEG-Mitglieder und Bürger der fünf Gemeinden zum Zug.

In der anschließenden Fragerunde meldeten sich die Windradgegner erst spät zu Wort, fragten besonders nach den wirtschaftlichen Risiken und nach den Erfolgsaussichten des Windrads. Doch zu Auseinandersetzungen kam es nicht, Fragen und Antworten blieben emotional im Rahmen. Am Ende bedankten sich die Verantwortlichen der BEG dafür, dass die Windradgegner gekommen seien und man sachlich habe diskutieren können. (zz)

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