"Wir werden nach Lösungen suchen"

Hallbergmoos - Die Besucherzahlen waren überschaubar, die Diskussionen intensiv: Nur 15 Gäste waren zur Informationsveranstaltung „Asyl“ von Landratsamt und Gemeinde in den Gemeindesaal gekommen. Im Mittelpunkt: der angekündigte Zuzug von bis zu 100 Asylbewerbern im Haus Am Söldnermoos 37.

Gut die Hälfte der Anwesenden waren Nachbarn der Liegenschaft. Angesichts ihrer Erfahrungen mit den zuvor untergebrachten, minderjährigen Flüchtlingen formulierten sie ihre Sorgen und Befürchtungen. „Sie merken ja, es sind Unsicherheit und Ängste da“, fasste ein Nachbar der Unterkunft, wo übernächste Woche Flüchtlinge einziehen werden, die Stimmungslage im Viertel zusammen. Dieses liegt abseits des Ortskerns im Gewerbegebiet und wird, wie es hieß, demnächst mehr Flüchtlinge als angestammte Bewohner beherbergen.

In teils recht emotionalen Worten schilderten die Anwohner ihre Erfahrungen mit den Jugendlichen, die von Oktober 2014 bis Oktober 2015 das ehemalige Hotelgebäude bewohnten: Lärm bei Tag und Nacht, Müll im Garten, öffentliches Urinieren, Pöbeleien - mit solchen Problemen hatten die Anwohner, wie sie sagten, zu kämpfen. Nun sei man beunruhigt und besorgt - um das Wohl der Töchter im Teenager-Alter, um die eigene Sicherheit.

Irmgard Eichelmann, Asylbeauftragte des Landratsamts, konnte zwar die Befürchtung, dass 80 Prozent alleinstehende Männer - so der Bundesdurchschnitt - kommen, nicht völlig nehmen. Bisher geht die Verteilung in den drei dezentralen Unterkünften der Kommune aber in Richtung Familien: Aktuell zählt man 14 alleinstehende Männer, fünf Familien mit 13 Kindern sowie neun Mütter mit zehn Kindern. Seit gut zwei Jahren leben sie hier, von vielen sogar unbemerkt, wie Wilkowski deutlich machte. Von großer Solidarität und Hilfsbereitschaft der Bevölkerung wusste der Bürgermeister zu berichten.

Wie sich nun die Neuankömmlinge zusammensetzen werden, kann im Moment keiner sagen: „Die Regierung von Oberbayern weist uns die Menschen zu,“ so Eichelmann. Sie unterstrich aber, dass man von Seiten des Landratsamt auf eine „gemischt-geschlechtliche Belegung“ dränge. In dem „großzügigen Haus“ gebe es mit 2- und 3-Bett-Zimmern, Nasszellen, Koch- und Freizeiträume. Die Brandschutzauflagen sind, wie Reents bestätigte, nach Ein- und Umbauten erfüllt.

Auf Bitten der Nachbarn will sich die Koordinatorin nun dafür verwenden, dass die Asylbewerber nicht alle auf einen Schlag einziehen. „Ich weiß, dass sie gewisse Erfahrungen gesammelt haben. Aber die Situation ist nicht vergleichbar“, unterstrich der Rathauschef. Diese Menschen werden sich ganz anders verhalten, weil sie längerfristig hier untergebracht sind und leben wollen“, so Gemeinderat Robert Wäger (Grüne). Abgesehen davon sind Landkreis und Kommune gut vorbereitet. Ebenso der Helferkreis, für den die Leiterin der Nachbarschaftshilfe, Martina Wilkowski sprach. Sie machte deutlich, dass „Begegnung“ der Schlüssel zum friedlichen Miteinander sei.

Wo man ansetzen muss, machten die Anwohner gleich deutlich: Sie baten darum, dass (Benimm-)Regeln den Neuankömmlingen klar und deutlich vermittelt werden. Und: „Es würde uns beruhigen, wenn wenigstens anfangs nachts jemand da wäre“, hieß es. Das ist, so Eichelmann, bei erwachsenen Asylbewerbern, nicht vorgesehen. „Melden sie uns sofort, wenn es Probleme gibt“, so ihr Appell an die Anwohner. Und auch die Kommune ist, wie der Bürgermeister unterstrich, immer Ansprechpartner. „Wir werden nach Lösungen suchen."

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