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Die ehemaligen Musikwölfe Lena Betzenbichler und Katharina Nißl erinnern sich zusammen mit Martina Oberhauser (v.l.) noch heute gerne an die Zeit mit den Profimusikern des Münchner Rundfunkorchesters zurück.

Zwei ehemalige Musikwölfe erinnern sich an die Zeit mit dem Münchner Rundfunkorechester

In klangvoller Blüte

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Martina Oberhauser setzte 2006 einen kleinen Samen in die Erde. Es war ein Versuch, ein vorsichtiges Vortasten: Sie wollte bei Kindern die Begeisterung für klassische Musik wecken. Mittlerweile ist dieser Samen zu einer prächtigen Pflanze herangewachsen, die seit Jahren in voller Blüte steht.

WolfersdorfMartina Oberhauser ist Lehrerin an der Grundschule Wolfersdorf. 2006 besucht sie mit ihren Schülern ein Konzert des Münchner Rundfunkorchesters (MRO). Dieser Ausflug ist so etwas wie die Geburtsstunde der Patenschaft mit dem MRO. Und das kam so: Nach dem Konzert kommt sie mit einer Geigerin ins Gespräch. Die beiden überlegen, wie man Kinder sanft an die klassische Musik heranführen könnte – die Idee einer Zusammenarbeit ist geboren.

Seither fühlen die Kinder in Wolfersdorf sich im Wunderland der klassischen Musik zuhause. Regelmäßig bekommen sie Besuch von Musikern des MRO. Jahr für Jahr wird mit einer eigens gegründeten Arbeitsgruppe, den Musikwölfen, ein gemeinsames Konzert in der Wolfersdorfer Kirche aufwändig vorbereitet. Die Profimusiker kommen vor den Konzerten nach Wolfersdorf. Zudem fahren die Mädchen und Buben jedes Jahr mit einem Bus voller Instrumente nach München zur Generalprobe, damit das Zusammenspiel mit den Musikern auch gut klappt. Und die Kleinen besuchen jedes Jahr ein Konzert in München.

Welche Früchte diese besondere Kooperation trägt, wie nachhaltig die Patenschaft wirkt, wird im Gespräch mit den ehemaligen Musikwölfen Lena Betzenbichler (17) aus Unterhaindlfing und Katharina Nißl (18) aus Oberhaindlfing sowie Martina Oberhauser klar. „Wir durften damals die Instrumente ausprobieren“, erzählt Lena. „Ich war sofort von der Geige begeistert.“ Und so kam es, dass die kleine Lena an jenem Tag von der Schule nach Hause kam, und im Brustton der Überzeugung verkündete, Geige lernen zu wollen. Die Eltern ließen sich von der Begeisterung ihrer Kleinen anstecken. Ist sie geblieben? „Ich spiele heute noch, habe immer noch einmal wöchentlich Unterricht“, sagt Lena und fügt an: „Ich glaube nicht, dass ich ohne die Musikwölfe und das MRO zur Geige gekommen wäre.“

Katharinas Geschichte klingt ähnlich: Am meisten Spaß habe es ihr als Kind gemacht, die verschiedenen Instrumente auszuprobieren. Bei ihr war es die Altflöte, die ihr Kinderherz höher schlagen ließ. Und die spielt die 18-Jährige heute noch.

Fragt man die beiden Mädchen nach den Erinnerungen, die sie an die Zeit mit dem Münchner Rundfunkorchester noch haben, müssen sie nicht lange überlegen. Die Anekdoten sprudeln förmlich aus ihnen heraus. Katharina weiß noch ganz genau, wie sie damals, vor mehr als zehn Jahren, beim Konzert die Bassstäbe spielen durfte, wie sie bei der Generalprobe ihren Einsatz verpasst habe. „Da ist mir das Herz stehen geblieben.“ Beim Konzert dann habe aber „Gott sei Dank!“ alles wunderbar geklappt. Das Gefühl, das BR-Gebäude zu betreten, hat Katharina bis heute nicht vergessen. „Und wir haben Autogramme von den Musikern bekommen – die habe ich immer noch zuhause.“ Lenas persönliches Highlight war es, als sie bei einem Konzert die Becken spielen durfte. „Ich war so aufgeregt!“ Wenn sie sich heute an ihre Grundschulzeit zurückerinnere, seien die Auftritte mit dem MRO, die Konzertbesuche in München und das Musizieren in der Schule die Dinge, die ihr in besonders schöner Erinnerung geblieben sind. Katharina nickt zustimmend und erzählt, wie aufregend die Fahrten nach München immer gewesen seien. Und da ist noch etwas, was bei beiden einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Die Seife auf der Toilette des MRO. „Die war immer so schaumig“, erzählen sie lachend. Noch heute sind die zwei Mädchen bei jedem der besonderen Konzerte in der Kirche in Wolfersdorf dabei.

„Das ist das Schöne“, sagt Martina Oberhauser. „Die Kinder sind von Anfang an Feuer und Flamme – und es reißt nie komplett ab. Die Ehemaligen bleiben dem Projekt treu.“ Nach den Konzerten stehe immer eine Traube ehemaliger Musikwölfe um die MRO-Musiker herum. Und obwohl diese die Kleinen während der Patenschaft ja nicht so oft sehen, können sie sich noch an viele Gesichter von damals erinnern.

Wenn Martina Oberhauser heute auf die Anfänge der Patenschaft zurückblickt, empfindet sie es gar nicht so sehr als einen Traum, der wahr geworden ist. „Das alles ist schon ganz real und es erfüllt mich mit einer tiefen Zufriedenheit, dass es das überhaupt geben kann in unserer schnelllebigen Zeit.“ Einer Zeit, in der die Qualität der Erlebnisse, die man Kindern schenkt, oftmals auf der Strecke bleibt. Dankbar ist die Lehrerin vor allem auch den Eltern, die ihre Idee von Anfang an mitgetragen haben. „Sie unterstützen mich, wo sie können. Sei es bei der Beaufsichtigung der Kinder bei den Fahrten nach München oder beim Sektempfang für die Ehrengäste.“ Auf die Frage nach einem Erlebnis, das ihr besonders im Gedächtnis geblieben ist, muss Martina Oberhauser lange überlegen. Zu schwer sei es, aus der Vielzahl von besonderen Momenten und Erlebnissen eines herauszugreifen. Am Ende berichtet sie von einer ehemaligen Schülerin, die vor Jahren bei ihr als Jugendliche ein Praktikum in der Schule gemacht habe – just zur Zeit der Konzertproben mit den Musikwölfen. Sie durfte mit den Kleinen eigenverantwortlich die Musik und Choreografie des Abschlusslieds „Zeigt uns der Musik Wunderland!“ einstudieren. Chiara hatte diese Aufgabe voller Stolz und mit viel Engagement übernommen und den Schülern viel Sicherheit für den Auftritt gegeben. Für Martina Oberhauser „ein Erlebnis mit hoher Symbolkraft.“

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