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Auf ayurvedische Küche hat sich Antonie Sperrer spezialisiert – dahinter steht eine ganzheitliche Lebensweise. 

Antonie Sperrer, Köchin aus Leidenschaft

Nahrung für Körper, Geist und Seele

Der schöne Hof im Norden des Landkreises lässt zwar vermuten, dass hier das Thema gesunde Ernährung eine große Rolle spielt. Tatsächlich bringt die Bäuerin schon seit ihrer frühen Jugend eine ausgeprägte Leidenschaft dafür mit. Wer kann schon behaupten, sich bereits als Jugendlicher entschieden und mit Lust gesund ernährt zu haben – gegen den Trend Gleichaltriger? Antonie Sperrer (58) ist da die große Ausnahme.

Berghaselbach – Schon mit etwa 14 Jahren, 1973, erwachte bei Antonie Sperrer die Freude am gesunden Essen. Da war zum einen die Ausbildung zur Hauswirtschafterin, die sie sensibilisierte. Da war aber auch die Mutter, die damals schon immer wieder exotische Früchte auf den Tisch brachte. Fleisch war für die junge Antonie weitaus unattraktiver als für den Rest der Familie. Nicht ganz einfach – denn zur schweren Arbeit in der Landwirtschaft gehörte traditionell deftige Fleischkost dazu, und das mehrmals pro Woche.

Jahre später, im Jahr 2003, sie war inzwischen schon längst verheiratet, entschloss sich Antonie Sperrer gemeinsam mit ihrem Mann zu einem gravierenden Einschnitt. Der traditionsreichen Milchbewirtschaftung folgte nur noch die Mutterkuhhaltung und Weidemast. Spürbar entlastet, verglichen mit den entbehrungsreichen Jahren zuvor, eröffneten sich neue Ausblicke, nachdem sich ihr Mann besonders auf die Arbeit am Hof konzentrierte. Die junge Bäuerin schaute sich schon bald nach einem zweiten Standbein um. Gelegentlich bot sie ab Hof oder auf Märkten selbstgemachten Käse an. Ein erster spannender Einstieg, auch wenn der Aufwand groß und die Erträge überschaubar blieben. Als gelernte Hauswirtschafterin und inzwischen auch Meisterin der ländlichen Hauswirtschaft, bot es sich an, sich dem „Hauswirtschaftlichen Fachservice“ anzuschließen, dem sie auch heute noch zur Verfügung steht. Doch ihrem Traumberuf kam sie erst 2007 näher – mit der Ausbildung zur Ayurvedischen Ernährungsberaterin beziehungsweise -köchin.

Warum ayurvedisch? Die Antwort: es war ein ayurvedischer Kochkurs, der die junge Bäuerin so nachhaltig beeindruckte, dass sie dieses Thema seither nicht mehr loslässt. Vor einigen Jahren hielt sie sich in Indien, sozusagen vor Ort, auf, um eine Ayurvedakur mitzuerleben. „Eine große Bereicherung“, wie Antonie Sperrer im Nachhinein sagt. Ihre spontane Idee nach der Indien-Erfahrung: „Ayurvedisch für Bayern aus Bayern, das wärs!“ Der überwiegende Teil der Zutaten lässt sich ohnehin aus der regionalen Küche zusammenstellen, wie die Köchin erklärt. Ihre Leidenschaft dafür ist in jedem Satz spürbar: „Im Umkreis bis zu 25 Kilometer bekomme ich alles, was meinem Körper gut tut. Es gibt für mich nicht die typische Ayurveda-Ernährung“, so ihre Erkenntnis. „Jeder Mensch kann seine optimale Ernährungsform mit Hilfe der ayurvedischen Prinzipien selbst zusammenstellen. Die Art und Zubereitung der Speisen kann ich auf die üblichen Essgewohnheiten meines Kulturkreises, des Klimas, meiner Umgebung oder die Tages- und Jahreszeiten abstimmen“. Doch es geht nicht ganz ohne so typische Gewürze wie etwa Ingwer, Nelken, Pfeffer, Chili, Kurkuma oder Kardamom, die in der ayurvedischen Küche unentbehrlich sind. Sie zeichnen sich, wie Antonie Sperrer erklärt, dadurch aus, dass sie alle Geschmacksrichtungen erfüllen: süß, sauer, scharf, bitter oder salzig. Kriterien also, die vielfach wirken, ob unterstützend für die Verdauung oder hilfreich bei Krankheiten oder Unverträglichkeiten – bevorzugt bei Krebserkrankungen.

Nicht erst durch die Krankheit ihres Mannes wurde Antonie Sperrer auf die Krebshilfe Freising, Maria und Christoph e.V., aufmerksam Der frühe Tod ihres Mannes überzeugte sie noch stärker, dass richtige Ernährung mitentscheidend ist im Kampf gegen Krankheiten und Mangel- oder Fehlernährung. „Gesunde Nahrung“, sagt die Köchin, „nährt maßgeblich unser Körpergewebe und liefert grundlegendes Baumaterial für deren Instandsetzung und Regeneration. Sie verhindert auch die Ansammlung von Abfallstoffen in den Geweben.“ Ayurveda eröffne eine ganzheitliche Sicht auf die Bedeutung von Ernährung, die das körperliche, geistige und seelische Wohl des Menschen berücksichtige.

Seit fünf Jahren arbeitet Antonie Sperrer nun als Ernährungsberaterin, wenngleich sie dies bisher nur ganz nebenbei praktiziert. Im Mittelpunkt steht nach wie vor die – allerdings verkleinerte – Landwirtschaft – und das Engagement für an Krebs erkrankte Menschen. Für sie hat sie individuelle Ernährungsempfehlungen ausgearbeitet, hält Vorträge, wie kürzlich bei den Gesundheitstagen in Freising oder steht für Betroffene oder Angehörige für Einzelberatungen zur Verfügung. Naturgemäß geht ihr Blick auch auf die Ernährung in Krankenhäusern, wie dem Freisinger Klinikum, besonders bei Krebspatienten. „Eine Chemotherapie zehrt empfindlich an der Verfassung des Patienten. Hier sollte gerade die Ernährung elementar sein“. Zwingend notwendig sei gutes, abwechslungsreiches Essen, um gesunde Zellen zu ernähren oder neu entstehen zu lassen. So wäre es ihrer Meinung nach sinnvoll, abends öfters etwas Warmes anzubieten anstatt der häufigen Wurst-oder Käseplatten. Antonie Sperrer: „Es wäre eine tolle Sache, wenn gerade Krankenhäuser hier mit gutem Beispiel vorangingen.“

Eine Kostprobe genießt der Berichterstatter bei einem Kochkurs: „Hähnchencurry in Mangosoße“. Jede der Gemüse- oder Obstbeilagen, überraschen mit einem neuen, individuellem Geschmack. Das lässt erahnen, was die ayurvedische Köchin unter ganzheitlicher Ernährung versteht – und warum sie es in beneidenswerter Leidenschaft vorlebt.

Gut zu wissen

Wer sich angesprochen fühlt, ist zu einem Schnuppernachmittag am 29.Juni nach Berghaselbach eingeladen, nicht zuletzt auch von einer Krebserkrankungen Betroffene.

Sebastian Grießl

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