Das alte Domizil der FFW Jägersdorf ist viel zu klein. Ein neues Haus wird dringend gebraucht. 
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Das alte Domizil der FFW Jägersdorf ist viel zu klein. Ein neues Haus wird dringend gebraucht. 

Neues FFW-Domizil in Jägersdorf kostet nun fast eine Million Euro

Wolfersdorfer Gemeinderat hakt nach: Wieso wird Feuerwehrhaus fast doppelt so teuer?

Die Kosten für das neue Feuerwehrhaus in Jägersdorf drohen aus dem Ruder zu laufen. Statt der ursprünglich angesetzten 560 000 Euro soll das Gebäude jetzt weit über 900 000 Euro kosten.

Wolfersdorf - Eine Kostensteigerung um fast das Doppelte: Grund genug für Gemeinderat Josef Denk, die Planung und das Vorgehen in Frage zu stellen. Der Billingsdorfer hat umfangreiche Korrespondenz in der Sache betrieben, sogar Kontakt zu Landrat Helmut Petz und zur Kommunalaufsicht aufgenommen.eil er sich eine Kostensteigerung in dieser Höhe einfach nicht erklären konnte und weil er sich seinem Gewissen und dem Steuerzahler verpflichtet fühlt, wie er gegenüber dem FT erklärte. Deshalb habe er auch keine Ruhe gegeben.

Gemeinderat Denk spricht von Planungsfehlern

Denk legt Wert auf die Aussage, dass man erst, nachdem er im Juni 2020 beim Landrat gewesen sei, die Kostensteigerung im Gemeinderat näher erläutert und dargelegt habe. Das habe er sogar schriftlich. „Ich musste das herausfinden, das ist meine Pflicht als Gemeinderat“, sagt Denk. Seiner Meinung nach sind Planungsfehler gemacht worden. Zumindest zieht er die erste Kostenschätzung, die vom beauftragten Architekturbüro gemacht worden ist, in Zweifel.

Erste Kostenschätzung war „zu optimistisch“

Seiner Meinung nach sind die damals, Anfang August 2019 prognostizierten 560 000 Euro zu optimistisch gewesen. Nach Abzug von 160 000 Euro Eigenleistung durch die Feuerwehr und 110 000 Euro staatlichen Zuschuss hätte die Gemeinde lediglich 290 000 Euro bezahlen müssen. „Ich habe nachgeforscht und herausgefunden, dass das nicht mehr hinhaut. Die offizielle Begründung war, wegen Corona“, stellt Denk fest und gibt sich skeptisch. „Mir ist nicht bewusst, warum das so viel teurer werden soll“, sagt er und verlangt Aufklärung. Sein Hauptkritikpunkt ist, dass man die Pläne im Rat nicht genug erläutert hat, es nur Skizzen und einen Beschlussvorschlag gegeben habe.

Bürgermeisterin Anita Wölfle sagt: „Die 560 000 Euro, das war eine Prognose, die ist zu schnell rausgegangen, die war vielleicht ein wenig zu niedrig angesetzt“. Im Gegensatz dazu sei die zweite Kostenaufstellung der Tatsache geschuldet gewesen, dass in Zeiten von Corona keine Eigenleistung mehr möglich erschien. Besagte Kalkulation, die vom Februar 2020 stamme, die mit insgesamt 960 000 Euro, sei von einer schlüsselfertigen Übergabe, also davon ausgegangen, dass alle Arbeiten von Firmen ausgeführt werden müssen. Außerdem seien darin Außenanlagen und Grünanlagen enthalten gewesen. Erklärtes Ziel sei es aber von Anfang an gewesen, das Feuerwehrhaus so günstig wie möglich herzustellen, so Wölfle.

VG-Geschäftsleiter Eugen Altmann sieht das ähnlich. „Man wollte keinen großen Aufwand betreiben, das war der Hintergrund“, erklärt Altmann die Anfangsplanung. Das habe auch für eine Statikberechnung gegolten, die ein VG-Sachbearbeiter, der im genehmigten Nebenerwerb ein Ingenieurbüro betreibt, gemachte habe. Das sei auf Initiative von Ex-Bürgermeister Sebastian Mair geschehen und mit der Verwaltung sowie der Gemeinde abgeklärt gewesen. „Alles war formal korrekt und abgestimmt“, urteilt Altmann. Im Grunde sei es immer darum gegangen, das Feuerwehrhaus zu einem möglichst wirtschaftlich angemessenen Preis zu erstellen. Die 560 000 Euro waren laut Altmann eine Einschätzung auf der Basis von Eigenleistungen und Materialkosten. „Der einzige Fehler war, dass wir beim Maßnahmenbeschluss von 560 000 Euro ausgegangen sind,“ sagt Altmann. Das habe man relativieren müssen. Aber alles sei öffentlich bekannt gemacht worden und alle maßgeblichen Beschlüsse seien einstimmig gewesen.

Ex-Bürgermeister: Von Beginn an alles öffentlich vorgestellt

Eine Sicht der Dinge, die auch Ex-Bürgermeister Sebastian Mair teilt. „Freilich hat man alles öffentlich gemacht“, sagt das ehemalige Gemeindeoberhaupt zum Prozedere. Er bezieht sich damit auf die Anfangsplanung. „Der Bauantrag ist sehr wohl in der öffentlichen Sitzung vorgestellt worden“, erinnert sich Mair. Auch dass es unter den gegebenen Bedingungen um so viel teurer werden könnte, sei dem Gemeinderat laut Mair bekannt. „Meiner Meinung nach sind keine Planungsfehler gemacht worden.“ Zur anfänglichen Planung sagt der Ex-Bürgermeister: „Von dem damaligen Standpunkt aus war das schon realistisch. Erst im Nachgang ist es größer geworden.“ Man habe eben geschaut, was man braucht, sich andernorts Feuerwehrhäuser angesehen und dann nachgebessert. Deshalb könne man auch der Architektin keinen Vorwurf machen.

FFW-Haus auf Wunsch größer dimensioniert

Nach Auskunft von Planerin Bettina Aumann sollte man „Äpfel nicht mit Birnen vergleichen“. Sie spielt damit auf die Diskrepanz zwischen erster und zweiter Kostenschätzung an. Zuerst gab es demzufolge nur ein „ganz grobes Raumprogramm“. Im Laufe der Planung habe man dann gemerkt, dass doch noch mehr dazukomme. Dadurch sei das Gebäude größer geworden. Aber, und darauf legt Aumann wert: Es sei immer alles abgesprochen gewesen – mit der Dorfgemeinschaft, mit der Feuerwehr und mit der Kommune. Bei Besprechungen und Ortsterminen in Jägersdorf seien immer auch Gemeinderäte anwesend gewesen.

Alle wollen weiter an einem Strang ziehen

Am Ortsrand von Jägersdorf Richtung Heigenhausen soll das neue Feuerwehrhaus gebaut werden. Wie sich jetzt herausgestellt hat, sind die Kosten noch vor Baubeginn explodiert. 

Inzwischen haben sich die Wogen etwas geglättet. Wölfle, Denk und Altmann haben sich zu einer Aussprache getroffen. Mit dem Ergebnis, dass man jetzt an einem Strang ziehen und den Bau des Feuerwehrhauses in Jägersdorf auf einen guten Weg bringen will. Das Fazit von Denk lautet: „Es muss auf neue Füße gestellt werden, weil, wir brauchen ein Feuerwehrhaus, das bezahlbar und vernünftig kalkuliert ist. Wölfle weiß auch schon wie. „Man muss einen neuen Maßnahmenbeschluss fassen und die Planung dann im Gemeinderat im Detail vorstellen“, fordert sie. Dann gelte es, endlich anzupacken. Ein neues Planungsbüro brauche man nicht. Die Planung stehe ja. „Es muss irgendwann mal Ruhe sein,“ findet Wölfle.

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