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Warmer Applaus für den Staatsmann aus Felix Austria: Die Freisinger CSU sorgte dafür, dass sich der frühere österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (vorne, M.) gleich wie zu Hause fühlte.

Österreichs Ex-Bundeskanzler zu Gast in Freising

Wolfgang Schüssel beim CSU-Neujahrsempfang: „2017 wird nicht einfacher werden“

Freising - In Zeiten der Unsicherheit komme es auf die Volksparteien an. Genauer: auf die CDU/CSU, auf deren konservative Werte und auf eine starke Mitte. Die Freisinger CSU hört das bei ihrem Neujahrsempfang gerne – noch dazu von einem ehemaligen Bundeskanzler. Wolfgang Schüssel ist zu Gast in Freising.

„Unser Bundeskanzler aus Österreich“ – so begrüßt der Freisinger CSU-Ortsvorsitzende Peter Geiger den ÖVP-Mann, der von 2000 bis 2007 der erste Mann in Österreich war und beim 36. Neujahrsempfang der Freisinger CSU am Donnerstag im Schafhof das „Zugpferd“ darstellt. An ihm liegt es sicherlich nicht, dass weniger Zuhörer gekommen sind als sonst bei der CSU-Veranstaltung. Wolfgang Schüssel, laut Geiger ein Homo politicus, einer, der nicht nur wisse, was er wolle, sondern auch, wie er es bekomme, einer, der „praktisch Teil der CSU-Familie“ sei, jener Wolfgang Schüssel fühlt sich gleich wie zu Hause. Kein Wunder, spielen die Holledauer Hopfareißer doch zum Einzug des Mannes „O du mein Österreich“.


Schüssel startet mit Wiener Schmäh und lockeren Sprüchen, plaudert über die Verbindungen zwischen Bayern und Österreich: Er erinnert an die Sissi, jenes 15-jährige „fesche bayerische Mädel“, aber auch an FC-Bayern-Star David Alaba – „einen Ur-Wiener, wie man unschwer sieht“. Und Schüssel versichert den Zuhörern, dass „wir auch die Mautdrohungen von Dobrindt überleben“ werden. Gelächter unter dem Tonnengewölbe im Schafhof. Und den Hinweis, dass in manchen Dingen Österreich den Deutschen und auch den Bayern voraus sei, kann sich der Österreicher nicht verkneifen: „Wir haben schon seit 30 Jahren keine Atomkraftwerke mehr, wir waren früher dran“, betont der 71-Jährige. Und die Österreicher hätten schon viel längere Erfahrungen mit Großen Koalitionen, vor allem auch damit, wie man aus einer „GroKo“ eine „Mikro“ mache.

Doch ein Politprofi wie Schüssel weiß nicht nur, wie man Zuhörer für sich gewinnt, er weiß auch, was man bei solchen Anlässen von ihm erwartet. Schüssel ist Europäer: Die EU, das sei schon eine „mühsame“ Sache, „aber es lohnt sich“. Und: „Die Briten werden sich noch anschauen“, prophezeit Schüssel und wiederholt damit im Tenor das, was auch die CSU-Europaabgeordnete Angelika Niebler zuvor in ihrem Grußwort gesagt hat.

„Nichts hören“, „Nichts sagen“, „Nichts sehen“: Die Startbahngegner forderten vor dem Schafhof zu beherztem Abwehrkampf auf.

Niebler hat freilich auch das Thema innere Sicherheit angeschnitten. Und das ist als Thema auch Schüssel vorgegeben worden: „Ordnung – Sicherheit – Gerechtigkeit: Der Kompass der christlichen Volksparteien in Zeiten der Unsicherheit“. 2016, so Schüssels Analyse, habe die Welt zugeschaut – ob in Syrien und Aleppo oder bei den Terroranschlägen. „Unser European Way of Life“ stehe da im Kreuzfeuer, betont der Kanzler a. D.: „Um den geht’s, der steht auf dem Prüfstand“. Und: 2017, so die Prognose des Staatsmannes aus Felix Austria, „wird nicht einfacher werden“. Schüssels Folgerung daraus ist deutlich: Deshalb müsse in einem Jahr, in den in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland Wahlen anstünden, „die Mitte stark sein“. Und die Mitte, das sei in Deutschland, „im Kraftzentrum Europas“, eindeutig die CDU/CSU. Vor allem deren christliche Wertehaltung sei jetzt wichtiger denn je – Nächstenliebe und Toleranz vor allem.

Das Vermächtnis, das Schüssel vor seinem Rückflug nach Wien der CSU und den Christdemokraten in Bayern und Deutschland hinterließ: „Wir dürfen nicht zulassen, dass die Kräfte der Angst und der Angstmacherei stärker werden als die Kräfte der Hoffnung.“

Schüssels Aussagen fallen bei der Freisinger CSU auf fruchtbaren Boden: Ortsvorsitzender Geiger betont in seiner Begrüßung, Ordnung, Sicherheit und Gerechtigkeit seien der „Kompass“. Und CSU-Kreisvorsitzender Florian Herrmann, zugleich innenpolitischer Sprecher der CSU-Landtagsfraktion und laut Niebler „die Speerspitze“ der CSU für das Thema innere Sicherheit, liegt mit dem hohen Gast aus Österreich ganz auf einer Linie: In Zeiten der Unsicherheit komme es auf die konservativen bürgerlichen Volksparteien an, diese müssten Ordnung und Orientierung geben. Und wer stehe für eine wehrhafte Demokratie, wer sorge dafür, dass der Staat stark sei? In Bayern die CSU, in Deutschland CDU/CSU. Und dann startet Herrmann noch einen Angriff auf den politischen Gegner: Wer einen Blick in die rot-rot-grüne Koalitionsvereinbarung werfe, der erkenne, dass diese Parteien „keine Antworten“ auf die drängende Frage der inneren Sicherheit hätten. Kurz: Rot-Rot-Grün, das wäre „ein Sicherheitsrisiko für das Land“.

Nicht in erster Linie ein Sicherheitsrisiko, sondern ein Risiko für die Lebensqualität in der Region sehen die Startbahngegner, die – schon fast traditionell – zu Beginn der Veranstaltung vor dem Schafhof Aufstellung genommen haben. Mit Plakaten, auf denen Freisinger CSU’ler mit den berühmten drei Sprüchen „Nichts hören“, „Nichts sagen“ und „Nichts sehen“ abgebildet sind, fordert man von den Abgeordneten der CSU, dass sie, wenn sie schon angeblich die dritte Startbahn ablehnen, für ihre Überzeugung auch kämpfen müssten.

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