Zirkus-Grossfamilie Feraro im hirschauer Winterquartier

Zirkus Feraro: Sie kämpfen täglich ums Überleben

„Zirkus-Betriebe hatten es noch nie leicht, aber es wird von Jahr zu Jahr chaotischer und schwieriger“. Direktor Hermann Schmidt-Feraro und seine Truppe vom Zirkus Feraro müssen vor allem im Winter kämpfen: kaum Einnahmen, bittere Kälte und das Ringen um das tägliche Brot.

Hirschau – Zum vierten Mal in Folge hat der Zirkus Feraro sein Winterquartier auf einem ehemaligen Bauernhof in der Hirschau (Gemeinde Marzling) aufgeschlagen: Zirkus-Chef Hermann Schmidt-Feraro und insgesamt fünf Zirkusfamilien, die das Jahr durch die Lande touren, müssen dort überwintern: 26 Artisten aus sechs Generationen sowie 40 Tiere ringen dort derzeit jeden Tag um das Notwendigste.

Der Direktor blickt in seinem Wohnwagen auf eine durchwachsene Saison zurück und malt eine düstere Zukunft: „Wir müssen von Jahr zu Jahr mehr kämpfen.“ Vor allem die Initiativen der großen Tierschutz-Organisationen seien dafür verantwortlich, dass sie von immer mehr Städten abgelehnt würden und auch generell immer weniger Besucher kämen. „Ich habe ja nichts gegen Tierschützer, aber die sollen nicht übertreiben“, meint Direktor Hermann Schmidt-Feraro. Der Zirkus unterliege ohnehin regelmäßigen behördlichen Kontrollen, was den Tierschutz angehe. Schmidt-Feraro: „Aber wir Zirkusleute behandeln Tiere genauso respektvoll wie wir mit Menschen umgehen.“ Ihm seien seine Tiere „besonders wichtig“. Sie würden zu nichts gezwungen: „Deshalb respektiere ich, wenn Pferde, Ponys, Lamas, Ziegen, Schlangen oder Tauben mal nicht in die Manege wollen. Das sage ich dann in der Manege an, und das Publikum reagiert meist positiv.“

Auch das Wetter machte den Zirkusleuten heuer so manchen Strich durch die Rechnung. So wurden bei einem Gastspiel in Pfaffenhofen im Sommer bei einem heftigen Sturm Teile des Zelts beschädigt, die jetzt kostenintensiv repariert werden müssen. Dazu kämen tägliche Kosten, wie Heizung, Gas, Strom und Lebensmittel: „Und all das wird auch immer teurer.“

Jetzt, im Winter, ist es laut Schmidt-Feraro besonders prekär: „Wir haben so gut wie keine Auftritte, aber die Kosten fallen nach wie vor an.“ Damit Geld in die Kasse kommt, hat der Zirkus-Chef bei der Stadtverwaltung Freising angefragt, ob ein Winterzirkus in der Luitpoldanlage möglich wäre. Aber es gab eine Absage. Private Buchungen für kleine Feste oder Geburtstage seien auch eher dünn gesät. „Deswegen sind wir mittlerweile auf Futter-, Heu- oder Geldspenden angewiesen“, schildert der Direktor die derzeitige finanzielle Notlage des Familienunternehmens.

So trainieren die Zirkusleute den Winter über hauptsächlich neue Nummern ein oder richten beschädigtes Equipment her. Jeden Tag hoffen sie weiter auf kleine Auftritte – und die Unterstützung der Bevölkerung. Denn die Show soll ja weitergehen.

Ab Mitte März 2018 will Zirkus-Chef Hermann Schmidt-Feraro wieder auf Tour gehen. Und da wird Feraro des Öfteren Station in Österreich machen: „Obwohl dort das Image der Zirkusbetriebe nicht unbedingt besser ist als in Deutschland, ist es dort trotzdem oft leichter für uns.“ Wenn man mal einen Platz habe, müsse man „nicht wegen jeder Kleinigkeit zur Behörde laufen“, erklärt Schmidt-Feraro. So erzählt er begeistert, wie die Zirkusfamilie während eines Gastspiels in Kufstein spontan von der Polizei zu einem großen Straßenfest eingeladen wurde: „Das haben wir dankend angenommen.“

Trotz der vielen Hürden machen Hermann Schmidt-Feraro und seine Truppe weiter: „Es ist ein schweres Leben, aber auch ein schönes. Wir kämpfen auf jeden Fall“, sagt der Direktor. Er könne sich „schon allein wegen der vielen Begegnungen mit freundlichen Menschen“ und der Liebe zu seiner großen Zirkusfamilie nicht vorstellen, eines Tages aufzugeben.

Gut zu wissen

Wer der Zirkus-Großfamilie im Hirschauer Winterquartier helfen möchte, kann sich mit Hermann Schmidt-Feraro unter Tel. (01 60) 6 50 01 75 in Verbindung setzen. Die Feraros freuen sich über Geld- und Futterspenden.

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