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Das Thema Integration gehört wieder zurück in die Mitte der Gesellschaft, nicht an den Rand: Der Helferkreis aus Zolling mit Angelika Sagerer, Stefan Griebel und Hans Seibold (v. l.) fühlt sich oft ausgebremst. 

Flüchtlinge nicht mehr im Fokus der Gesellschaft

Asylhelfer beklagen kühle Härte und zu viel Bürokratie in  Behörden

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Sie haben tagtäglich mit den Folgen der Flüchtlingswelle der Jahr 2015 und 2016 zu tun. Und damit fühlen sie sich ziemlich allein gelassen. Drei Mitglieder des Zollinger Helferkreises reden Klartext.

ZollingAls in den Jahren 2015 und 2016 viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen, war das Engagement der Bürger groß. Mit den Unterkünften, die in den Gemeinden errichtet wurden, bildeten sich viele Helferkreise. Auch in Zolling haben sich Menschen zusammengetan, um den Geflüchteten das Ankommen zu erleichtern, um die Gesellschaft bei der großen Aufgabe „Integration“ zu unterstützen.

Viele ehrenamtliche Helfer sind frustriert

Fast vier Jahre später hat sich einiges verändert: Das Thema ist nicht mehr im Fokus, viele Helfer sind frustriert. „Die Behörden unterstützen uns nur noch wenig, mitunter sehen sie uns sogar als Störfaktor“, beklagt Stefan Griebel. Seit dem Jahr 2016 ist er zusammen mit etwa 26 anderen aktiv in der Flüchtlingshilfe engagiert. Die Unterkunft in Zolling ist voll belegt, die Atmosphäre im Haus sei grundsätzlich gut, was aus Sicht der Helfer auch an den vielen Kindern liege – und an der Asylsozialarbeiterin, die Dank der Vehemenz von Bürgermeister Max Riegler regelmäßig vor Ort ist. Sie entlastet die Ehrenamtlichen deutlich.

Dass es im Vergleich zu anderen Unterkünften wenig Konflikte gibt, ist nicht selbstverständlich. Denn hier treffen unterschiedliche Kulturen, verschiedene, oft schwierige Lebensgeschichten aufeinander. Die Arbeit des Helferkreises gibt den Menschen Sicherheit und eröffnet neue Möglichkeiten. Sie bekommen Deutschkurse, Hilfe bei Behördengängen, Unterstützung bei der Suche nach Arbeit oder bei einem Umzug. Mittlerweile allerdings seien viele der Bewohner ohne Bleibeperspektive und ausreisepflichtig, schildert Angelika Sagerer, ebenfalls Helferin der ersten Stunde, die Situation. Häufig scheitert aber die Ausreise an fehlenden Papieren aus dem Heimatland. Das Ergebnis: Die Menschen sitzen fest, ohne Aufgabe, ohne Perspektive, auf unbestimmte Zeit. „Sie sitzen den ganzen Tag in der Unterkunft wie in einer Blase“, sagt Sagerer. „Das verändert langsam aber sicher die Dynamik vor Ort – irgendwann bekommen das alle zu spüren“, sagt sie und meint damit, dass das Thema nicht nur in Zolling an den Rand geschoben scheint.

Thema Integration gehöre in die Mitte der Gesellschaft

Da gehört es nach Ansicht der Helfer eben genau nicht hin. Sondern: „Es gehört in die Mitte der Gesellschaft, das geht uns alle an“, sagt Stefan Griebel. Integration erfordere Aktivität und Willen von beiden Seiten. „Man sagt immer, die müssen sich integrieren, aber so funktioniert das nicht. Diese Menschen brauchen jemanden, der sie an der Hand nimmt und begleitet“, findet Griebel. Mehr Möglichkeiten, zu arbeiten, etwas dazuzulernen, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben, das würden sich die Zollinger Helfer für ihre Schützlinge wünschen.

Denn nur dann könnten die Menschen lernen, sich Sachen abschauen von anderen und ein Gefühl für deutsche Werte und Regeln entwickeln. Vereine wären dabei ein wichtiger Faktor. Da gebe es schon ein paar, die aktiv etwas beitragen, sagen die Helfer und nennen den großen Einsatz der Spielvereinigung Zolling. Insgesamt würde man sich mehr Initiative wünschen. „Nur zu sagen, die können ja kommen, reicht nicht“, weiß Sagerer.

Aber die Unterstützung aus der Gesellschaft ist nur ein Aspekt. Man sei vor allem auf die Behörden und die Politik angewiesen. Die Entscheidungen sollten dem Einzelfall besser gerecht werden. „Vielfach gehen Behörden nur schematisch vor, die Spielräume, die sie haben, nutzen sie nur wenig“, so erlebt es Griebel. Statt den Helfern zuzuhören, sie ernst zu nehmen und anzuerkennen, dass die Freiwilligen eine große Lücke im System schließen, werde ihnen die Arbeit eher erschwert mit viel Bürokratie und kühler Härte. „Das, was hier von den Helfern seit Jahren abgefangen wird, bleibt meist unsichtbar“, beklagt auch Hans Seibold. Wohlwollende Worte, Ehrennadeln und Medaillen bräuchte man nicht, dafür aber wirkliches Interesse, aktive Unterstützung und echte Zusammenarbeit. „Wir wollen uns nicht als Bittsteller fühlen“, sagt Griebel und findet, auch der Zollinger Gemeinderat könnte das Thema bildhaft gesprochen „mehr in die Ortsmitte holen“. Alle müssen anpacken, sagen die Helfer, dann werde Integration auch wirklich funktionieren. Es sei ein langer Weg, bis Menschen in einer völlig neuen Kultur wirklich ankommen können. Aber wenn man diesen Weg als Gesellschaft gemeinsam ginge, könnten alle Seiten gewinnen.

Auf Spenden angewiesen

Von den Spendengeldern werden zum Beispiel Lern- und Lesebücher für die Frauen, Spielsachen für die Gemeinschaftsräume und für draußen (Bälle, Stelzen etc.), Materialien für Mal- und Bastelangebote, Eintrittsgelder für Schwimmkurse finanziert. Kontoinhaber: Nachbarschaftshilfe Zolling, Freisinger Bank BIC: GENODEF1FSR IBAN: DE43701696140000229857 Kontakt zum Helferkreis: angelikas@hk-zolling.de.


DieEntscheidung zur Organspenderegelung hat in Freising für Enttäuschung gesorgt.

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