+
Eingespieltes Team: Hauswirtschafterin Doreen Hempl (2. v. l.) und Franz Kratzer (r.) gehen Claudia (l.), Pascal und Michi (M., v. l.) bei Bedarf zur Hand.

Besuch im Betreuten Wohnen in Zolling

Auf Hilfe angewiesen und doch völlig selbstständig: Leben in einer besonderen WG in Zolling

Claudia, Pascal und Michi haben etwas ganz besonderes gewagt: Sie haben eine Wohngemeinschaft gegründet, obwohl sie eigentlich auf Unterstützung angewiesen sind. 

Zolling – Wenn drei Menschen zwischen 22 und 40 Jahren eine Wohngemeinschaft gründen, dann klingt das zunächst nicht ungewöhnlich. Wenn aber diese drei aufgrund körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung auf Begleitung im Alltag angewiesen sind, dann ist das besonders und bewundernswert. Genau das, haben jetzt Zöglinge der Lebenshilfe Freising gewagt – mit Erfolg, wie ein Ortsbesuch im neuen Betreuten Wohnen an der Schulstraße in Zolling bewies.

Es ist sechs Uhr spätnachmittags. Claudia (23), Pascal (22) und Michi (40) haben sich um den Tisch in der Küche der Wohnung, in der sie seit Mitte August leben, versammelt. Heute soll noch gekocht werden. „Gemüse mit Putenstreifen“, verrät Claudia, die tagsüber bei der AWO in Freising als hauswirtschaftliche Helferin arbeitet. Das sei ein leichtes Essen. Sie versuche nämlich gerade ein paar Kilo abzunehmen, lässt sie den Besuch wissen.

Das eigene Zimmer im ersten Stock des Hauses zeigen die Bewohner gerne. Er lege sehr viel Wert auf Ordnung, gesteht Michi. Das habe er so von seiner Mama gelernt. Dass im Zimmer daneben ein Mädchen wohnt, das sieht man bei Claudia sofort. Viele bunte Kissenbezüge machen den Raum gemütlich. Und Pascal: Er freut sich, demnächst einen neuen Schreibtisch und einen Schrank bekomme.

Claudia hat schon erste Kontakte zu den Nachbarn geknüpft

Die beiden Männer machen sich auf den Weg in die Küche. Pascal, der bei den Isar-Sempt-Werkstätten der Lebenshilfe Freising/Erding eine Kochausbildung absolviert, weiß natürlich, wo man „hin glangen“ muss. Claudia muss vor dem Essen noch die Wäsche machen. Hauswirtschafterin Doreen Hempl begleitet sie in den Waschraum im Keller. Vier Fachkräfte seien es, die die Betreuung der Wohngemeinschaftsmitglieder untereinander aufteilten, sagt Franz Kratzer, Leiter des betreuten Wohnens bei der Lebenshilfe Freising. Diese seien allerdings immer nur ein paar Stunden vor Ort. Den Rest arrangierten die jungen Menschen selbst. Das Engagement für das Wohnprojekt sei von Anton Linseisen aus Zolling ausgegangen, erzählt Kratzer (wir berichteten). Damit werde das Bundes-Teilhabe-Gesetz ein Stück weit umgesetzt. Die gute Infrastruktur in Zolling sei ideal für die Bedürfnisse seiner Schützlinge. Erste Kontakte zu Nachbarn seien bereits geknüpft. Das konnte Claudia bestätigen. Die sportliche junge Frau geht demnächst mit einer Nachbarin zum Pilates. Pascal fährt gerne Rad, spielt Fußball, joggt und tanzt gerne. Michis Freundin Martina besuche ihn öfter mit dem Bus, erzählt der 40-Jährige.

Betreutes Wohnen: Der Initiator hat persönliches Interesse daran

Die Initiative, ein Haus für Betreutes Wohnen in Zolling zu bauen, sei aus persönlicher Betroffenheit entstanden, erzählt Anton Linseisen. Sein Sohn Xaver werde bei der Lebenshilfe betreut. Und dieser soll doch irgendwann auch einmal dort wohnen. „Wenn meine Frau und ich nicht mehr sind, dann ist Xaver da gut versorgt“, sagt Linseisen. Platz gibt es ausreichend auf dem Grundstück, das er von einem Freund der Familie erwerben durfte.

Maria Martin


Lesen Sie hier, wie das besondere Wohnprojekt eingeweiht wurde. 

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Nach Tod von 20-Jährigem: Brand in Freising fordert zweites Todesopfer (19) - Kripo ermittelt
Im Fall des Freisinger Mehrfamilienhaus-Brands ist nach einem 20-Jährigen nun auch sein Freund (19) gestorben. Die Ermittler gehen derweil einem ersten Verdacht nach.
Nach Tod von 20-Jährigem: Brand in Freising fordert zweites Todesopfer (19) - Kripo ermittelt
„Hervorragender Grundstein“: 13 Freisinger Azubis beim IHK-Bestenfrühstück geehrt
Sie haben herausragende Leistungen erzielt: Dafür wurden nun 13 Auszubildende aus dem Landkreis Freising beim IHK-Bestenfrühstück geehrt. 
„Hervorragender Grundstein“: 13 Freisinger Azubis beim IHK-Bestenfrühstück geehrt
Eine Million in die Feuerwehren investiert: Doppelter Segen eine „einmalige Sache“
Es ist gut angelegtes Geld, findet Kranzbergs Bürgermeister Hermann Hammerl: Insgesamt knapp eine Million Euro hat die Gemeinde in den vergangenen vier Jahren in neue …
Eine Million in die Feuerwehren investiert: Doppelter Segen eine „einmalige Sache“
Müller-Saala: „Starke Liste“ ja, aber kein Bürgermeisterkandidat
Dr. Irena Hirschmann wird Heinz Müller-Saala künftig im Vorstand des FDP-Ortsverbands Eching unterstützen. Sie wurde zu seiner Stellvertreterin gewählt.
Müller-Saala: „Starke Liste“ ja, aber kein Bürgermeisterkandidat

Kommentare