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Eine wichtige Stütze für Krebspatienten ist Lia Köhnlein aus Zolling (l.). Jetzt wurde sie von Gesundheitsministerin Melanie Huml für ihr Engagement mit dem Weißen Engel ausgezeichnet.

Auszeichnung: Der Weiße Engel für Lia Köhnlein aus Zolling

Damit die Seele nicht hinterherhinkt

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Sie ist für viele ein Engel in der schwersten Zeit ihres Lebens: Lia Köhnlein, Leiterin der Selbsthilfegruppe nach Krebs. Jetzt hat die Zollingerin selbst einen Engel zuhause, genauer gesagt den Weißen Engel, eine Auszeichnung des Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege (siehe Kasten). Köhnlein gibt in ihrer Gruppe allem Raum, was Betroffenen auf der Seele brennt.

Zolling –„Den Halt dieser Gruppe brauchst du immer – das hört nicht auf.“ Diese Überzeugung treibt Lia Köhnlein (69) aus Zolling an. Seit 2004 leitet sie die Freisinger Selbsthilfegruppe nach Krebs. Zehn Jahre davor war sie diejenige, der die Diagnose Krebs den Boden unter den Füßen weggerissen hat, und die in dieser schweren Zeit Halt in der Selbsthilfegruppe erst in Moosburg, später in Freising, fand. Ein Anker, den Lia Köhnlein nie mehr missen wollte – auch nicht, nachdem sie den Krebs besiegt hatte. Ihr Engagement für Krebspatienten ist ungebrochen. Sie will den Menschen, die in der gleichen Lage sind wie sie damals, etwas weitergeben. Doch sie macht es auch für sich: „Ich bekomme so viel zurück, ich brauche die Gruppe.“ Auf die Frage nach dem Grund, hat Lia Köhnlein eine deutliche Antwort. „Angst! Die ständige Angst, dass die Krankheit wiederkommt.“ Denn der Krebs verändere ein Leben nicht nur für die Dauer der Krankheit. „Krebs ist ein Einschnitt, er teilt dein Leben in davor und danach.“ Und danach sei eben für immer alles anders.

Und genau das müsse man – anders als vielleicht im Freundeskreis oder in der Familie – nicht immer wieder erklären. „Wir lachen zusammen, wir weinen zusammen, wir haben Gesprächsrunden, in denen jeder sagen darf, was wichtig ist, wie es ihm geht. Hier darf alles sein“, erzählt Köhnlein. Das Wichtigste: „Du siehst, du bist nicht allein mit deinen Ängsten.“ Die Selbsthilfegruppe, der Austausch mit Menschen, die das gleiche Schicksal erlebt haben, sei für das Gesundwerden und das Gesundbleiben ein wohl ebenso wichtiger Bestandteil wie die medizinische Versorgung. „Vor allem die Psyche braucht das – wenn du mit deinen Gedanken und Ängsten alleine bist, wirst du verrückt.“

Neben der seelischen Stütze geht es auch um fachliche Themen, zu denen die Selbsthilfegruppe Vorträge anbietet: Da werden Ärzte, Apotheker, Ernährungsberater oder Psychologen eingeladen, um Fragen, die den Patienten auf der Seele brennen, Raum zu geben. Neben der Angst, dass der Krebs zurückkehrt, sind die Sorgen der Mitglieder ganz unterschiedlich. Viele plagen Existenzängste, etwas, was Lia Köhnlein auf ihrem Weg erspart blieb. Vor ihrer Diagnose war sie Lehrerin für Kunsterziehung und Werken. „Der Tag meiner Diagnose war mein letzter Arbeitstag, da war ich 44.“ Die Entscheidung, wieder ins Berufsleben einzusteigen, hat ihr die Krankheit abgenommen, wie sie sagt. Rückblickend sei sie froh darüber, diesen Stress loszusein. Doch den Luxus einer Rente, von der man gut leben kann, hätten nicht alle Patienten. Und auch für finanzielle Sorgen hat Lia Köhnlein immer ein offenes Ohr – auch dafür ist die Gruppe da.

Und noch etwas: Je länger die Krankheit zurückliegt, umso schwieriger sei es, Gehör bei Familie und Freunden zu finden. „Irgendwann wollen sie es nicht mehr hören, für die ist man gesund.“ Aber: „Die Seele hinkt noch hinterher!“ Das Thema Krebs bleibe ein Leben lang präsent. Und dank Lia Köhnleins Selbsthilfegruppe ist man damit nie allein.

Jeden zweiten Dienstag

Die Selbsthilfegruppe nach Krebs wurde von der Freisinger Stadträtin Irene Gallisch als Anlaufstelle für an Krebs erkrankte Frauen ins Leben gerufen. Nach ihrem Tod 2004 übernahm Lia Köhnlein den Vorsitz. Mittlerweile ist die Gruppe Anlaufstelle für Frauen und Männer. Jeden zweiten Dienstag im Monat kommen um 19 Uhr in einem Raum der Arbeiterwohlfahrt an der Kölblstraße 2 immer bis zu 20 Betroffene zusammen, um sich auszutauschen. Neue Mitglieder werden jederzeit mit offenen Armen empfangen.

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