In einer Zoom-Konferenz haben sich Interessierte über das Thema Pop-Kultur in Zeiten der Pandemie ausgetauscht.
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In einer Zoom-Konferenz haben sich Interessierte auf Einladung der JU über das Thema Pop-Kultur in Zeiten der Pandemie ausgetauscht.

JU Zolling-Haag bittet zu zweiter Talk-About-Runde

Chef des Verbands für Pop-Kultur: „Hilfsprogramm reicht nicht zum Überleben“

  • Andreas Beschorner
    vonAndreas Beschorner
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Die JU-Zolling-Haag möchte regelmäßig zum Gespräch bitten. In der zweiten Runde der Online-Veranstaltung war Bernd Schwainar zu Gast, der Chef des Verbands für Pop-Kultur.

Zolling/Haag – Seit fast einem Jahr hat Corona Deutschland fest im Griff. Mit am schwersten getroffen hat es in den vergangenen Monaten die Veranstaltungsbranche. Beim zweiten virtuellen „Talk about“ der Jungen Union Haag-Zolling ging es genau darum. Bernd Schweinar, der Geschäftsführer des Verbands für Pop-Kultur in Bayern, nahm sich über zwei Stunden Zeit, um mit einem Dutzend Teilnehmer nicht nur die Nöte der Kultur- und Veranstaltungsbranche zu besprechen, sondern auch in die Zukunft zu blicken.

Hauptforderung: Kultur müsse als erster Bereich wieder öffnen dürfen

Die Hauptforderung: Kultur müsse, wenn das Schlimmste überstanden sei, mit zu den ersten Bereichen gehören, „die wieder aufmachen können“. Ohne Bühnen hätten Künstler keine Chance, ihre Kunst zu präsentieren und Geld zu verdienen, stellte Schweinar klar. Denn Streaming-Konzerte via Internet seien nichts, wovon ein Künstler leben könne. Das gehe nur über Gagen und das Merchandising bei Live-Auftritten. Genau deshalb hätten er und sein Verband seit März 2020 vor allem daran gearbeitet, die Bühnen zu retten und die gesamte Infrastruktur solcher Veranstaltungen aufrechtzuerhalten.

Mut von der Politik, wenn es darum geht, Veranstaltungen wieder zuzulassen, fordert Bernd Schweinar.

Und Schweinar schilderte, wie sich er und bekannte Künstler immer wieder bei Ministerpräsident Markus Söder für Hilfen und finanzielle Unterstützung von Kulturschaffenden eingesetzt hätten. Durchaus auch mit Erfolg, so Schweinar, der auf den Kulturrettungsschirm und das vorbildliche Spielstättenprogramm der Staatsregierung verwies.

Freistaat müsse in Vorleistung gehen, bis der Bund die Gelder auszahlt

Freilich: Noch fehle es an weiteren Unterstützungen, manches laufe sehr schleppend. Und: Das derzeitige Hilfsprogramm reiche nie und nimmer zum Überleben, der Freistaat müsse da sozusagen in Vorleistung gehen, bis die Gelder vom Bund ausgezahlt werden. Schweinar forderte auch mehr Mut von der Politik, wenn es darum gehe, Veranstaltungen wieder zuzulassen. Schließlich kritisiere man als Verband ja nicht nur, sondern habe beispielsweise für die 2021 geplanten Open-Air-Veranstaltungen in Bayern ausgefeilte Konzepte und konstruktive Vorschläge erarbeitet.

Spannend sei, wie es in diesem Jahr mit Indoor-Veranstaltungen weitergehe: Weil viele Events von 2020 auf heuer verschoben worden seien, könnte das Angebot leicht zu groß sein, seien die Besucherzahlen vielleicht gar nicht zu erreichen, zumal die Zuschauer weiterhin vorsichtig und zurückhaltend sein dürften, weil sie trotz Impfung & Co. noch immer ein leichtes Risiko der Ansteckung sehen würden.

Ärgern musste sich beispielsweise Klaus Müller von DJK Eventservice: So lange es für Techniker und Bühnenarbeiter keine einheitliche Regeln gebe, werde es internationale Tourneen wie von Queen und Guns’n’Roses, mit denen er heuer unterwegs wäre, nicht geben. Und als der Staat im Sommer die Regeln lockerte, private Feiern mit bis zu 100 Personen erlaubte, was zu wöchentlichen „Geburtstagsfeiern“ in Clubs und Diskotheken geführt habe, sei ihm und den professionellen Veranstaltern „die Galle hochgekommen“. Darin bestätigte ihn Schweinar: Es gebe durchaus Konzepte, auch Diskotheken-Besuche zu steuern. Aber da fehle der Politik noch der Mut.

Und dann hatte Schweinar noch eine Forderung und eine Anregung: Den Neubau eines „Konzertpalasts“ in München für einige hundert Millionen Euro sollte man doch bitte verschieben und das Geld lieber für die Unterstützung der Kulturschaffenden ausgeben als für so einen „Tanker“ und so ein „Schlachtschiff“ wie den Neubau des Gasteigs.

Nach zwei Stunden bedankte sich der Organisator Benedikt Flexeder bei der Runde für den regen Austausch und die wichtigen Impulse, die man aus dem Abend schöpfen konnte.

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