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Was im Kraftwerk künftig vor sich gehen soll, interessierte die Bürger brennend.

Dialogabend zur Klärschlammtrocknung in Zolling

Es wird keine „Stinkeanlage“

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Eine Klärschlammtrocknung soll im Anglberger Kraftwerk errichtet werden. Im Vorfeld gab es jetzt einen Dialogabend mit den Bürgern aus der Kraftwerksnachbarschaft. Sorgen bereitet denen vor allem der Lkw-Verkehr.

ZollingIm Kraftwerk Zolling machen der Energieversorger Engie, die Stadtwerke Freising und die Bayernwerk Natur GmbH gemeinsame Sache: Wenn alles nach Plan läuft, soll am Standort Anglberg Ende kommenden Jahres eine Klärschlammtrocknungsanlsge in Betrieb gehen, in der jährlich 100 000 Tonnen Klärschlamm angeliefert und mittels eines Bandtrockners behandelt werden sollen, um dann wieder als Asche abtransportiert zu werden.

Noch bevor das Genehmigungsverfahren in Gang gesetzt wird, hatten die Kraftwerksbetreiber am Donnerstag zum Dialogabend mit den Nachbarn aus Zolling und Haag geladen. Und die sehen vor allem ein Problem: den Lkw-Verkehr.

Klärschlamm, so die Begründung für das Projekt, werde mittelfristig nicht mehr auf Feldern ausgebracht werden dürfen. Die Folge, wie sie Johannes Schneider von der SüdWasser GmbH formulierte: Klärschlamm muss verbrannt werden. Um den Wirkungsgrad zu erhöhen, sei eine Trocknung des Klärschlamms sinnvoll. Das vor Ort zu bewerkstelligen, sei ökologisch viel sinnvoller, als viele tausend Tonnen Klärschlamm pro Jahr zu Kohlekraftwerken vor allem im Osten der Republik zu fahren. In Anglberg will man also jetzt, so erläuterte Maximilian Unterbuchner vom Kraftwerk Zolling, rund 100 000 Tonnen nassen Klärschlamms in einer noch zu errichtenden Anlage trocknen.

Die Investitionskosten dürften bei elf Millionen Euro liegen, für den Betrieb soll eine Gesellschaft gegründet werden. Damit, so der ökologische Aspekt, könne man 20 000 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen. Geruchsbelastungen seien auszuschließen, weil die Pufferlager geschlossene Hallen seien und ein ausgeklügeltes Konzept zur Abluftreinigung bestehe. „Damit wir keine Stinkeanlage werden“, sagte Unterbuchner wörtlich. Und eine Lärmbelastung sei angesichts dessen, dass man mindestens 10 dB unterhalb der Grenzwerte bleibe, ebenfalls ausgeschlossen.

Das alles glaubten die Anwohner und Nachbarn, mit all dem hatten sie kaum Probleme. Weil sie aber seit der Inbetriebnahme des Biomasseheizkraftwerks „gebrannte Kinder“ seien, wie es Haags Bürgermeister Anton Geier ausdrückte, war man in Sachen Verkehr sehr skeptisch: Laut Untersuchungen von Robert Ulzhöfer (Planungsgesellschaft Stadt-Land-Verkehr) bringt die Klärschlammtrocknungsanlage 32 neue Lkw-Bewegungen pro Tag. Wie Günter Ott vom Kraftwerk Zolling erklärte, finde die Anlieferung des Klärschlamms ausschließlich an Werktagen zwischen 6 und 20 Uhr statt. Derzeit gebe es am Standort 96 Lkw-Fahrten pro Tag, mit der neuen Anlage wären es dann 128. Ott legte auch dar, dass man gleichzeitig versuche, „Reduzierungspotenziale“ auszuloten, um einige Lkw-Bewegungen unnötig machen.

Doch mit diesen Vorschlägen war zum Beispiel Geier nicht zufrieden. Bei diesen Hausaufgaben, die man dem Betreiber mitgegeben habe, habe der sich „nicht besonders angestrengt“. Da hätten er und seine Bürger schon mehr erwartet. Dass das Projekt ökologisch sinnvoll sei, stehe außer Frage. Aber was habe die Gemeinde Haag davon? Noch mehr Lkw-Verkehr. Da müsse schon noch nachgebessert werden, so Geiers Forderung, die sein Zollinger Kollege Max Riegler unterstützte. Sprich: Auch wenn es vielleicht etwas teurer sei, sollte ein Teil der 100 000 Tonnen Klärschlamm und der danach anfallenden Asche über die Schiene abgewickelt werden. Wie Ott betonte, gehe es dabei aber nicht um Cent-Beträge pro Tonne, sondern schon um einige Euro. Trotzdem, so Geier: Er gebe den Betreibern die Hausaufgaben wieder zurück. „Nochmal, bitte!“ Den Tipp von Ulzhöfer, für Lkw innerorts eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 30 km/h zu beantragen, habe man schon als Antrag an das Landratsamt gestellt, so Geier. Die Chancen, ein generelles Lkw-Durchfahrtsverbot zu erwirken, seien allerdings sehr gering, wusste Ulzhöfer. Das würde auch das Problem nicht lösen, sondern nur verlagern, betonte Geier. Laut Terminplan der Betreiber, soll der Spatenstich im ersten Quartal 2018 erfolgen, Ende des Jahres soll dann die Anlage ihren 24-Stunden-Betrieb aufnehmen.

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