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Schicht um Schicht: Seit Herbst vergangenen Jahres sind die Archäologen – hier Axel Kowalski – damit beschäftigt, in den Resten von Siedlungsgruben der Jungsteinzeit den Oberboden in zwei Meter breiten Streifen abzutragen.

Archäologische Grabungen im Gemeindegebiet Zolling

Flitzing: Ein guter Grund aus verschiedenen Gründen

Zolling - Für den einen ist das Baugebiet „Am Schlossfeld II“ am westlichen Ortsrand von Flitzing ein guter Grund, um sich den lang ersehnten Wunsch nach einem Eigenheim zu erfüllen. Für andere ist es eine wahre Fundgrube frühgeschichtlicher Lebenswelten.

Dort wo die Gemeinde Zolling das neue Baugebiet ausweisen wird, werden derzeit noch Spuren der Vergangenheit gesichert. Seit Herbst vergangenen Jahres sind Stefan Biermeier und Axel Kowalski damit beschäftigt, den Oberboden in zwei Meter breiten Streifen abzutragen. Die beiden Archäologen haben ausreichend Erfahrung, um zu wissen, wo und wie tief gegraben werden muss, um im Lössboden auf mögliche Schätze zu stoßen. Weil bereits in der Nähe ein Bodendenkmal mit Funden aus der Bronzezeit entdeckt worden war, hatte das Landesamt für Denkmalpflege der Gemeinde zur Auflage gemacht, die Fläche archäologisch untersuchen zu lassen. Dies verzögere zwar Planung und Erschließung des Neubaugebietes, betont Zollings Bürgermeister Max Riegler. Doch erst nach der Freigabe durch die Behörde könne man in das Bauleitplanverfahren einsteigen.

Bereits vor mehr als 6500 Jahren haben sich Ackerbauern in dem kleinen Seitental des Ampertals angesiedelt. Dies beweisen die zahlreichen Funde, die Biermeier und Kowalski aus dem Boden geholt haben. Mit der Spitzhacke wird dabei die Erde an dunkel gefärbten Flächen abgetragen. Zum Großteil sind es Reste von Siedlungsgruben der Jungsteinzeitmenschen, die für die Archäologen interessant sind: verzierte Tonscherben, Feuersteine und Fragmente von Mahlplatten wurden freigelegt, aber auch Überreste einer größeren Pfostengrube aus keltischer Zeit. Was den Archäologen, der seit knapp 20 Jahren die Firma „SingulArch“ leitet, besonders freut, ist die Tatsache, dass in der Tiefe der Bodenschichten auch ein Lesefund aus römischer Zeit ausgemacht wurde. „Möglicherweise befinden wir uns hier sogar in der Nähe einer früheren römischen Villa.“ Doch darüber könne derzeit nur spekuliert werden.

Immer wieder findet Axel Kowalski, während er die Erde mit der Spitzhacke abträgt, kleine verzierte Keramikteile, die aus der Zeitepoche des Mittelneolithikums (5000 bis 4500 vor Christus) stammen. Diese steinzeitliche Epoche ist für ihre bandkeramische Kultur bekannt. Über die Funktion von spitz zulaufenden Vertiefungen, die zutage kamen, gebe es allerdings bisher keine einhellige Forschungsmeinung, betont Biermeier. Möglicherweise handele es sich um Gruben, die zum Gerben von Leder genutzt wurden. Dafür spreche auch die Lage an der Peripherie, da die Gerberei wohl erhebliche Geruchsbelästigung mit sich gebracht habe. Freigelegt wurde von den Wissenschaftlern zudem ein Teilprofil eines Hohlweges, der bis in die Neuzeit als landwirtschaftlich genutzter Weg vom ehemaligen Flitzinger Schloss in Richtung Norden führte. „Die schmalen Fahrrinnen lassen auf geringe Spurbreite der Fuhrwerke schließen“, so Biermeier, der das Ausgrabungsfeld in Flitzing als etwas ganz Besonderes im südostbayerischen Raum bezeichnet.

Bis in zwei Wochen sollen die Ausgrabungsarbeiten abgeschlossen sein. Die Funde werden dann vom Landesamt für Denkmalschutz „restauratorisch erstversorgt“ und später zur Hälfte dem Finder – in dem Fall die Gemeinde Zolling- und zur anderen Hälfte dem Grundstückeigentümer gehören. Rund 500 Fundkomplexe sind es, die ausgewertet und in Datenbanken katalogisiert werden. Der Grabungsbericht wird nachdem Abschluss online gestellt, versprach Biermeier.

Maria Martin

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