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Empörter Anlieger: Rudolf Proschko kann nicht fassen, dass die Erweiterung des Flitzinger Kiesabbau-Unternehmens genehmigt wurde.

„Kahlschlag im Interesse eines Einzelnen“

Flitzinger Kiesbau-Unternehmen will größer werden: Anlieger empört 

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Rudolf Proschko ist empört. Der Flitzinger kann es kaum fassen, dass eine Firma vor Ort wohl ihr Betriebsgelände erweitern darf. Die Gemeinde sieht das anders.

Zolling/Flitzing – Rudolf Proschko ist empört. Der Flitzinger kann es kaum fassen, dass eine Firma vor Ort wohl ihr Betriebsgelände erweitern darf. Die finale Genehmigung des Landratsamts steht aktuell zwar noch aus, aber die Chancen für das Kiesabbau-Unternehmen stehen gut. Das Gebiet, um das das Firmengelände erweitert werden soll, ist laut Flächennutzungsplan und Regionalplan vorrangig für den Kiesabbau ausgewiesen.

Seit Jahren ärgern sich einige Flitzinger über das alteingesessene Unternehmen. Vor allem Schmutz auf der Straße sowie wartende Lkw am Straßenrand sorgten immer wieder für Zündstoff und für Grund zur Beschwerde bei der Gemeinde und auf Bürgerversammlungen.

Doch die Gemeinde sieht das anders: Das Problem mit dem Dreck und den Lkw ist aus Sicht des Zollinger Bürgermeisters Max Riegler weitestgehend gelöst. Die Lkw würden nun in einem ausgewiesenen Bereich auf dem Firmengelände warten. Die Werksstraße sei verlängert und geteert worden, sodass sich weniger Schmutz in den Reifen sammele. Zusätzlich reinige das Unternehmen täglich die Straße. Die Situation sei nicht mehr dramatisch oder verkehrsgefährdend. „Man hat das so gut wie möglich geregelt“, ist Rieglers Fazit. Nicht so aus Sicht von Rudolf Proschko – und jetzt soll obendrein noch ein weiteres Gebiet dem Kiesabbau zum Opfer fallen. 

Die Rede ist von Flächen, die an der Verbindungsstraße zwischen Flitzing und Thann liegen und direkt an das bestehende Betriebsgelände angrenzen. Derzeit sind das freie Flächen, die an Wald angrenzen. Die Grundstücke sind bereits seit Jahren im Besitz des Unternehmens. Aus Proschkos Sicht wird hier nun unberührte Landschaft geopfert. „Wenn man sich diesen Kahlschlag für das Interesse eines einzelnen Unternehmens anschaut, kann man sich nur wundern“, schreibt Proschko und unterstellt „Geklüngel zwischen Unternehmen und Politik“. Ein Schreiben an den Landrat persönlich brachte nicht den gewünschten Erfolg. Der verwies auf die ausgewiesenen Vorrangflächen und auf die laufenden Prüfungen.

In unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Wald liegt das Gelände, auf dem das Flitzinger Kiesabbau-Unternehmen sein Betriebsgelände erweitern will.

Dem Gemeinderat Zolling wirft Proschko vor, den Antrag des Unternehmers „einfach durchgewunken“ zu haben, ohne die Bürger vorher zu informieren. Diesen Vorwurf weist Riegler von sich: die Tagesordnung der Gemeinderatssitzung werde bekanntgemacht, das Thema sei öffentlich diskutiert worden, und es seien auch einige Flitzinger als Zuhörer da gewesen. Die Gemeinde ist in diesem abgrabungsrechtlichen Verfahren übrigens nicht die genehmigende Behörde, sie gibt nur eine Stellungnahme ab. „Und in der haben wir die Auflage angeregt, dass das Unternehmen eine Reifenwaschanlage installieren muss“, erklärt Riegler. So will man schon von vornherein Ärger über Verschmutzung vermeiden.

Das Unternehmen hat mit den Bauarbeiten der Zufahrtsstraße zu dem neuen Grabungsgebiet bereits begonnen – bis zur Grenze des aktuellen Betriebsgeländes. Jetzt wartet man auf die Genehmigung vom Landratsamt, bevor man mit dem Bau fortfährt. Ob die erteilt wird, wird sich demnächst zeigen.

Lesen Sie auch: Am Haager Weiher: Kiesabbau für acht Jahre genehmigt und Massenschlägerei auf Volksfest: Polizistin verletzt - es fallen sogar Schüsse

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